Disput

Das Gespräch gehört dazu

Erfahrungen: Neues Workshopangebot in Nordrhein-Westfalen zur Mitgliederwerbung und -entwicklung

Über 50 Teilnehmende wurden auf sechs Workshops zur Mitgliederwerbung und -entwicklung in Nordrhein-Westfalen gezählt. Die Workshops wurden vom Landesverband regional durchgeführt und sind Auftakt zu landesweiten Aktivitäten: deutlich mehr Neueintritte, Qualifizierung und Einbeziehung neuer Mitglieder, attraktiveres Parteileben sowie Stärkung der Strukturen der Partei.

Anlass der Veranstaltungstournee ist die Landtagswahl, also die Absicht, mehr Mitglieder und Sympathisierende für einen aktiven Wahlkampf zu gewinnen, auch über die Kampagne Linksaktiv. Darüber hinaus ging es um Zukunftssicherung für die Partei: Wie gewinnen wir neue Mitglieder aus unserem Umfeld und über Aktionen? Wie gehen wir das gemeinsam systematisch an, als Sache des ganzen Kreisverbandes?

Doch zunächst kamen bei den Veranstaltungen Fakten auf den Tisch: Sah die Anzahl der absoluten Neueintritte in NRW sehr gut aus, so gab es betretene Gesichter, als die Zahlen in Bezug gesetzt wurden zur Bevölkerungszahl, denn hier war das nur Platz elf unter allen 16 Landesverbänden. Der Vortrag verwies darauf, dass gemäß Deutschlandtrend 43 Prozent der Bürgerinnen und Bürger der Alt-BRD meinen, nach der Wende sei die Gesellschaft ungerechter geworden, nur 29 Prozent sahen die Entwicklung positiv. 71 Prozent der Gesamtbevölkerung sind für einen schnellen Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan, lediglich 26 Prozent für eine weitere Stationierung. Soziale Gerechtigkeit und konsequente Friedenspolitik sind jedoch unter den Bundestagsparteien unser Alleinstellungsmerkmal. Wo bleiben da die (neuen) Mitglieder?

Und wenn sie zu uns stoßen, welches Bild haben sie von der ersten Mitgliederversammlung, wie beziehen wir sie ein? Eigene Erfahrungen der Teilnehmenden belegten: Der erste Eindruck, gerade für Menschen ohne Parteierfahrung, ist oft entmutigend, wozu unattraktive Tagesordnungen und interne Streitereien ihren Beitrag leisten.

Nur wenige Kreisverbände gehen gezielt und systematisch an Mitgliederwerbung und -entwicklung heran, erleichtern Neuen den Weg zu aktiver Teilnahme. Dabei werden wir als Landesverband, der erfolgreich mit zahlreichen Mandaten in die Kommunalparlamente einzog, nur bestehen können, wenn die Aufgaben in Kreis- und Ortsverbänden auf deutlich mehr Schultern verteilt werden.

Nachdem im Workshop klar war, dass Anspruch und Wirklichkeit oft auseinanderklaffen, wurden die Erfahrungen des Kölner Kreisverbandes vorgestellt. Dort arbeitet eine Projektgruppe konsequent daran, von ehemals 300 auf künftig 1.000 Mitglieder zu kommen. Das beschlossene Ziel erfordert systematische Erfassung und Ansprache von Interessierten, auch bei Öffentlichkeitsaktionen. Es folgt ihre Einladung zu speziellen Informationsrunden über DIE LINKE, zu Diskussionen mit bekannten Vertreterinnen und Vertretern der Partei und zu Kulturveranstaltungen. Wichtig ist, dass hier die Interessierten ausführlich zu Wort kommen, ihre Motive und persönlichen Zugänge schildern und Fragen loswerden können.

In den Workshops wurden anschließend in Gruppenarbeit folgende Fragen diskutiert: Was davon können wir unter den Bedingungen unseres Kreisverbandes umsetzen? Was steht dem im Wege? Welche Schritte müssen erfolgreich gegangen werden? Nach Präsentation und Diskussion der Arbeitsergebnisse konnten so alle Teilnehmenden Anregungen für ihre Arbeit mit nach Hause nehmen.

Es schloss sich ein Vortrag an zum Arbeitskreis Mitgliederwerbung und -entwicklung im Kreisverband Viersen, der Neumitglieder sofort kontaktiert und in persönlichen Eintrittsgesprächen über den Kreisverband, die Medien der Partei sowie Mitwirkungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten informiert. Hierbei wird das neue Mitglied auch gefragt, was es gut kann, was es gerne tut, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten es mitbringt und wie viel Zeit pro Woche es aufwenden kann. Da auch passive Mitglieder angesprochen werden, wurden – bei derzeit 119 LINKEN im Kreis Viersen – bisher mit 78 persönliche Gespräche geführt, außerdem mit Interessierten aus der Aktion Linksaktiv.

Hinweise zum satzungsgemäßen Eintrittsverfahren, zur Beitragsehrlichkeit, zu Neumitgliederseminaren sowie zu neuem Material für Infostände und Aktionen rundeten die Workshops ab. Die Teilnehmenden wollen in Kreisverbänden die Diskussionsergebnisse vorstellen und praktische Schritte vorschlagen. Wie schrieb ein Teilnehmer der Workshops in der abschließenden Auswertung: »Ich hätte mich geärgert, nicht dabei gewesen zu sein.«

Im Ergebnis der Workshops fand in Dortmund ein Auswertungstreffen statt, auf dem Mitglieder aus neun Kreisverbänden beschlossen, zum nächsten Landesparteitag eine Initiative zur Mitgliederwerbung und Stärkung der Partei mit quantitativen und qualitativen Zielen auf den Weg zu bringen.

Christian Stadter ist Mitglied des Landesvorstandes Nordrhein-Westfalen.

c.stadter@gmx.de