Disput

Red Beat Vol. III

Nein, dieser Sommer war kein heißer

Von Konstanze Kriese

Tapfer plante der Berliner Landesverband im dritten Sommer einen schönen Partyabend. Zweimal schon kamen Nachtschwärmer und Partyqueens auf ihre Kosten, traf Musik auf die erfolgreiche Organisation eines kleinen Electrofestivals. Mitten in der Stadt und unter freiem Himmel. So sollte es auch in diesem Jahr sein. Die wohl sympathischste Ankündigung dieses Low-Budget-Events kam von der »Siegessäule«, dem schwul-lesbischen Stadtmagazin Berlins: »Schon im letzten Jahr lud die Partei Die Linke in den Mauerpark zum ›Red Beats‹. Das zeigt, Wahlkampf hin oder her, man will erneut einfach einen gemeinsamen schönen Tag verbringen. Und die Partyweichen sind dahingehend gut gestellt. Zum electronischen Tanzamüsement sind als DJs Gloria Viagra …« eingeladen – und nun könnten wir vom Hintergrundrauschen bis zum erstmaligen Liveact von Yasmin Gates noch einmal die ganze Planung auffahren. Der Plan war toll.

Und viele werden ahnen, wie viel Organisation, Leidenschaft und Mühe in die Vorbereitung eines solchen Abends fließen. Überdies galt die aufwendige Planung einem guten Zweck: Die Einnahmen waren für die Stiftung Welt-Bürger-Park, also für den weiteren Ausbau des Mauerparks gedacht. Da ist dann nicht nur die Partyseele angesprochen. Denn die ersten Bebauungsvorstöße rund um die Umgebung des innerstädtischen Parkgeländes liegen längst auf dem Tisch, sind Gegenstand ablehnender Bürgerinitiativen. Das Pflaster ist begehrt in der Welt des Immobilienpokers. Und wenn erst schicke Wohnungen hochgezogen werden, so ahnen viele, droht auch das Aus für die eigene muntere Zwischenwelt der Feuerschlucker, Musikerinnen, Spaziergänger und Jugendkulturen, die den Mauerpark täglich friedlich, festlich und heiter bevölkern.

Der 27. August war ein Tag, der den Sommer 2011 wie ein Prisma einfing. Es schüttete erbarmungslos von oben, nachdem ein Tresenzelt und die »Bühne« für die DJs errichtet waren. Der Regen tränkte den Rasen, kroch durch die Outdoorjacken, in die Schuhe. Der Wind pustete die Nässe seitwärts in alle Ecken.

Die großen kommerziellen Events dieses Sommers – die Fusion im Juni, das Techno-Festival Gondwana im Juli – waren allesamt verregnete Partys. Klar, ein Vergleich mit den mehrtägigen Großfestivals und deren Zeltstädten, die den kurzzeitigen Ausstieg aus dem Alltag – bei allen Wettern – im Gepäck haben, ist irgendwie unsinnig und hinkt in vielerlei Hinsicht beträchtlich. Denn wenn es im Herzen Berlins so erbarmungslos gießt, dann war alle Mühe umsonst. Dann ist es egal, wie groß oder wie klein und fein ein OpenAirParty-Abend, der überdies nur das Kommen und kein teures Ticket kostet, ausgelegt ist. Denn alles Trockene ist nur ein Katzensprung entfernt. Spaziergänger/innen und Jongleure kommen an einem solchen Abend gar nicht erst in den Park.

Das schöne Electro-OpenAir endete in den frühen Abendstunden. Doch der Ort selbst, der Mauerpark, der an diesem Tag gefeiert werden sollte, wird auch in Zukunft Menschen versammeln, die seine Teilbebauung absurd finden und sich für die freie Nutzung des Parks als Grünoase und Begegnungsort einsetzen. Also: Auf ein sonniges Red Beat Open Air im Sommer 2012!