Disput

Christian Stadter

53 Jahre, zwei Kinder. Der Dritte-Welt-Soziologe ist in der Erwachsenenbildung tätig, Pressesprecher im Kreisverband Viersen (an der niederländischen Grenze) und Mitglied des Landesvorstandes NRW. Er treibt viel Sport, kocht gut, liest und schläft zu wenig und hat ein positives Verhältnis zur kubanischen Revolution.

Was hat dich in letzter Zeit am meisten überrascht?
Wie konsequent bekloppt einige in unserer Partei wirklich sind.

Was ist für dich links?
Sozial, emanzipatorisch, demokratisch, tolerant und internationalistisch.

Worin siehst du deine größte Schwäche, worin deine größte Stärke?
Dass meine Augen manchmal so nah am Wasser sind, meine Beharrlichkeit, dass ich allem stets etwas Positives, Optimistisches abgewinnen kann. (Bitte selbst zuordnen.)

Was war dein erster Berufswunsch?
Filmregisseur. Als ich jedoch beim Kinobesuch in Berlin das Original von »Der Reiter ohne Kopf« mit der Besprechung verglich, die mir als Abonnent von »Sowjetfilm« ins Haus geflattert war, habe ich dankbar davon Abstand genommen.

Wie sieht Arbeit aus, die dich zufrieden macht?
Ein Projekt durchgeplant zu haben, zum Beispiel den Masterplan für die Wahlkämpfe in unserem Kreisverband. Oder der Abschluss eines Neumitgliederseminars mit zufriedenen Gesichtern.

Wenn du Parteivorsitzender wärst ...
... würde ich dafür sorgen, dass Menschen nach Qualifikation und nicht nach der »richtigen« Strömungszugehörigkeit in Positionen und Funktionen kommen – ein Problem zumindest in meinem Landesverband.

Was regt dich auf?
Dass uns ein Europawahlplakat in einem Villenviertel nun schon zum zweiten Mal geklaut wurde und wir den Sausack immer noch nicht erwischt haben.

Wofür gibst du gerne Geld aus?
Für guten Bordeaux (kann ich mir leider zur Zeit kaum leisten). Und für Musikanten in Fußgängerzonen (kann ich mir zum Glück leisten).

Müssen Helden und Vorbilder sein?

Müssen muss gar nichts. Doch wie sollen wir unsere Kinder humanistisch erziehen, wenn wir nicht glaubhaft vorleben, was wir behaupten zu sein?
Meine sind die Rotarmisten, die Brest-Litowsk noch gegen die Faschisten hielten, als diese längst tief in der Sowjetunion standen.
Und Rosa Parks: Die Afroamerikanerin wurde 1955 in Alabama verhaftet, weil sie sich weigerte, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Ihr ziviler Ungehorsam löste den Montgomery Bus Boycott aus, der unter anderem als Anfang der schwarzen Bürgerrechtsbewegung gilt.

Worüber lachst du besonders gern?
Über Heinz Erhard, wenn er singend (»Auch ich war ein lockerer Jüngling mit Haar«) der klavierspielenden Trude Herr erst die Blumen und dann die Vase an den Kopf wirft.

Welche Eigenschaften schätzt du an Menschen besonders?
An meiner Lieblingsgenossin, dass sie privatimen Witz und politischen Biss vereint.

Wie lautet dein Lebensmotto?
Nur wer mit geringen Mitteln Großes tut, hat es glücklich getroffen. (Clausewitz)