Disput

Ohne Rückhalt in der Bevölkerung!

Die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken stieß bei den Protesten gegen den Castor-Transport auf entschiedenen Widerstand

Von Jan Langehein

Der Castor-Transport hat das Zwischenlager in Gorleben erreicht, doch die Proteste dagegen waren ein voller Erfolg: Mehr als 90 Stunden hat der Transport gedauert – solange wie keiner vor ihm. Zehntausende haben gegen den Castor und für einen unverzüglichen Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert; Tausende haben ihn blockiert: auf der Schiene und auf der Straße, mit Sitzblockaden und mit Schotteraktionen. Am Ende war der Transport über 24 Stunden länger unterwegs, als sich das Bundesregierung und Atomindustrie gedacht hatten.

Auch DIE LINKE hat sich an den Aktionen beteiligt. Nach der Teilnahme an der Großdemonstration mit 50.000 Teilnehmern am 6. November hielt die Linksfraktion im Niedersächsischen Landtag eine öffentliche Fraktionssitzung ab – im Garten ihres umweltpolitischen Sprechers Kurt Herzog, direkt am Verladebahnhof in Dannenberg.

Der Fraktionsvorsitzende Manfred Sohn und die Abgeordneten Marianne König, Pia Zimmermann, Victor Perli und Kurt Herzog beteiligten sich außerdem an Sitzblockaden im Wendland. Sohn, König und Perli saßen in der Nähe von Harlingen gemeinsam mit bis zu 5.000 Atomkraftgegnern auf den Schienen der Transportstrecke und verharrten dort über zehn Stunden lang, bis die Blockade mitten in der Nacht von der Polizei geräumt wurde.

Noch während der Castor-Transport unterwegs ins Zwischenlager war, kündigte Kurt Herzog ein parlamentarisches Nachspiel im Niedersächsischen Landtag an. Dort will er in der Aktuellen Stunde zum einen den Polizeieinsatz zum Thema machen, in dessen Rahmen CS-Gas, Knüppel, Wasserwerfer und Hunde gegen friedliche Demonstranten eingesetzt wurden. Zum anderen wird er den Castor-Transport selbst kritisieren: Die Strahlungswerte der Castoren lagen teilweise weit über den Werten, die offizielle Stellen angegeben haben.