Disput

Haute Cuisine der Linken

80 Jahre Pressefest in Paris

Von Gert Gampe

Dieses Ereignis gehört wahrlich zu den größten linken Politik- und Kulturveranstaltungen in der Welt. Wieder kamen über 600.000 Menschen am zweiten Septemberwochenende auf das 70 Hektar große Ausstellungsgelände im Norden von Paris. Sie erlebten ein Volksfest bunt wie ein Herbststrauß und kraftvoll wie ein Generalstreik. Die Kunst auf großen und kleinen Bühnen voller Highlights reichte von Prodigy, Simple Minds, über eine Hommage für Jean Ferrat, internationalen Hip-Hop bis zum Philharmonischen Orchester von Radio France mit Werken von Schostakowitsch, Roussel und Debussy.

Jedoch strömten die vielen Menschen nicht nur wegen der Partylaune und des schönen Wetters in die Zeltstadt. Frankreich steckt mitten in sozialen Kämpfen, hatte bereits mehrere machtvolle Demonstrationen zur Rente mit 60, zur Abschiebepolitik und zum Sozialabbau erlebt. Daher war der Bedarf an politischen Debatten, an einer gemeinsamen Plattform der Linken in Frankreich zur Präsidentenwahl 2012 enorm.

Bernhard Thibault, Vorsitzender der Gewerkschaft CGT, war auf der Fête und traf sich mit Pierre Laurent, dem Vorsitzenden der Kommunistischen Partei. Vor einigen Hundert Menschen widerlegte er all jene, die glauben machen wollen, dass das Kapitel »Rente mit 60« bereits abgeschlossen sei.

In der Agora versammelten sich vor dem Publikum Christian Picquet (Vorsitzender der Bewegung Gauche Unitaire, Einheitliche Linke), Jean-Luc Mélenchon (Vorsitzender der Parti de Gauche, Linkspartei) und Pierre Laurent (seit 20. Juni 2010 FKP-Vorsitzender), um für die Erarbeitung eines gemeinsamen Programms für die Front de Gauche (Linksfront, Wahlbündnis dieser drei Parteien mit weiteren kleineren Organisationen zu den Europawahlen und Regionalwahlen 2009) zu werben. Aber: Dieses Projekt, dieses Programm »werden wir nicht in irgendeinem Büro schreiben, sondern gemeinsam mit Euch«, bekräftigte J.-L. Mélenchon, auch wenn die Parti de Gauche schon an ihren Vorschlägen gearbeitet hat. Pierre Laurent lud all jene, die sich Veränderungen wünschen, ein, Schöpfer und »Eigner« dieses Projektes zu werden, ohne das es keine wirkliche Alternative in der Politik geben werde. Er forderte eine Dynamik, die in drei bis vier Monaten sichtbar werden müsse, aber gleichzeitig »muss Sarkozy jetzt, und nicht erst 2012, zurückgedrängt werden«, sei es bei der Rente oder seiner Abschiebepolitik gegenüber den Roma: »Sie haben einen Pakt des Geldes unterzeichnet – schmieden wir also einen Pakt der Einigkeit des Volkes.«

Pierre Laurent betonte auf der Fête immer wieder, wie wichtig es sei, Politik anders und gemeinsam mit den Menschen zu machen: »Zu viele Menschen, und oft die einfachen Menschen, denken, dass Politik sie nicht mehr betrifft.« Und vor 100.000 sagte er auf der großen Bühne: »Wir erleben eine phänomenale soziale Mobilisierung. Die Bevölkerung nimmt die Dinge wieder in die Hand. (...) Die Regierung fürchtet sich und sperrt sich, weil diese soziale Mobilisierung die eine Frage stellt, die sie beständig vermeiden möchte: Warum schützt Ihr das Kapital auf Kosten der Menschen?

Diese Regierung ist demaskiert! ...Ja, liebe Freunde, schließen wir gemeinsam den Pakt einer Volksunion, für eine Gesellschaft wo die freie Entfaltung eines jeden die Bedingung für die Emanzipation aller ist! Dieses gemeinsame Projekt, das kann ich Euch versichern, werden wir gemeinsam und geeint tragen, wenn der politische Kalender 2012 ansteht. In der Linksfront wird der ›Krieg der Egos‹ nicht stattfinden.«

DIE LINKE, das Neue Deutschland und die Rosa-Luxemburg-Stiftung waren wieder erfolgreich mit eigenem Stand, Programm und Gaumenfreuden – Renner sind die »Thüringer« – vertreten. Der neue FKP-Vorsitzende kam auf einen Sprung vorbei. Die sozialen Kämpfe in beiden Ländern verbinden uns.