Disput

Unermüdliche Hoffnung

Jakob Moneta - ein Kämpfer in der Welt von heute, für ein besseres Morgen

Von Gerd Graw

Jakob Moneta ist tot. Sein Herz schlug links, sein Leben lang. Seine engen Freunde, Genossen und Kollegen haben sich in vielfältiger Weise verabschiedet, sich erinnert und sein Leben und Wirken gewürdigt.

In einem der zahlreichen Nachrufe heißt es: »Jakob war ein Mann der unermüdlichen Hoffnung auf eine bessere, eine solidarische Welt. Er lehrte uns den aufrechten Gang. Er stand für eine Solidarität, die nicht an den Grenzen eines Landes halt macht. Er stand auf gegen Bürokratie in Betrieb, Gewerkschaft und Partei. Er war ein Kämpfer in der Welt von heute, für ein besseres Morgen. Er ließ nicht nach in der Hoffnung für eine sozialistische Zukunft.«

Wo immer für Menschenrechte, gegen Unrecht, Krieg und Faschismus gekämpft wurde, Jakob Moneta war dabei. Viele bedeutende Aktivitäten waren mit seinem Namen verbunden. Das war bereits so, als er sich - von den Nazihorden in die Emigration getrieben - als SAJ-Mitglied gegen den blutigen Terror der britischen Armee in Palästina auflehnte. Die Aufbauarbeit in den Gewerkschaften während der Nachkriegszeit war genau so »sein Ding« wie der erste Ostermarsch von Aldermaston nach London und dessen Überschwappen auf die BRD oder der Kampf gegen Notstandsgesetze und Vietnamkrieg; aber natürlich auch die 68er-Bewegung, die »Studentenrevolte«. Jakob war es, der maßgeblich die diesbezügliche zögerliche Haltung der Gewerkschaftsführung »knackte«.

Die Einschränkung des Streikrechts und die »Kalte Aussperrung« trieben ihn im waren Sinne des Wortes ?»auf die Barrikaden«. An unzähligen Streiks war er aktiv beteiligt, und immer wieder: der Kampf um Erhaltung von Arbeitsplätzen und gegen Massenentlassungen, ob in der Textilindustrie oder bei Opel.

Ich erinnere mich an mein erstes Gespräch mit dem damaligen Chefredakteur der »Metall-Zeitung«. Es war während der Bundesjugendkonferenz der IG Metall 1968 in Köln. Bei der Metalljugend bewegte sich damals was. Erste gesellschaftliche Tabus waren gebrochen, die Verhältnisse an den Universitäten hatten sich radikal verändert, für die Gewerkschaften waren die Forderungen nach Mitbestimmung und Mitentscheidung aktueller denn je. In Griechenland hatten die Militärs wieder mal geputscht. Mikis Theodorakis war inhaftiert, und Melina Mercouri sang vor den Delegierten der Konferenz ihre Freiheitslieder und appellierte in leidenschaftlicher Rede an die Solidarität der Völker. Jakob Moneta war ein gefragter Gesprächspartner. Er beeindruckte durch seine kritische analytische Bewertung der innergewerkschaftlichen, gesellschaftspolitischen, aber auch der internationalen Probleme. Seine Art, wie er Kenntnisse und Erkenntnisse vermittelte, ohne belehrend zu wirken, fesselte nicht nur die jungen Konferenzteilnehmer.

Seither habe ich Jakob bewusster wahrgenommen. Denn in den 70ern war es durchaus keine Selbstverständlichkeit, dass sich gewerkschaftliche »Größen« so unmissverständlich wie Jakob als Sozialist bekannten. Immer wieder erstaunte er damit, wie er aktuelle Probleme und Fragen aus seinem Wissen mit Rosa Luxemburg und anderen Klassikern der Arbeiterbewegung belegte.

Im Sommer 1990 trafen wir uns wieder. Linke jeglicher Couleur hatten sich in Köln getroffen, um mit Vertretern der neu gegründeten PDS, mit Gregor Gysi, Hans Modrow und anderen darüber zu debattieren, ob und wie und unter welchen Voraussetzungen sich die PDS auch im Westen etablieren könnte. Für 1990 standen die ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen an. Wir mussten uns entscheiden. Eine Partei, die den demokratischen Sozialismus zum Ziel hat, war für uns eine neue Herausforderung. Wir hatten uns entschieden. Gemeinsam mit einer »Handvoll« Unentwegter sind wir das Wagnis eingegangen, die PDS im Westen zu »installieren«. Ganz viele sind nicht mehr dabei, aber zahlreiche Gründungsmitglieder tragen heute auf allen Ebenen der Partei oder in den Parlamenten Verantwortung. Jakob war nicht irgendeiner von ihnen, er hat daran großen Anteil. Wir erlebten ihn als glühenden Verfechter dieser Idee. Unermüdlich umwarb er vor allem seine ehemaligen Genossen und Kollegen aus SPD und Gewerkschaften für dieses »neue Projekt«. Jakob gilt somit auch als Wegbereiter für den Zusammenschluss von WASG und PDS zur Linkspartei.

Seither habe ich Jakob in unterschiedlichen Funktionen der Partei erlebt. So 1992 in Friedrichsroda, als wir ihn zum Sprecher der AG Betrieb und Gewerkschaft wählten. Auf Parteiabenden bei Gewerkschaftskonferenzen, als kompetentes Mitglied in der Wahlprogramm-Kommission, als glühenden Redner auf Parteitagen oder als Mitglied des Parteivorstandes. Immer war er um die Konsens- und Bündnisfähigkeit der Partei bemüht. So bleibt er uns in Erinnerung.

Tschüs, Jakob - Du wirst uns fehlen!

11. November 1914 - 3. März 2012