Disput

Am Wahltag zum Brocken und zurück

Evelyn Edler kandidiert im Wahlkreis 16 (Wernigerode, Oberharz am Brocken, Harzgerode) und auf Platz 19 der Landesliste in Sachsen-Anhalt

Von Florian Müller

Evelyn Edler steht auf Bewegung. Möglichst dreimal die Woche treibt sie Sport; sie läuft gern und wandert. Doch dass sie schon Wochen vorher weiß, dass sie am 20. März – egal wie das Wetter ist – auf den Brocken wandern wird, zehn Kilometer hoch bis auf den höchsten Berg Norddeutschlands und zehn Kilometer zurück nach Schierke, hat einen ziemlich simplen Grund: An eben diesem Märzsonntag wird in Sachsen-Anhalt gewählt, und die Landtagskandidatin Edler vermutet, mit diesem Ausflug auf 1.141 Meter Höhe ihre mögliche Unruhe am besten bezwingen zu können.

Der Weg in DIE LINKE führte die junge Frau über die Landtagsfraktion. Vor fünf Jahren nahm sie an einem Mentoringprogramm teil. »Das hat mir viele Eindrücke ermöglicht. Ich kann es nur jedem empfehlen. Seitdem bin ich mit Eva von Angern befreundet und halte den Kontakt zur Fraktion.« Bei einem weiteren Abgeordneten hatte sie ein Praktikum. »Das war sehr bereichernd.« Als nützliche Ergänzung auch zu ihrem eigentlichen Studium: Sie hat Tourismus und Verwaltungsökonomie/öffentliches Dienstleistungsmanagement studiert, ist also ausgebildet für die öffentliche Verwaltung.

Derzeit arbeitet sie beim Landesfrauenrat von Sachsen-Anhalt. Der gemeinnützige, überparteiliche Verein tritt für Frauenrechte ein, achtet darauf, dass die Rechte der Frauen berücksichtigt werden, und leistet praktische Hilfe. Wie beim Projekt »juEx«, das 30 junge Frauen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen und aus der Kreativwirtschaft bei ihren ersten Schritten in die Selbstständigkeit unterstützt.

Gleichstellungspolitik ist Evelyn sehr wichtig; ehrenamtlich engagiert sie sich beim politischen Runden Tisch der Frauen und bei der AG Lisa. »Konsequent werde ich der Benachteiligung und Ausgrenzung von Menschen entgegentreten. Ich möchte, dass allen die gleichen Lebenschancen garantiert werden – unabhängig von ihrem Alter, Geschlecht und sozialem Status.«

Evelyn ist Mitglied des Stadtvorstandes Magdeburg und sachkundige Einwohnerin im Rechnungsprüfungsausschuss, zudem ist sie Fördermitglied bei LobbyControl. Falls sie in Sachsen-Anhalts Landtag gewählt wird, will sie ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten keineswegs ruhen lassen.

Zu weiteren Schwerpunkten für ihre mögliche Parlamentsperspektive gehören kommunale Wirtschaftsförderung, kommunale Wohnungswirtschaft und Tourismuspolitik.

»Ich finde«, behauptet die 29-Jährige, »ich habe den schönsten Wahlkreis in Sachsen-Anhalt.« Und wer die Gegend kennt – Wernigerode, Harzgerode und den Oberharz am Brocken –, wird kaum Einspruch erheben wollen. Doch von der Idylle allein werden die »Oberharzer« nicht leben können; seit der jüngsten Gemeindegebietsreform »fehlen« dem Kreis ein paar finanzkräftige Kommunen. Das touristisch so starke Gebiet hat vergleichsweise wenige Einwohner. Und da die finanzielle Unterstützung durch das Land nach der Einwohnerzahl bemessen wird, hat die Region das Nachsehen. Zumal Tourismus keine Pflichtaufgabe der Kommune oder des Landkreises ist. Geld fehlt für den Erhalt der Infrastruktur wie für die Daseinsvorsorge. Seit Jahren wird beispielsweise um den Erhalt des Hallenbades in Benneckenstein gekämpft; allein für seine Betriebskosten ist jährlich ein Zuschuss von 300.000 Euro durch die Kommune erforderlich. Sehr schwierig bei der Situation der Haushalte. Derzeit stehen viele touristische Unternehmen schlecht da. »Ich bin überzeugt davon, dass wir eine (Förder-) Politik brauchen, die ausschließlich eine Wirtschaft unterstützt, die auf Langfristigkeit angelegt ist, die sich mittelfristig selbst tragen kann und die vor allem der Region tatsächlich zugute kommt. Ich bin gegen die Privatisierung der öffentlichen Daseinsvorsorge, die unausweichlich zur Verknappung und Verteuerung dieser Leistungen führt«, schreibt die Kandidatin in ihrer Vorstellung.

Seit drei Jahren ist Evelyn Edler Parteimitglied, aber schon viele Jahre länger fühlt sie sich als Sympathisantin. Links sozialisiert wurde sie durch ihren Opa Fritz aus dem Mansfeld, der leider im vorigen Jahr verstorben ist. »Er war der einzige politisch Aktive in unserer Familie. Dass ich in seine Fußstapfen trete, hat ihn sehr gefreut. Er hat noch erlebt, wie ich auf den aussichtsreichen Listenplatz gewählt wurde, und war überzeugt, dass ich es schaffe.«

Die Chancen stehen gut. Und wie es aussieht, wird die Brocken-Wanderung auch sportlich nur eine Zwischenetappe sein. Am 7. und 8. Mai startet sie beim Huy-Burgen-Lauf – da stehen dann 55 Kilometer auf dem Programm.

Evelyn Edler: geboren 1981, Diplom-Verwaltungsökonomin, Projektmitarbeiterin, lebt in Magdeburg, Mitglied des Stadtvorstandes Magdeburg