Disput

So 'ne Partei

Miteinander reden statt übereinander klagen. In Eisenach, ziemlich in der Mitte des Landes, trafen sich Mitglieder aus Ost und West. Und aus Nord und Süd.

Von Florian Müller

Viele Wege deutscher Geschichte und Kultur treffen sich in Eisenach. Große Namen, große Geister. Bach, Telemann und Goethe, Fritz Reuter, Richard Wagner und Ernst Abbe … Auf der Wartburg übersetzte Martin Luther das neue Testament ins Deutsche und in einem Gasthaus in der Stadtmitte gründeten Wilhelm Liebknecht, August Bebel und andere die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (1869). Eisenach, in weiten Teilen wunderschön saniert, ist wahrlich eine Reise wert. 50 Genossinnen und Genossen unternahmen sie am 1. Oktober sehr gern – und doch: Der erkenntnisreiche Stadtrundgang war lediglich eine willkommene Seite ihres Reiseplanes. Gekommen waren sie, um über ihre eigene Geschichte und Kultur zu reden, sich auszutauschen über ihre Wege (gelegentlich Umwege) in DIE LINKE. Über Geschichten und bisweilen auch Un-Kultur im Alltag.

Initiiert hatten diesen Veranstaltungstag die Parteibildungsbeauftragten Halina Wawzyniak und Ulrich Maurer (der dann leider kurzfristig absagen musste), die Einladung lautete »Come together«: »… möchten wir einen Raum schaffen, in dem die Mitglieder unserer Partei sich näher kennenlernen und ein besseres Verständnis füreinander entwickeln können.«

Den Anfang machten Halina und Maurer-Vertreter Horst Arenz. Auf einer kleinen Drehbühne im »Kunstpavillon« befragten sie sich gegenseitig sehr direkt, nach Privatem und Politischem, nach Hoffnungen und Besorgnissen. Halina interessierten mehr Lebensweg, Stationen, Impulse …, Horst aktuelle Standpunkte und Streitpunkte. Erste Reaktionen aus dem »Publikum«, aus denen intensive Anteilnahme an der Entwicklung unserer Partei sprachen: Zwischenrufe und Nachfragen.

Liedermacher Florian Kirner sang sein »Lied der Partei«, sehr frei nach Louis Fürnberg und umso treffender:

»Du hast uns auch was gegeben
Jedoch Sonne und Wind, die brauchten Dich nie!
Wir wollen Netzwerke weben
Und wir sind kein Abstimmungsvieh!
Unsere Partei soll nicht hassen,
was weich, sensibel und warm
Tochter, nicht Mutter der Massen
Kein Räuber nicht und kein Gendarm.

So 'ne Partei, so 'ne Partei
Die wär gar nicht schlecht
Nur, Genossen: Es bleibt schon dabei:
Keine Mehrheit, kein Vorstand,
wer hat da immer Recht?
Vetternwirtschaft und Pöstchenschieberei!
Keine taktische Lüge ist Mittel zum Zweck.
Wer so arbeitet, der gehört ganz einfach weg!
Aber mit Rebellen gefüllt,
stylisch und ausgechillt!
So 'ne Partei! So 'ne Partei! So 'ne Partei! (…)«

Aus Oberbayern, Hamburg, Steinfurt und Soest, Hildesheim, Saarbrücken, Freiberg, München, Berlin und … waren Mitglieder, beladen mit Erfahrungen, Sorgen und Wünschen, angereist. Es tat ihnen hörbar gut, miteinander zu reden, anstatt übereinander zu klagen. Am Nachmittag tauschten sie sich in drei Gruppen aus: über Grundsätze und Flügelkämpfe, über Altersdurchschnitt und Nachwuchssorgen – und immer wieder über hohe Erwartungen an den bevorstehenden Bundesparteitag. Es wurde ein sehr anregender – die einen sagen so, die anderen so: Samstag bzw. Sonnabend. Nicht wenige wünschten sich eine Fortsetzung.

*

Nur eine Woche darauf: anderer Ort (Blankenstein/Thüringen), ähnliches Anliegen – eine Geschichtskonferenz der Kreisverbände Saale-Orla und Rheingau-Taunus (Hessen). Vor einem Jahr hatten beide Verbände einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Aus ihm wird Parteileben.