Disput

Hürden abbauen

Von Monika Hohmann, Kandidatin im Wahlkreis 30 (Quedlinburg) und auf Listenplatz 25 in Sachsen-Anhalt

Mit dem Fall der Mauer erwuchs in den Jahren 1989/90 mein starkes Interesse an Politik. Ich war entsetzt, wie viele Genossen über Nacht ihr Parteibuch abgaben und so taten, als hätten sie nie der SED angehört. Gleiches traf für die damaligen sogenannten Blockparteien zu, wobei sich die politische Auseinandersetzung hauptsächlich auf SED-Mitglieder konzentrierte. Ich fand es schon erstaunlich, mit welch arroganten und anmaßenden Reden die etablierten Parteien der BRD seinerzeit auftraten.

Ich engagierte mich zu dieser Zeit in meinem Heimatort intensiv am Runden Tisch und konnte so erste Einblicke in die Arbeit der Politik gewinnen. Aufgrund familiärer Umstände ruhte dann für einige Jahre mein Engagement. 1999 begann ich, mich erneut einzumischen. Der Grund dafür war die drohende Schließung unserer Förderschule im Ort. Nicht etwa aus Mangel an Kindern oder wegen baulicher Unzulänglichkeiten, sondern es ging um Gastschulbeiträge. Für unser Anliegen fanden wir große Unterstützung bei den Abgeordneten der PDS-Fraktion im Kreistag und so gelang es uns, die Schule für weitere vier Jahre fortzuführen. Mit diesen positiven Erfahrungen trat ich 2003 in die Partei ein und engagiere mich seit 2004 als Gemeinderätin in Hedersleben und seit 2007 als Kreistagsmitglied im Landkreis Harz.

Durch meine langjährige pädagogische Arbeit erlebe ich hautnah die immer schärfere Zuspitzung und Ausgrenzung im Bildungssystem. Der soziale Status der Eltern ist oft entscheidend, wo die Kinder beschult werden. Fehlende Unterstützersysteme, eine viel zu frühe Entscheidung hinsichtlich der weiterführenden Schullaufbahn, ungenügende Ausstattungen in den Bildungseinrichtungen und geringe personelle Ressourcen sind weitere Ursachen für die derzeitige Bildungskrise.

In vielseitigen berufsbegleitenden Studien erwarb ich mir theoretisches Wissen für meine Arbeit, welches ich analog in der Praxis umsetzen wollte. Jedoch wurde ich sehr schnell mit Grenzen konfrontiert. Deshalb steht für mich fest, Hürden abzubauen, und zwar an den Stellen, wo sie entstehen.

In unserem heutigen Schulsystem gelingt es immer weniger, der heterogenen Schülerlandschaft faire Bildungschancen zu bieten. Um eine gesellschaftliche Teilhabe für alle Kinder und Jugendlichen zu ermöglichen, muss das Bildungssystem verändert und gerechter gestaltet werden. Jedes Kind, jeder Jugendliche muss individuell so gefördert werden, dass sie unter Berücksichtigung ihrer Voraussetzungen Handlungskompetenzen aufbauen, um den neuen Herausforderungen der Gesellschaft gerecht werden zu können. Längeres gemeinsames Lernen, mehr polytechnische Bildungsangebote und der Ausbau eines Netzwerkes zwischen Schulen, den kommunalen und regionalen Verantwortungsträgern, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie Unternehmen sind dabei ein wesentlicher Schritt. Dafür möchte ich als gewählte Vertreterin im Landtag von Sachsen-Anhalt streiten.

In meiner politischen Arbeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass auf kommunaler Ebene das gemeinschaftliche Engagement oft parteiübergreifend gelingt. So war es durch einen unausgeglichenen Haushalt der Gemeinde Hedersleben 2008 nicht möglich, einen Beschäftigten zur Pflege der Grünanlagen von Schule und Kindertagesstätte einzustellen. Kurzerhand haben alle Gemeinderäte und die Bürgermeisterin gemeinsam mit Eltern, Kindern, Lehrerinnen und Erzieherinnen die Außenanlagen in Schule und Kindertagesstätte in einen gepflegten Zustand gebracht.

Aber schon auf Kreisebene hört diese Kooperation auf. Hier versucht DIE LINKE oft, Anträge einzubringen, die Bürgern und Bürgerinnen im Landkreis Erleichterungen ermöglichen würden, doch die Unterstützung der anderen Parteien dafür bleibt aus. Seit Jahren kämpfen wir zum Beispiel dafür, dass Bezieher/innen von Leistungen nach Sozialgesetzbuch II, SGB XII und Asylbewerberleistungsgesetz sowie von Leistungen wie Wohngeld und Kinderzuschlag ein gebührenfreies Girokonto bei der Harzsparkasse führen können. Obwohl die Sparkasse jährlich Gewinne erzielt, erhalten wir im Kreistag dafür keine Mehrheiten.

2008 schafften wir erstmals einen Antrag einzubringen, der für viele Menschen im Harzkreis ein sozialer Gewinn wurde: die Einführung des Sozial- und Familienpasses im Landkreis Harz. Mit ihm erhalten Familien und Einzelpersonen die Möglichkeit, ausgewählte kulturelle und sportliche Einrichtungen im Landkreis Harz zu vergünstigten Preisen zu nutzen. Die beteiligten Einrichtungen sowie der Öffentliche Personennahverkehr im Landkreis Harz gewähren bei Vorlage des Passes Ermäßigungen, die gestaffelt sind und bis zu 50 Prozent des Normalpreises betragen können. Derzeit nutzen über 7.000 Bürgerinnen und Bürger dieses Angebot. Ausgehend von den guten Erfahrungen im Landkreis, möchten wir auf Landesebene ein Sozialticket für einkommensschwache Personen flächendeckend einführen und bezuschussen, denn Teilhabe hängt ganz wesentlich von Mobilität ab. Mit dem Sozialticket wollen wir wichtige Angebote der Daseinsfürsorge in zumutbarer Entfernung gewährleisten und sichern.

DIE LINKE in Sachsen-Anhalt hält schlüssige und realistische Konzepte für die Wählerinnen und Wähler bereit. Diese gilt es gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern im Land umzusetzen, damit wir dem Ziel nach mehr sozialer Gerechtigkeit näher kommen.

Geboren 1959, lebt in Hedersleben, Lehrerin an einer Förderschule für Lernbehinderte, Vorsitzende der BO Vorharz, Mitglied im Kreisvorstand und im Landesvorstand