Disput

Auch im Alltag am Neuen Rathaus

Michael Mamiani, 37, Beisitzer im Ortsvorstand und Stadtrat in Völklingen

Du hast so einen toll klingenden Familiennamen …
Mein Papa ist aus Italien.

Seit wann lebt er hier?
Als Zwölfjähriger kam er nach Deutschland.

Was machst du beruflich?
Ich bin leider arbeitslos. Zehn Jahre lang habe ich mit Obdachlosen und Drogensüchtigen in Saarlouis gearbeitet. Das ist ein großes Problem, nicht nur dort.

Wie bist du zur LINKEN gekommen?
Am Anfang war, wie man so sagt, eine Jugendsünde: Ich war bei den Grünen, so als 25-, 26-Jähriger. Der Jugoslawienkrieg kam und ich bin raus. Dann bin ich zur PDS, zeitweilig nur als etwas förderndes Mitglied, aber seit 2006 wieder aktiv.

Du bist im Stadtrat, was bewegt dich politisch besonders?
Die Auseinandersetzung mit Nazis. Die sind in Völklingen leider mit zwei Abgeordneten im Stadtrat. 2004 war es noch schlimmer, da sind sie mit fünf Leuten eingezogen.
Wir organisieren Demonstrationen gegen NPD-Veranstaltungen und versuchen, mit friedlichen Mitteln unseren Protest auszudrücken und damit zu zeigen: Völklingen, das sind nicht nur Nazis.

Was sind die großen Probleme in eurer Stadt?
Der Leerstand, vor allem von Geschäften. Viele Läden stehen leer. Gleichzeitig soll ein sogenanntes CityCenter gebaut werden. Das ist eine zweischneidige Sache: Da soll ein plumper Kasten entstehen. Aber man kann noch so schöne Geschäfte bauen, wenn die Kohle nicht da ist …
Die Arbeitslosigkeit ist in Völklingen auch ein Thema. Es gibt soziale Brennpunkte wie im Stadtteil Völklingen-Wehrden. Dort wohnen, was die NPD für ihre Propaganda zu nutzen versucht, viele Migranten. Dagegen machen die Nazis schwer Front. Zum Beispiel gegen den Bau des ersten Minaretts im Saarland. Die NPD hat dagegen, sehr milde ausgedrückt, gewettert und wir haben gegen die Nazis protestiert. Gott sei Dank konnte das Minarett am 17. Februar in Völklingen-Wehrden eröffnet werden.

Wie hast du den Landtagswahlkampf erlebt?
Es war anstrengend. Gestern bin ich um vier aufgestanden, dann nach Saarbrücken gefahren, wo wir uns um 5.30 Uhr in der Geschäftsstelle getroffen haben. Von dort ging’s zum Bahnhof, dort haben wir noch mal Flyer verteilt. Eine super Aktion. Da hörten wir, wie viele Leute gar nicht diese Große Koalition wollen.
Und in Völklingen haben wir natürlich auch unsere Stände gemacht …

Nur im Wahlkampf?
Nein. Wir sind die einzige Partei – da können wir uns auf die Schulter klopfen –, die nicht nur in Wahlkampfzeiten ihre Stände aufbaut. Das wird auch zur Kenntnis genommen und honoriert. Der Satz hört sich vielleicht oberflächlich an, doch er stimmt: Wir LINKEN sind nicht bloß da, wenn Wahlkampf ist, wenn’s um was geht. Wir sind auch im Alltag für die Bevölkerung da. Mittwochs und samstags stehen wir am Neuen Rathaus, neben dem Wochenmarkt.

Interview: Stefan Richter

DIE LINKE bei der Landtagswahl in Völklingen: 2012: 3.295 Stimmen 21,1 Prozent (2009: 5.111 Stimmen, 29,6 Prozent)