Disput

Die Rote Couch

Ein Kulturspektakel, linke Politik und schöne Kunst: das Fest der LINKEN am 27. bis 29. Mai, Berlin, Kulturbrauerei

Mit welchem Anspruch geht ein Vorbereitungsteam an die Arbeit?

Beim 3. Fest der Linken 2010 waren über 15.000 Besucher und Angela Davis war dabei, unser Ehrengast, wir waren wirklich froh. Bei der Vorbereitung für 2011 mussten wir auch immer daran denken. Gleichzeitig spürten wir, wir hatten einen Gipfel erklommen und jetzt könnten die Mühen der Ebene kommen. Der Mainstream wirkt (auch außerhalb unseres Bewusstseins). Gilt es, ihn ernst zu nehmen, machen wir da etwa mit? Ein linkes Kulturspektakel, linke Politik und schöne Kunst wird erwartet. Eine Galerie von Bildern, Informationen und Emotionen soll entstehen, ein bunter Garten, anspruchsvoll und unterhaltsam. Es gibt ein großes Thema und viele Wahrheiten. Sonst »könnte man nicht hundert Bilder über dasselbe Thema malen«, sagte schon Genosse Pablo Picasso richtig. Die Welt im Zustande des Kapitalismus, Kriege, Reichtum und Armut, Umweltkatastrophen und Widerstand. Der von mir sehr geschätzte Cartoonist OL zeigt in der Serie »Die Mütter vom Kollwitzplatz« zwei Frauen, die sich unterhalten. Sprechblasen geben ihr Gespräch wieder: Libyen, Fukushima, FDP ... und ich weiß auch nicht mehr, was ich anziehen soll ...

Unser Anspruch ist ein anderer, und so haben wir im Programm die Ereignisse aufgenommen und zu Podiumsdiskussionen zum Atomstopp und der zwingenden Energiewende, zu der Krise in Europa und zu den Ereignissen in der arabischen Welt kompetente Persönlichkeiten eingeladen.

Symbolisch sehe ich die Rote Couch, eine reale Couch des Düsseldorfer Fotokünstlers Horst Wackerbarth, die er einsetzt, um zu einem Dialog zwischen Menschen zu ermuntern. Die Rote Couch ist die Bühne. Ein interessantes Projekt, das er auf dem Fest vorstellen wird. Es werden 12 universelle Fragen gestellt, Glück, Arbeit, Traum, Lebenswert, Tod ...

Das Fest ist DIALOG.

Wie sieht das konkrete Angebot aus, wer sind die Mitwirkenden?

Es sind zu viele, um sie alle aufzuzählen. Im April-DISPUT waren zahlreiche Höhepunkte aufgeführt. Ansonsten empfehle ich einfach, das komplette Programm zu lesen, was alle vier Veranstalter – das Neue Deutschland, DIE LINKE, die Bundestagsfraktion DIE LINKE und die Rosa-Luxemburg-Stiftung – auf ihre Seite gestellt haben, wo es Flyer gibt und eben die eigene web-Seite www.fest-der-linken.de. Das ND-Pressefest ist integraler Bestandteil des Festes, und die ND-Bühne hat auch immer weitergehende Angebote aus Sport, Mode und Integration.

Um dennoch einige Namen zu nennen: Ignacio Ramonet, Medienwissenschaftler und Journalist; Jutta Ditfurt, Autorin und Anti-Akw-Aktivistin; Francis Wurtz, Politiker der FKP; Gesine Lötzsch, Klaus Ernst. Kein Fest ohne Gregor Gysi, diesmal im Gespräch mit dem Musiker Andrej Hermlin.

Interessante Podien sind zum Öffentlichen Beschäftigungssektor in Berlin, zu den bevorstehenden Wahlen in Berlin mit Vertretern aller Parteien, nur die CDU hat gekniffen.

Nicht allein für Insider dürften die hochkarätig besetzten Runden zu Wikileaks, Linke im Visier des Verfassungsschutzes, zur sozialen Stadt Berlin von Interesse sein.

Ich scheue mich immer, es extra herauszustellen, als ob es Defizite geben würde. Natürlich gibt es Frauenveranstaltungen mit eigenen Themen, zum Beispiel eine hochinteressante Vorstellung Berliner Frauenzentren. Eigentlich ganz normal: Im gesamten Programm sind Frauen gut und kompetent vertreten und im künstlerischen Auftritt sowieso.

