Disput

Der große Pfusch am Hindukusch!

Feuilleton

Von Jens Jansen

Nun kämpft die Bundeswehr schon ein Jahrzehnt in Afghanistan. Das dauert länger als der Erste und der Zweite Weltkrieg zusammen! Und keines der Kriegsziele ist erreicht: kein Frieden, keine Demokratie, kein Ende der Korruption, keine Freiheit für die Frauen, keine Sicherheit vor Banden, keine Kontrolle der Drogenmafia, keine Normalisierung des Alltags …

Und keine Begründung für den Einmarsch war haltbar. US-Präsident Bush wollte nach dem Anschlag vom 11.9.2001 Osama Bin Laden vor Gericht bringen. Der wurde neun Jahre vergeblich gesucht und dann nebenan in Pakistan durchsiebt. Dazwischen wurde erklärt, dass es ja mehr um die Taliban ging. Die wurden mit Bomben dezimiert. Aber neben jedem Bewaffneten sind auch zehn Zivilisten verblutet, deren Brüder Rache geschworen haben. Dann hieß es, dass kein Opfer umsonst ist, weil dem Westen ein Angriff mit ABC-Waffen drohe. Man hat aber nirgends solche Waffen gefunden. Darauf erklärte Bush, dass die Spur in den Irak führe. Das sei die »Achse des Bösen«. Saddam Hussein muss weg! Die Geheimdienste mussten Beweise liefern. Fischer und der BND fanden einen zweifelhaften Zeugen für »mobile Labors«. Bush griff mit beiden Händen zu. Welch ein perfides Spiel!

Der erste Schritt zum Krieg ist eben nie die Bombe, sondern die Lüge zur Verteufelung des ausgesuchten Gegners zwecks Durchsetzung der eigenen Interessen. Da geht es um Öl, um Pipelines, um geopolitischen Einfluss.

In Afghanistan waren bereits 98.000 deutsche Soldaten im wechselnden Einsatz. Da gab es schon 52 Todesopfer, über 200 Verwundete und fast 2.000 traumatisierte Heimkehrer. Das kostete uns bereits 4,8 Milliarden Euro. Welcher Teufel hat uns in die Unlogik des Krieges geritten?

Nun, da hieß es, dass der Terroranschlag vom 11.9.2001 eine »Kriegserklärung« sei. Dass der Beistandspakt der NATO die Antwort »Alle für einen!« verlangt. Und dass Deutschland eine weltweite Verantwortung und wunderbare Geheimagenten, Soldaten und Waffen hat. Dass wir deshalb unsere Freiheit auch am Hindukusch verteidigen müssen! (Verteidigungsminister Struck, SPD)

Aber der Anschlag vom 11. September war das Werk von zwanzig Leuten, die sich in den USA für die Fliegerei ausbilden ließen, um im Auftrag unbekannter Hintermänner das Signal für einen Kreuzzug zu geben. Bis heute wird gestritten, ob bestimmte Kreise der USA Opfer oder Helfer waren. Fast alle US-Präsidenten brauchten zu ihrer Wiederwahl einen Krieg. Dann haben unsere jungen Nachkriegspolitiker Schröder und Fischer in vorauseilendem Gehorsam gerufen: »Da sind wir dabei!« Die USA teilten mit: »Ist nicht nötig, schaffen wir alleine.« Dann bettelten unsere Feldherren: »Wir haben tolle Spezialtruppen! Und Brunnenbauer haben wir auch.« Darauf hieß es: »Na, schön, macht eine Aufbau-Konferenz.« Danach klagten unsere Oberbefehlshaber, dass auf die Brunnenbauer geschossen wird. Also mussten Kampfeinheiten zu deren Schutz eingeflogen werden, und so weiter und so fort.

Zur Beschwichtigung der Heimat wurde gesagt: »Das ist ja kein Krieg, sondern eine Friedensmission!« Später: »Nun ja, da gibt es kriegsähnliche Gefechte.« Dann stammelte Freiherr zu Guttenberg: »Das ist doch schon Krieg.« Von Sieg spricht inzwischen keiner mehr. Wie denn auch?

Wo sich die Russen die Zähne ausgebissen haben, können Westeuropäer nicht siegen. Und schon die Bibel mahnt: Wer auf das Schwert setzt, wird durch das Schwert umkommen! Die Deutschen sollten das begriffen haben. 1945 war das in Ost und West klar. Inzwischen regieren frisch, fromm, fröhlich, frei jene Politiker, die nie unter Trümmern begraben waren. Die nie über Berge von Leichen gestolpert sind. Die nie mit dem Taschenmesser in Tierkadavern nach etwas Essbarem gesucht haben. Die schon im Kinderzimmer auf dem Bildschirm das Ballern lernen. Die dann in den Schaltzentralen der Macht auf ihre Bewährung als »harte Männer« warten. Die täglich von den Lobbyisten der Rüstungsindustrie mit Parteispenden genötigt werden, die Erprobung der neuen Wunderwaffen zu ermöglichen. Deshalb dürfen deutsche Mütter wieder ihre Söhne beweinen. Und weil DIE LINKE als einzige Partei im Bundestag »NEIN!« dazu sagt, wird sie als »nichtregierungsfähig« gebrandmarkt! Bis sie eines Tages ihr Geburtstagstelegramm an Fidel Castro nicht mit den Worten beginnt: »Hochverehrter Freund …«, sondern: »Du verdammter Misthund, der Du unsere amerikanischen Freunde in der Schweinebucht verprügelt und ihr tödliches Embargo überlebt hast ...«

Gibt es wirklich keine Mehrheit, um diesen Wahnsinn zu stoppen?