Disput

»Schlecker XL boykottieren«

Mona Frias, 44, seit 1995 bei Schlecker beschäftigt, Betriebsratsvorsitzende, zuständig für 43 Verkaufsstellen in Berlin (Friedrichshain, Lichtenberg, Marzahn)

Kollegin Frias, was sind die Hauptthemen deiner Arbeit als freigestellte Betriebsrätin?

Immer aktuell sind: Arbeitszeiten, Abmahnungen, Kündigungen, Versetzungen und im Moment Leiharbeiter. Aber Gott sei Dank sind wir Querulanten und haben deswegen nur zwei Leiharbeiter. Andere Bereiche haben da schon mehr zugelassen. Ein weiteres Thema sind Schließungen von Filialen, im vorigen Jahr vermehrt.

Wie viele wurden 2009 geschlossen?

Sechs Filialen.

Seit wann wisst ihr von den Schlecker XL-Plänen, durch Entlassungen und Leiharbeit flächendeckendes Lohndumping im Einzelhandel in Gang zu setzen?

Die ersten Berichte kamen Ende 2008 aus der Gerüchteküche. Dann wurden wir über den Gesamtbetriebsrat und den Wirtschaftsausschuss, wo meine Stellvertreterin ist, informiert.

Wie haben die Kolleginnen darauf reagiert?

Unterschiedlich. In unserem Bereich gibt es noch keinen XL-Laden, manche Bereiche spielen »Karteileiche« und machen nichts, und andere klagen eben, dass sie zu uns gehören. Denn wo Schlecker drauf steht, ist auch Schlecker drin.

Wie groß sind eure Befürchtungen, dass ihr auch bald betroffen seid?

Groß. Wir rechnen 2010 definitiv damit. Das heißt weg vom Tarif und so weiter. Wir nehmen an, dass das spätestens März richtig losgeht. Aktuell verkauft Schlecker seine Warenhäuser. Wir müssen genau aufpassen, was da für Schweinereien laufen.

War es schwer, bei Schlecker Betriebsräte zu bilden?

Nö. Wir waren nicht die ersten, und dadurch war das bei uns schon etwas entspannter. Die damalige Gewerkschaft HBV hatte zur Betriebsversammlung eingeladen, ein Wahlvorstand wurde gesucht, ich hatte keine Ahnung, was das ist. Meine Chefin hat gesagt: Nehmt die, die hat eine große Klappe! So unromantisch bin ich zu dem Job gekommen.

Fühlt ihr euch als Betriebsrat ernst genommen?

Na ja, nachdem wir die Woche dreimal auf Gericht sind, werden wir schon ernster genommen als andere.

Gibt's auch Erfolgserlebnisse?

Jede Menge. Wir klagen gegen Zwangsversetzung und auf Einstellung; die Richter sehen das schon so wie wir.

Vor Jahren wurde publik, dass die Filialen nicht einmal über ein Telefon für einen eventuellen Notruf verfügten. Wie schätzt du insgesamt die Arbeitsbedingungen bei Schlecker ein?

Auch wenn nun in den Filialen ein Telefon ist, was wir als Erstes eingeklagt haben, hat sich nichts Entscheidendes verbessert. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kolleginnen bis sechs Stunden allein in der Filiale stehen. Denn Überfälle sind immer wieder aktuell; die Einbrecher wissen, dass die Kolleginnen leichte Opfer in den Verkaufstellen sind. An das Thema wollen wir ran. Wir hatten mal einen Sicherheitstarifvertrag ins Auge gefasst, aber da das eine freiwillige Sache ist, kommen wir nicht wirklich ran. Die Betriebserlaubnis für die Leihfirma MENIAR darf nicht verlängert werden. DIE LINKE hat ja auch viel mitgeholfen, dagegen was zu tun.

Wie viel Kolleginnen und Kollegen seid ihr in eurem Bereich?

169, ausschließlich Kolleginnen.

Welche Unterstützung wünscht ihr euch von den Kunden?

Dass sie uns als AS unterstützen und dass sie Schlecker XL boykottieren, so lange, bis wir dafür gesorgt haben, dass sie zu uns gehören und dass unsere Mitarbeiterinnen zu den gleichen Bedingungen da arbeiten können. Denn größer und schöner, das wollen wir auch.