DIE LINKE stellt sich mit ihren vielen VertreterInnen aus den Landesverbänden, mit Abgeordneten aus Europa, Bundestag und Ländern in speziellen Veranstaltungen, an Informationsständen und in der persönlichen Begegnung allen Fragen, aber auch gerade denen, die die Entwicklung der Partei in der nächsten Zeit betreffen. Ein wichtiges Thema: das neue Parteiprogramm.

Und immer wieder: Die rote Couch, der direkte Dialog an Biertischgarnituren mit Mojito, dem Klassiker unter den kubanischen Cocktails, von Cuba Sí gereicht, oder französischem Wein.

Ein Fest ohne Kunst ist undenkbar. Wer sind die »Neuen«, was sind die sogenannten Highlights?

Joseph Beuys, der Mann, der viel mit Fett gearbeitet hat, ging bekanntlich so weit zu behaupten, jeder Mensch sei ein Künstler. Trotzdem haben wir uns entschieden, quasi richtige Künstler/innen einzuladen, die keinen Berufsausweis mehr brauchen (so wie zu DDR-Zeiten), jedoch aber auch Menschen begeistern können. Ein Highlight ist der große Abend der VolXmusik, am Sonnabend (28.5.) im Kesselhaus der Kulturbrauerei, wo neben den schrägen Blaskapellen Bolschewistische Kurkapelle und Wonderska (ausschließlich Frauen) die Überraschungsband Hepatite X aus Paris und die Kultband Blockflöte des Todes aufspielen werden. Meine junge Kollegin rief beim Anblick von den Jungs aus Paris gleich mal aus »Süß!«, und da hatte sie noch nicht die Musik gehört.

Das musikalische Angebot ist so vielfältig: kubanisch, spanisch, auch Gundermann-Titel, russisch nicht traditionell, der Busch-Chor, die swingende Kapelle Hermlin und, man höre und staune, Klassik. Ich sage nur, endlich.

Wie gesagt, bitte in das Programm sehen, nicht alles kann hier kurz aufgerufen werden. Aber natürlich ist die szenische Lesung mit den Bundestagsabgeordneten der LINKEN zu den Ereignisse in Chile am 21. Mai 1971 ein besonderer Akt.

Umfangreich sind die Lesungen an beiden Tagen in der Literaturwerkstatt. Humorvoll geht es bei den »Steckenpferden« zu, mit Jaecki Schwarz, Wolfgang Winkler, Arno Funke.

Eigentlich scheue ich etwas das Wort Highlight, ich halte jedes Puzzle unseres Programms für ein Ereignis, weil es immer auch spezielle Interessen ansprechen soll. Die ROTE COUCH strahlt bunte Bilder aus.

Angesichts der Vielzahl, Buntheit und Parallelität von Programm in Politik und Kultur stellt sich die Frage, wurde nicht eine wichtige »Zielgruppe« vergessen?

Meinst du etwa die Mütter vom Prenzlauer Berg? Nein, auch an die denken wir und besonders an die Kinder. Das ist aber schon Tradition, ein breit gefächertes Kinderfest, etwas anders, als es Kaufhäuser oder Shoppingmeilen hinmotzen. Mit Kreativampel e.V. haben wir einen Partner, der mit Liebe und immer neuen Ideen uns und die Kinder überrascht.

Natürlich, und das geht über diese Frage hinaus, gibt es wie jedes Jahr einen riesigen Markt mit internationalen Gästen, Gastronomie, Verlagen, Politikangeboten usw.

Und kleine und spezielle Angebote, Pralinen wie der Tanzboden am Sonntag mit Tanzeinlagen von Step by Step und jungen Frauen, den Funksistas.

Für Touristen und Neuberliner bieten wir alternative Stadtführungen durch den Prenzlauer Berg an, anders als es in den herkömmlichen Stadtführern steht. Ist es wichtig, wo Clinton gegessen hat? Wo war der antifaschistische Widerstand im Prenzlauer Berg?

Und eine besondere Ausstellung – eine Dokumentation zur deutschsprachigen Musik in 17 Bildern – wird die Außenwand der Kulturbrauerei schmücken, weil dort die beste Fläche für Präsentation ist.

Welche Wünsche hat der Veranstalter?

Das Fest der Linken ist eine Gemeinschaftsproduktion. In der Vorbereitung stecken viel Herzblut, Energie und einfach nur Arbeit. Daher wünschen sich alle Beteiligten: Publikum, Publikum, Publikum. Dazu schönes Wetter. Und bitte drüber reden, weil unser Werbeetat echt bescheiden ist, und nur wenn wir mit vielen Menschen darüber reden, werden sie vom Fest erfahren. Übrigens: Dabei sein kostet kein Eintrittsgeld.

Ich würde mit der ROTEN COUCH anfangen.

Interview: Florian Müller