Disput

Come to Ravenisland!

Das Sommercamp der Linksjugend ['solid]

Von Charlotte Staetmanns

In diesem Jahr fand bereits zum dritten Mal das Sommercamp der Linksjugend ['solid] auf der Rabeninsel in Thüringen, nahe Jena, statt. Vom 30. Juli bis zum 7. August trafen sich mehr als 150 junge Menschen aus 15 Bundesländern, um in Workshops zu debattieren, das meist tolle Wetter zu genießen, eine Abkühlung im See zu finden, auf Wanderungen die Gegend zu erkunden und sich bei diesen Gelegenheiten besser kennenzulernen. Das Sommercamp war wieder selbstorganisiert und lud dazu ein, eine partizipative und solidarische Atmosphäre zu schaffen. Im Plenum tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über den Verlauf des Camps, die Workshops und die Aufgabenverteilung aus und nutzten den Raum für Diskussionen.

Sommer-Sonne-Diskussion

Im Mittelpunkt des Camps standen die über 50 Workshops, in denen zu den verschiedensten Inhalten solidarisch miteinander diskutiert wurde. Neben den Schwerpunktthemen Antirassismus, Klima und Energie, Antimilitarismus sowie Staat und Kapital in der Krise fanden Workshops im Bereich Feminismus, Religionskritik, Gentrifizierung (sozialer Verdrängungsprozess in Stadtteilen – d. Red.), Basisdemokratie und über das Parteiprogramm der LINKEN statt. Darüber hinaus war es uns wichtig, praktische Kompetenzen und Fertigkeiten – zum Beispiel zur Organisation – weiterzugeben.

Zum Thema Staat und Kapital in der Krise ging es einerseits um die Vermittlung von Grundlagen durch eine Einführung in die Kapitalismuskritik sowie in die Begriffe der politischen Ökonomie. Andererseits wurden Krisenmomente des Kapitalismus herausgearbeitet und »Linke und marxistische Staatskritik« vorgestellt. Die Ideen von Silvio Gsell in Bezug auf Geld wurden kritisch hinterfragt und kommunistische und anarchistische Utopien debattiert.

In den Workshops zu Klima und Energie wurde sich mit Wachstum und Wachstumskritik, Energiekämpfen und Ökofaschismus auseinandergesetzt. Auch Kritik am »grünen Kapitalismus« fand in der Diskussion um den Film »Die 4. Revolution« ihren Raum.

Ein weiterer Schwerpunkt lag im Bereich des Antimilitarismus. Neben einer Einführung in Imperialismustheorien wurde der Blick auf den Krieg in Libyen und auf zehn Jahre Afghanistankrieg gelenkt. Berichte folgten über die Wahlbeobachtung in der Türkei und den Widerstand in den kurdischen Bergen. Gut besucht war auch das Treffen der Arbeitsgemeinschaft »Bundeswehr raus aus den Schulen«. Dort wurden konkrete Schritte für die gemeinsame Arbeit verabredet.

Ebenso zentral waren die Workshops, die sich mit antirassistischer Politik beschäftigten. Hier wurden Zusammenhänge von Kapitalismus und Rassismus debattiert sowie aktuelle Phänomene von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus näher betrachtet. Eine Einführung in institutionelle Formen des Rassismus fand statt, und die Praxis der Europäischen Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen (Frontex) wurde kritisch beleuchtet.

Antifa-Politik, ganz praktisch

Am letzten Samstag des Camps zogen wir eine ganz praktische Konsequenz aus unseren antifaschistischen Positionen. Gemeinsam reisten wir ins nahe gelegene Gera, um uns im Rahmen unseres »Local Action Day« an den Blockadeversuchen gegen die neofaschistische Konzertveranstaltung »Rock für Deutschland« zu beteiligen. Dieses Nazifestival wird in Gera seit 2003 von der NPD veranstaltet und zog letztes Jahr 1.200 Teilnehmer/innen, auch aus dem gewaltbereiten Kameradschaftsspektrum, an. Seit einigen Jahren regt sich der Protest dagegen. Das Aktionsbündnis Gera gegen Rechts rief auch dieses Jahr zu Blockaden gegen das Nazievent auf. Im Laufe des Vormittags beteiligten sich viele Menschen an den Sitzblockaden auf den Zufahrtsstraßen zum Festivalgelände. Dadurch mussten einige der Nazibands und das Nazipublikum Umwege und Verzögerungen in Kauf nehmen. Die Hassmusikveranstaltung konnte durch die lauten und entschlossenen Blockiererinnen und Blockierer maßgeblich beeinträchtigt werden. Die Teilnehmer/innen des ['solid]-Sommercamps zogen ein positives Fazit des Tages. Die Idee, dass auch in den kommenden Jahren politische Aktionen Teil des Sommercamps sein sollen, fand großen Anklang.

Sommer-Sonne-Sternstunden

Neben den Workshops und der Demonstration bot das Camp natürlich auch gute Möglichkeiten, die abwechslungsreichen Tage ausklingen zu lassen: zusammen am Lagerfeuer, bei gemeinschaftlicher Betrachtung des Sternenhimmels oder im eigens dafür eingerichteten Kinozelt. Hier gab es eine große Auswahl an Filmen und Serien, es war für jeden Geschmack etwas dabei. Die Bandbreite reichte von den gut besuchten queer-feministischen Filmen bis hin zu Science-Fiction-Klassikern wie Star Trek. Gesellschaftskritische Filme wie »Hass – La Haine« stießen auf viel Interesse und boten Anregungen für spannende Diskussionen.

Sommer-Sonne-Selbstverwaltung

Um unserem Anspruch der Selbstorganisation gerecht zu werden, gab es natürlich Abendveranstaltungen zum Selbst- und Mitmachen. So kamen beim Karaokeabend einige verborgene Gesangstalente zum Vorschein. Sport- und Teamgeist wurden bei der Nacht-Rallye bewiesen: Acht Gruppen lösten knifflige Aufgaben und kämpften gegen die in der Dunkelheit aufkommende Orientierungslosigkeit – die meisten schafften es jedoch ins Ziel.

Ein weiteres Highlight waren unsere Partys: Der Kicker- und Punkabend sowie die Trashparty hielten so einige vom frühen ins Bett bzw. ins Zelt gehen ab. Bei unserem Liedermacher/innenabend kamen die Freundinnen und Freunde ruhigerer Klänge und von selbst Gesungenem auf ihre Kosten.

Alles in allem haben wir die Woche auf der Rabeninsel sehr genossen, und auch im gemeinsamen Abschluss- und Auswertungsplenum gab es mehr zu loben als zu kritisieren. Das Sommercamp war wie immer viel zu schnell vorbei, viele Themen hätten es verdient, noch ausführlicher behandelt zu werden. Aber dafür gibt es kommendes Jahr wieder die Gelegenheit – auf dem nächsten Sommercamp. Hoffentlich mit genau so gutem Wetter, ebenso netten Leuten und inhaltlich anspruchsvollen Workshops.