Disput

Graal-Müritzer Friedensfest

Wo Politik - nur ein paar Meter von Sandstrand und Seebrücke entfernt - Musik und (andere) Unterhaltung trifft. Und Hunderte sind begeistert

Von Florian Müller

Das Anliegen ist aktuell, der Veranstaltungsplatz wunderbar, das Programm großartig - und außerdem meint es das Wetter mit Gastgebern und Gästen extra gut. Eines ihrer schönsten Feste bundesweit feiert DIE LINKE im Ostseebad Graal-Müritz (Mecklenburg-Vorpommern). »Für Frieden und Toleranz - gemeinsam gegen rechts« lautet sein Motto, am 4. August 2012 bereits zum neunten Mal.

Politik trifft hier, nur ein paar Meter von Sandstrand und Seebrücke entfernt, Musik und (andere) Unterhaltung. Infostände von Vereinen gibt’s neben dem [‘solid]-Hinweis auf die Demo zum 20. Jahrestag des Pogroms in Rostock-Lichtenhagen. Auch Handwerk und Rosa-Luxemburg-Stiftung. Dazwischen Buch- und Kuchenbasare, deren Erlöse Kindern aus sozial gebeutelten Familien in Graal-Müritz, der Kinder-Krebshilfe und der Aktion »Milch für Kubas Kinder« zugutekommen. Dazu sieben Stunden Programm nonstop, moderiert mit regionalem Charme und Witz durch zwei Parteilose.

Diplomaten aus Bolivien, Ekuador, Venezuela, Nikaragua und Kuba berichten über Aufbauerfolge und Schwierigkeiten in ihrer Heimat. Die Abgeordneten Gesine Lötzsch, Steffen Bockhahn (Landesvorsitzender im Nordosten) und, stark »umlagert«, Gregor Gysi gehen in mehreren Gesprächsrunden auf Eurokrise, Griechenland, Waffenexporte und darauf ein, was das alles für die Zukunft hierzulande bedeutet.

Anlass für das Friedensfest ist die Mahnung an den Abwurf der ersten Atombombe am 6. August 1945. Dass vor zwei Jahren das Motto um den Zusatz »gemeinsam gegen rechts« erweitert wurde, entspringt der Notwendigkeit nicht allein an der Küste.

Die Kultur führt rund um die Welt: Didgeridoo für Australien, Bauchtanz für den Orient, Line Dance für Nordamerika, die Gruppe »Bote« (Togo) für Afrika, das Trio Saoco für Kuba, Lyra e.V. für Russland, »Palmera« (Venezuela) für Südamerika.

Organisiert wird das alles (unterstützt von Kreis- und Landesverband) durch die örtliche Basis. Sie hat 24 Mitglieder, und sie hat vor allem Peter »Pit« Johannssen. Vor knapp zehn Jahren kamen er und ein Mitstreiter auf die Idee fürs Friedensfest. Seither hat Pit den Hut - oder wie auf dem Foto auf Seite 22 zu erkennen ist: das Basecap - auf. »Wir haben klein angefangen, mit zwei oder drei Ständen. Heute reicht der Platz kaum noch und wir freuen uns über eine richtige Bühne. Das Fest spricht sich rum. Trotzdem glaubt uns wahrscheinlich keiner, dass alle Gruppen praktisch kostenlos auftreten.« Auch die Irish-Coffee-Band aus Dänemark und die 36 (!) Mädchen und Jungen vom Jugend-Schalmeien-Orchester Teterow.

Hunderte Besucherinnen und Besucher, Einheimische wie Badeurlauber, fühlen sich informiert, unterhalten, angeregt. Allenthalben Beifall und viel Lob.

Das Fest ist ein Höhepunkt für die Basisorganisation Graal-Müritz, doch auch im »Alltag« ist sie feste bei der Sache. Für DIE LINKE wirken vier Abgeordnete in der Gemeindevertretung - bei der Kommunalwahl übrigens in einer ungewöhnlichen Zählgemeinschaft u.a. mit CDU und FDP -, vierteljährlich informiert ihre »Kleine Zeitung« in einer Auflage von 1.500 Exemplaren und regelmäßig finden Politische Frühschoppen oder Foren statt, am 24. August mit Dietmar Bartsch im »Haus des Gastes«. Die Partei ist Mitgestalterin des Kindertages und engagiert sich im »Projekt Großelternpatenschaften«.

»Was hier losgeht!«, scheint selbst Peter Johannssen manchmal zu staunen: »Bei den Beratungen fragen mich die anderen BO-Vorsitzenden immer, ob wir in einer Enklave leben.« Leben sie nicht. 16 Jahre lang war »Pit« ihr BO-Sprecher, dann legte er die Verantwortung in jüngere Hände - und wurde einstimmig zum Ehrenvorsitzenden der Basisgruppe gewählt.

Ein Dreivierteljahr braucht die Vorbereitung des Festes. Die für die Jubiläumsausgabe 2013 beginnt schon bald.