Disput

Ein Tag von gestern? Oder einer mit Zukunft?

Eine kleine DISPUT-Umfrage zum 8. März

Mit dem Internationalen Frauentag verbinde ich das Streben nach einer Welt der Freien und Gleichen, in der das biologische Geschlecht nicht länger über Chancen, Aufgabenverteilung und Lebenslauf der Menschen entscheidet, in der die Menschen frei von gesellschaftlichem Zwang über ihre Reproduktion entscheiden können und die damit verbundene Arbeit gerecht untereinander aufteilen. Ich bin davon überzeugt, es handelt sich um einen Tag mit Zukunft, da wir von dieser Vision noch erschreckend weit entfernt sind und der 8. März uns immer wieder daran erinnert, als Menschen für unsere gemeinsamen Ziele zu kämpfen.
Asja Huberty (23) aus Kiel

Ich verbinde 100 Jahre Internationaler Weltfrauentag mit 100 Wünschen für eine Zukunft in gelebter Gleichberechtigung. Das macht dann 200mal Herzlichen Glückwunsch an alle, die dafür kämpften, kämpfen und kämpfen werden!
Dennis Bard (27) aus Theley (Saarland)

Schon in den siebziger und achtziger Jahren in der BRD hatte für mich der Internationale Frauentag eine große Bedeutung. In unseren Debatten forderten wir immer, was die Frauen in Amerika schon vor hundert Jahren gefordert haben: Brot UND Rosen! 1981 habe ich für die ARD eine Dokumentation gedreht: »Der 8. März oder wie die DDR ihre Frauen ehrt«. Die Dreharbeiten fanden im Bezirk Erfurt statt, und der Film zeigt, wie damals Frauen in der DDR Beruf und Familie miteinander verbinden konnten. Insofern zieht sich die Geschichte des 8. März auf eine besondere Art und Weise auch durch mein Leben.
Luc Jochimsen (74) aus Berlin

Es war meine feministische Englisch-Nachhilfelehrerin, die mich mit 13 Jahren politisiert und für die Frauenfrage sensibilisiert hat. Freundschaft und Sympathie haben in mir die Empörung über die ungleiche Behandlung von Frauen genährt. Als ich mutig genug war, mich zu meinen gleichgeschlechtlichen sexuellen Vorlieben zu bekennen, dämmerte mir, dass die Diskriminierung von Frauen und die Unterdrückung meiner Sexualität den gleichen Herrschafts- und Machtverhältnissen entspringen. Dagegen werden wir uns auch in Zukunft gemeinsam zur Wehr setzen müssen.
Mario Simeunovic (45), München

Für mich ist die Bedeutung dieses Tages zeitlos. Denn immer gab es und gibt es Frauen auf der ganzen Welt, die für ihre Rechte streiten müssen. Auch wenn wir hier in Deutschland vielleicht nicht täglich mit Problemen der Ungleichbehandlung konfrontiert sind oder es möglicherweise nur nicht wahrnehmen, es gibt sie doch. Deshalb, finde ich, sollte man immer darauf aufmerksam machen. Wir Frauen wollen schließlich nicht unterschätzt werden!
Stefanie Rose (27) aus Leegebruch (Brandenburg)

In der DDR war der Frauentag eines von vielen Ritualen realsozialistischer Wirklichkeit und häufig genug Alibi anstelle einer offenen Debatte zur Gleichstellung von Mann und Frau. Nach 1989 habe ich erlebt, dass diese Debatte in der Bundesrepublik zwar fortschrittlicher geführt wurde, die Situation selbst aber viel rückständiger war. Und so lange das so ist, braucht es den 8. März, wie ich finde.
Volker Ludwig (42), Berlin

Mit dem Internationalen Frauentag verbinde ich 90 Jahre Frauenwahlrecht und 50 Jahre Gleichberechtigungsgesetz, jedoch ohne dass die Frauen wirklich eine echte Gleichstellung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erreicht hätten. Solange in Deutschland Frauen noch immer bis zu 23 Prozent weniger verdienen als Männer und viele Alleinerziehende und Rentnerinnen kaum von ihrem Lohn leben können, ist der Frauentag auch in der Zukunft notwendig. Der Frauentag bedeutet für mich die persönliche Erinnerung, dass es um die weltweite Verwirklichung der Chancengleichheit, um gleichberechtigte Teilhabe von Frauen im Erwerbsleben, an politischen Entscheidungsprozessen und gesellschaftlichen Ressourcen geht.
Hans-Kurt Hill (60) aus Heusweiler (Saarland)