Disput

In Leer mit Leidenschaft

Warum Charlotte Lenzen nicht alle ihre Spiegel aus dem Fenster geworfen hat

Am 11. September 2011 wird in Niedersachsens Kommunen gewählt, und DIE LINKE will mit deutlich mehr Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertretern als bisher in die Kommunalparlamente einziehen. DISPUT stellt zwei der LINKE-KandidatInnen vor: Charlotte Lenzen aus Leer und Yilmaz Kaba aus Celle.

Im schönen Ostfriesland kandidiert die gelernte Bürokauffrau Charlotte Lenzen als Spitzenkandidatin für unsere Partei in einem der vier Wahlkreise für den Kreistag im Landkreis Leer.

Die rheinische Frohnatur hat es vor 20 Jahren nach Ostfriesland verschlagen, weil »es Lebensqualität ist, hier zu leben, die Landschaft mit ihren schnuckeligen Dörfern, überall die liebevoll gepflegten Gärten und die vielen historischen Gebäude zu genießen. Dieser Himmel, diese Weite, die imposanten Sonnenuntergänge hatten mich damals einfach umgehauen.« Aber besonders die Menschen mit ihrer herben, doch herzlichen Art hatten es der sympathischen Mittfünfzigerin angetan.

Natürlich spielte damals auch das Geld eine wesentliche Rolle, denn hier kann man viel preiswerter leben. Dennoch ist Ostfriesland nicht völlig heile Welt, sind auch hier die Schröder‘schen Fehlleistungen zu spüren, und die Dominanz von Lobbyisten und Klientelpolitikern geht auch an den Kommunen nicht vorbei. »Die enorme soziale Ungerechtigkeit in unserem Land, die Furcht vor zunehmender menschlicher Kälte in Deutschland, vor weiterem Sozialabbau, vor der schleichenden Verarmung der Bürger – aber auch die aufrüttelnden Reden von Oskar Lafontaine und Gregor Gysi und das Programm – haben mich motiviert, der Partei DIE LINKE beizutreten.«

Charlotte Lenzen ist in jungen Jahren Witwe geworden, stand mit ihrem Sohn plötzlich alleine da und pflegte damals noch ihre beiden schwerstpflegebedürftigen Eltern. »Ich habe am eigenen Leib erlebt, wie schwer es ist, bei Behörden sein Recht durchsetzen zu wollen. Ich habe erfahren müssen, wie Menschenwürde auf der Strecke bleibt, wenn man alt und pflegebedürftig und womöglich ohne Angehörige ist, die sich um einen kümmern.« Deshalb liegen ihr besonders die Seniorinnen und Senioren, die Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen am Herzen. Sie engagiert sich im Sozialverband Deutschland e.V. und im Sozialverband VdK e.V.

Seit September 2008 ist DIE LINKE nicht nur ihre politische Heimat, die Partei ist für sie und viele andere Menschen auch Hoffnungsträgerin für eine andere politische Welt, in der Ökonomie und Ökologie im Einklang miteinander sind, in der sich der Mensch im Vordergrund befindet und nicht Profitgier und Machterhalt auf der Tagesordnung stehen. Die Arroganz der Macht, die diese schwarz-gelbe Bundesregierung an den Tag legt, und die Erfahrungen, mit welcher Selbstverständlichkeit logisches Denken und natürliches Rechtsempfinden ad absurdum geführt werden und die Menschenwürde mit Füßen getreten wird, machen Charlotte Lenzen wütend und wecken ihr Kämpferinnenherz.

Sie verweist auf »Überlegungen«, das Rentenalter für Männer auf 82 und für Frauen auf 86 Jahre anzuheben (6. Altenbericht der 6. Altenberichtskommission). Und während Abgeordnetendiäten annähernd auf 300 Euro erhöht werden, steigt der Hartz-IV-Satz gerade mal um fünf Euro. Kinder aus finanzschwachen Familien haben neuerdings Anspruch auf ganze zehn Euro, um zum Beispiel im Fußballverein mitspielen zu können, aber wie können sie das, da Trikotpflicht besteht und man in Straßenkleidung nicht mitspielen darf? Wovon sollen die Eltern diese Kosten tragen? »Sage mir, wie man mit Kindern und alten Menschen umgeht, und ich sage dir, welche unfähigen selbstsüchtigen Kleingeister ein Land regieren!«, meint Charlotte, die Mitglied von Attac und ver.di ist. »Gott sei Dank sind in der LINKEN keine Lobbyisten, Kapitalisten, Pseudosozialisten und auch keine Genossen der Bosse. Wir sind die Anwälte der betrogenen und geschröpften Menschen. Wir sind unabhängig und keinem verpflichtet, außer den Bürgern, die uns in der Wahlkabine ihre Stimme geben.«

»Wir werden von einer Parallelgesellschaft regiert, die sämtliche Hemmungen über Bord geworfen hat, den ‚kleinen Mann‘ abzuzocken. Selbst die Kommune bleibt davon nicht verschont. Ich sage nur, schämen sollen sie sich!« Für die Kandidatin zur Kommunalwahl ist klar: »Entweder ich kämpfe dagegen, oder ich werfe alle meine Spiegel aus dem Fenster. Da kommt es meiner Natur schon näher, den Spiegel lieber dem politischen Gegner vorzuhalten, denn wir sind das soziale Gewissen Deutschlands!«

Bisher setzt sie sich gemeinsam mit den Genossinnen und Genossen in ihrem und für ihren Kreisverband, zum Beispiel im Landesfinanzrat oder als Präsidiumsmitglied des Landesausschusses ein. Sie versucht, das Wir-Gefühl im Kreisverband zu stärken, und geht durch Arbeit mit gutem Beispiel voran. Wie bei der erfolgreichen Organisation (zusammen mit dem Kreisverband Aurich) zur Ostfrieslandschau in Leer, der größten Verbrauchermesse in der Region. DIE LINKE bot als einzige Partei über neun Tage, von 10 bis 18 Uhr, ein wechselndes Programm und Informationen. Bundestags- und Landtagsabgeordneten sowie Landesvorstandsmitglieder halfen. »Faire Milch« wurde kostenlos ausgeschenkt, und es gab eine Präsentation gemeinsam mit Vertretern des Bundes der Milchviehhalter an unserem Stand. Die Anzahl der Messebesucher – diesmal insgesamt fast 100.000 – motivierte die Mitglieder, selbstbewusst und optimistisch für gemeinsame Ziele zu kämpfen und in diesen Wochen mit Lautsprecherwagen, Plakaten, Flyern, Homepage und Infoständen einen engagierten Wahlkampf zu führen.

»Viel Arbeit ist als Kreisschatzmeisterin und rechtliche Vertreterin des Kreisverbandes an mir hängen geblieben. Aber ich mache es gerne, obwohl ich durch die intensive Pflege der 98-jährigen Mutter meines Lebenspartners zeitlich sehr eingespannt bin. Ich habe das Ziel, dass sich die Politik so verändert, dass auch ich in Würde alt werden darf und mein Sohn und seine Familie eine menschenwürdige Zukunft haben. Deshalb kämpfen wir in Leer mit Leidenschaft.« Charlotte Lenzen ist sehr stolz auf alle Mitglieder in ihrem Kreisverband, weil sie keine Streithähne seien und einen gleichberechtigten Vorstand von neun Mitgliedern haben, die respektvoll miteinander umgehen und konstruktiv zusammenarbeiten: »Wir freuen uns auf den Wahlkampf und blicken optimistisch in die Zukunft, wenn die Wählerinnen und Wähler am 11. September den roten Joker DIE LINKE wählen!«

www.dielinke-leer.de