Disput

Die Geschichte einer Premiere

Linker Bauer stellt weißen König. DIE LINKE Herne/Wanne-Eickel führte erstmalig ihr Hobbyschachturnier »Fritz Constantin« durch

Von Daniel Kleibömer

Nach Beendigung offizieller parteiinterner Termine wie Vorstands-, Ratsgruppen- oder Arbeitskreissitzungen hat es sich bei uns in Herne eingebürgert, noch etwas in lockerer Atmosphäre zusammenzusitzen und zu klönen. Aus den Gesprächen ergeben sich manchmal Ideen für Veranstaltungen oder Initiativen, ohne sofort Schranken wie »Nicht bezahlbar!«, »Nicht politisch genug!«, »Zu wenige Leute!« oder einfach »Vollkommen verrückt!« im Kopf zu haben.

Natürlich werden nicht alle umgesetzt, aber zwei, drei gute Aktionen sind daraus entstanden. Zum Beispiel die Kurzkampagne »Verwandeln - Fair handeln!« mit sieben Veranstaltungen in elf Tagen zum Thema (unter anderen mit Helmut Scholz, Katrin Vogler, VertreterInnen von weed, attac, Eine-Welt-Zentren). Oder eine Neujahrsfeier mit Live-Musik im März - anlässlich des Equal PayDay.

Während eines lockeren Zusammenseins ist auch die Idee eines Schachturniers entstanden: Zwei Mitglieder des Kreisverbandes haben vor über 30 Jahren (in der Jugend) mal zusammen in einem Verein Schach gespielt. Kleine Anekdötchen wurden erzählt (»Weißt du noch, die langen Schach-Samstage bei Bernie in seiner Laube: Zehn Stunden nur ›geblitzt!‹«), dazu Wissen von sich gegeben über Schach und Politik (»Mein erstes Zusammentreffen mit Politikern war, als ich den damaligen Vorsitzenden des Sportausschusses und stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Schach abgebügelt habe!«) und allgemein Behauptungen aufgestellt: »Der Anteil potenzieller Linker ist in Schachvereinen größer als in Fußballvereinen.«

Das Gespräch kam auf das Politikerschach in Berlin und dann zur Feststellung: Eigentlich können wir das auch hier einmal machen.

  • Wir öffnen unsere Geschäftsstelle für andere Gruppen und verankern uns damit auch besser im Stadtteil.
  • Wir sprechen Menschen an, die zumindest auf den ersten Blick mit den LINKEN nicht so viel zu tun haben.
  • Wir verstärken die Zusammenarbeit/Kooperation mit benachbarten Kreisverbänden - ein Anliegen, das uns als Kreisverband sehr am Herzen liegt.
  • Wir haben eine gute lokale Presse.

(Und selbst wenn nur vier Nicht-Kreisverbandsmitglieder kommen, werden wir auf jeden Fall unseren Spaß haben!)

Zu klären waren anschließend nur die obligatorischen organisatorischen Fragen wie Material (20 Schachbretter inklusive Uhren kauft man sich natürlich nicht für ein einmaliges Turnier), Finanzierung, Termin und Werbung. Das war aber ziemlich schnell geklärt: Ein lokaler Schachverein stellt kostenlos Uhren, Schachbretter, Computerprogramme etc.

Und weil wir das Turnier bei uns in der Geschäftsstelle durchführen, sind die Kosten auch überschaubar: Preise (Pokal), Werbung (1.000 Flyer) sowie Getränke. Flyer und Getränke sind in unserem normalen Kreisverbands-Haushalt integriert, der Pokal wird gespendet. Der Samstag in den NRW-Osterferien (14. April) war auch schnell gefunden - vor allem, weil aktive Schachspieler die Zeit der Ferien häufig für die Teilnahme an Turnieren nutzen.

Natürlich gingen wir davon aus, dass mehr als vier Menschen daran teilnehmen werden. Wir waren eingerichtet auf 30 Teilnehmer/innen, bei Bedarf auf 40 (dann wäre es allerdings eng geworden). Aufgrund des Landtagswahlkampfes in Nordrhein-Westfalen haben einige Interessierte, die sich schon angemeldet, hatten, leider wieder absagen müssen.

Sollte das Schnellschach-Turnier ein »Erfolg« werden, so hatten wir überlegt, wollten wir es zu unserem dritten festen jährlichen Veranstaltungstermin machen. Soll heißen: jährliche Durchführung, jeweils am letzten Samstag in den NRW-Osterferien.

Ach so: Wer ist oder war »Fritz-Constantin?« Tja, Fritz Constantin ist keine reale Person! Es ist ein Fantasiename, entstanden vor ca. einem halben Jahr - und eine Denksportaufgabe für Hernerinnen.

Hintergrund: Das jetzige Herne ist ein Zusammenschluss der ehemals selbstständigen Städte Herne und Wanne-Eickel. Zusammenschluss wohlgemerkt, was Wanne-Eickeler allerdings nicht so sehen. Sie fühlen sich benachteiligt und so. Das führt zu manchen Stilblüten, auch in der Kommunalpolitik. So gab es letztens eine große Unterschriftenaktion zur Wiedereinführung des alten Kfz-Kennzeichens für den Stadtteil Wanne! Na ja … Wir fanden und finden das eher albern. Und stehen auf dem Standpunkt: Wenn schon ein Sonderkennzeichen für den Stadtteil Wanne, dann auch ein Sonderkennzeichen für den Stadtteil Constantin (in der alten Stadt Herne) oder Unser-Fritz (in der alten Stadt Wanne-Eickel). Übrigens: Beide Stadtteile - also Constantin und Unser-Fritz -haben ihren Namen von den gleichnamigen Zechen!

PS: Sieger des ersten Fritz-Constantin-Turniers am 14. April wurde Rüdiger Klaus vom Kreisverband Engelskirchen. Er gewann - unter 22 TeilnehmerInnen, darunter zehn von Schachvereinen - vor dem Parteilosen Harald Stoppel und vor Heiko Fischöder.

Wichtiger Nachsatz: Geht mal davon aus, dass wir nächstes Jahr (wahrscheinlich gleiche Zeit) das Turnier wiederholen.

Daniel Kleibömer ist in Herne der Ratsgruppengeschäftsführer - und einer der beiden erwähnten ehemaligen Jugendschachspieler. Der andere - und noch aktive Vereinsspieler - ist Heiko Fischöder. Beide übernahmen auch den Großteil der organisatorischen Arbeit für das Schnellschachturnier.