Disput

Rote Nelken für Rosa und Karl

Mehrere Zehntausend ehrten am 11. Januar in Berlin bei strahlendem Sonnenschein und eisigen Temperaturen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

Von Dirk Schröter

Es ist Sonntag, der 11. Januar 2009. Die Sonne scheint, eisige Kälte herrscht in Berlin. Eigentlich ein Tag, an dem man sich lieber mit einer Tasse heiße Schokolade zu Hause auf sein Sofa setzt und den letzen Tag der Woche genießt. Doch es ist kein normaler Sonntag. Es ist der zweite Sonntag im Januar. Wie jedes Jahr ruft an diesem Tag DIE LINKE dazu auf, der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu gedenken. Und auch in diesem Jahr sollten zehntausende Menschen unterschiedlichsten Alters und unterschiedlichster Herkunft diesem Ruf folgen.

Es bot sich ein beeindruckender Anblick, wie ein nicht versiegen wollender Strom von Menschen die Gudrunstraße in Richtung Friedhof der Sozialisten zog. Unter ihnen waren Vertreterinnen und Vertreter der Parteispitze der LINKEN wie Lothar Bisky, Petra Pau, Halina Wawzyniak  und Gregor Gysi. Im gesamten Bundesgebiet wurden zahlreiche Busse organisiert, um es den Teilnehmenden zu ermöglichen, nach Berlin zu fahren. Doch nicht nur aus Deutschland reisten Besucher an. Unter den zahlreichen Menschen konnte man zum Beispiel eine Gruppe aus Mitgliedern der niederländischen Partei SP entdecken. Diese linke Partei schaffte es bei den Wahlen zum niederländischen Parlament vor etwas mehr als zwei Jahren, ihr letztes Ergebnis zu verdreifachen. Sie alle hatten sich dazu entschlossen, auf einen gemütlichen Sonntag zu Hause zu verzichten und rote Nelken am Gedenkstein für Rosa und Karl Nelken niederzulegen. Es dauerte nicht lange und der Gedenkstein war von einem Meer aus roten Nelken bedeckt. Hier und da entdeckte man auch den ein oder anderen aufwändig gebundenen Kranz, zum Beispiel vom Parteivorstand der Partei DIE LINKE oder von der Linksjugend [’solid].

Vor dem Friedhof waren auch in diesem Jahr zahlreiche Stände aufgebaut. Fast hätte man meinen können, hier fände kein Gedenken, sondern ein Volksfest statt. Man trifft alte Freunde aus dem gesamten Bundesgebiet wieder. Man redet, man diskutiert, man lacht, man schlürft gemeinsam einen Glühwein gegen die Kälte. Das mag für ein Gedenken zunächst etwas befremdlich wirken, aber auch das gehört dazu. Schließlich geht es nicht nur um das Gedenken, sondern um das Zusammenkommen verschiedenster linker Menschen.

Es ist der 11. Januar 2009. Dieses Jahr sollte es ein ganz besonderes Gedenken sein. Der Tod von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht jährte sich zum 90. Mal. Dem Gedenken merkte man dieses besondere Datum nicht an, was keinesfalls als Kritik zu verstehen ist. Wie in den letzten Jahren versammelte sich eine bunte Schar linker Menschen, um der Ermordung der beide zu gedenken. Wie jedes Jahr ergab sich dabei eine sympathische Mischung aus Besinnung und Zusammenkommen, aus Gedenken der Vergangenheit und Vorwärtsschreiten in die Zukunft. Auch am 10. Januar 2010 wird das so sein und Zehntausende werden sich erneut daran beteiligen.