Disput

100 Neue in Berlin

Junge und Alte, Lehrer und Schüler, eine Pferdewirtin und ein Systemadministrator waren diesmal beim zentralen Neumitgliedertreffen dabei

Von Kajo Tetzlaff

»DIE LINKE ist so offen, die Menschen dort sind so offen, deshalb wollte auch ich dort mitmachen«, sagt Charity Ester auf der Bühne am Samstagnachmittag vor großem Publikum beim Fest der LINKEN. Sechs neue Mitglieder der Partei DIE LINKE lassen sich hier interviewen. Sie stellen sich kurz vor und erzählen, warum sie Mitglied geworden sind. Sophia kommt aus Sachsen Anhalt und ist erst 17, sie ist überzeugte LINKE. Genauso wie Paul, ein ehemaliger Grüner aus Baden-Württemberg. Elmar ist Landwirt und Ligia thüringische Brasilianerin. Anett aus Schleswig-Holstein macht klar, dass DIE LINKE für sie die einzige glaubwürdige Partei ist. Sie alle wollen linke Politik machen und gesellschaftliche Verhältnisse verändern. Sie sind sechs von hundert neuen Mitgliedern, die dieses Juniwochenende aus allen Bundesländern nach Berlin gekommen sind, um DIE LINKE kennenzulernen. Ein solches Treffen für kürzlich in DIE LINKE eingetretene Genossinnen und Genossen findet einmal im Jahr parallel zum Fest der LINKEN statt. Eine bunte Mischung nimmt hier teil: Junge und Alte, Lehrer und Schüler, eine Pferdewirtin und ein Systemadministrator.

Zwei Tage mit einem vielseitigen Programm liegen vor den Teilnehmenden, die verschiedene Erwartungen, Tatendrang, Neugierde und viele Fragen mitbringen: Wie sind die Forderungen der LINKEN bezahlbar, wie werden wir als Partei attraktiver für junge Menschen? Wo kann der Programmentwurf diskutiert werden? Sind wir regierungsfähig oder besser aufgehoben in der Opposition? Wo bekommt man in der Partei Informationen?

Der Beantwortung einiger Fragen kommen Caren Lay, Bundesgeschäftsführerin, und Gesine Lötzsch, Parteivorsitzende, nach. Und natürlich wird viel diskutiert. Die Debatte steht unter dem Motto: »DIE LINKE wächst und wirkt.« Auch Petra Pau, Nicole Gohlke und Raju Sharma kommen mit den Neuen ins Gespräch und stellen die Arbeit der Fraktion im Bundestag vor. Hier werden viele Themen aufgeworfen und erörtert – von Bildung, über den Nahostkonflikt bis hin zur Arbeit der Abgeordneten vor Ort.

Aber nicht nur das Diskutieren steht auf der Tagesordnung: Auf der Spree verbindet Heidi Knake-Werner Sightseeing mit Politik. Als ehemalige Senatorin informiert sie über erfolgreiche Projekte der rot-roten Regierung in Berlin und macht die Mitfahrer/innen auf Sehenswürdigkeiten und die Stadtgeschichte aufmerksam.

Und beim Essen ist Zeit für Gespräche in lockerer Atmosphäre. »Ich finde besonders gut, dass man mal die Gelegenheit bekommt, andere neue Mitglieder zu treffen, und auch, dass so viele junge Leute dabei sind«, sagt eine Teilnehmerin. Im Hof des Restaurants lernen sich die Teilnehmenden ein bisschen kennen. So erzählt Petra, dass sie mit dem Motorrad aus dem Wendland angereist ist und einen Selbstbewirtschaftungsbetrieb führt. Birgit berichtet von einem niedersächsischen Mentoring-Projekt, an dem sie teilnimmt und das Frauen in der Kommunalpolitik fördern soll. Und natürlich sprechen alle über die Fußballweltmeisterschaft der Herren. Einige Fußballbegeisterte sind dabei. Nur die vielen Fahnen seien unangenehm, meint eine Teilnehmerin.

Das Fest der LINKEN bietet außerdem Abwechslung im Programm und ein wenig Zeit zum Bummeln über die Stände. Ein Teilnehmer kauft eine LINKE-Tasse. Angela Davis wird von Gregor Gysi interviewt und löst Begeisterung aus, sie erntet einen Riesenapplaus. Dann macht der Fotograf noch ein Gruppenbild.

Am letzten Abend tauschen die Teilnehmenden ihre Erlebnisse aus, trinken ein Bier zusammen. Einige gehen danach noch zum Konzert von 44 Leningrad, einer Band aus Potsdam, die eine Mischung aus Folklore, Polka und Punk spielt.

In der Feedback-Runde zeigen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer überwiegend erschöpft und zufrieden. Es war von allem etwas dabei. »Sogar das Schlafen im Mehrbettzimmer war gut, weil das Hostel so schön ist«, stellen am Ende die meisten fest. Einige hätten gern noch mehr Programm gehabt, mehr Leute kennengelernt, mehr diskutiert. Sie nehmen ihre Motivation mit nach Hause.

Fast 78.000 Mitglieder hat DIE LINKE. Seit der Parteigründung im Jahr 2007 sind 26.000 Menschen eingetreten, letztes Jahr waren es mehr als 8.000. Sie bringen – wie die 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Neumitgliedertreffens in Berlin – ganz unterschiedliche Vorstellungen, Hintergründe und Erwartungen mit in die Partei. Manche möchten sofort aktiv werden, andere möchten sich erst einmal in Ruhe umschauen. Informiert werden und eingeladen werden wollen fast alle. Deshalb finden auch auf regionaler Ebene Neumitgliedertreffen statt.