Disput

DIE LINKE hilft

Etwa 90 Kreisverbände bieten kostenlose Beratungen an. Von einem Erfahrungsaustausch

Von Kajo Tetzlaff

Trotz Vorweihnachtszeit, Schneeregen und Schmuddelwetter ist das Treffen der Beraterinnen und Berater der LINKEN am ersten Dezemberwochenende gut besucht. Sie, die in den Kreisverbänden Mieten-, Sozial- und Hartz-IV-Beratungen anbieten oder anbieten möchten, sind gekommen. »Ich bin hier, um zu erfahren, wie ich ein Beratungsangebot aufbauen kann, und natürlich, um von den Erfahrungen anderer zu profitieren«, sagte ein Teilnehmer im Vorfeld der Veranstaltung.

Katina Schubert, Mitglied des Geschäftsführenden Parteivorstandes, dankt in der Bundesgeschäftsstelle in Berlin den Beraterinnen und Beratern für ihren wichtigen Beitrag, DIE LINKE als Kümmerpartei weiter zu verankern. In der Vorstellungsrunde zeigt sich, dass der Schwerpunkt auf der Sozialberatung, speziell der Hartz-IV-Beratung, liegt. Von der Begleitung zu Ämtern bis hin zu fachanwaltlicher Unterstützung reichen die Angebote. Viele Sprechstunden gibt es seit Jahren, manche befinden sich im Aufbau, andere wollen ihr Angebot erweitern oder professionalisieren. Auffällig ist, dass die meisten Teilnehmenden aus den westlichen Bundesländern kommen und dass nur sehr wenige Frauen teilnehmen.

DIE LINKE kämpft für grundlegende politische Veränderungen und ist gleichzeitig Kümmererpartei: im Alltag und vor Ort. Sie unterstützt Menschen in schwierigen Situationen und stellt sich, häufig in Kooperation mit Vereinen, Selbsthilfegruppen oder Rechtsanwälten, an die Seite der Betroffenen. Derzeit bieten etwa 90 Kreisverbände kostenlose Beratungen an: Sozial- bzw./und Hartz-IV-Sprechstunden, Angebote zur Asylberatung, zur Mieten- und zur Familienhilfe. Sie sind im Internet zu finden: www.die-linke.de/dielinkehilft.

Dass die Hartz-IV-Beratung eine herausragende Rolle spielt, ist nicht verwunderlich: Millionen von Hartz IV Betroffene können deshalb nicht mehr am gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben teilhaben. Unverändert gilt: Hartz IV ist Armut und Ausgrenzung per Gesetz.

Um vertieft auf Probleme eingehen zu können, teilt sich die Gruppe beim Vernetzungstreffen auf. Andreas Aust, Referent der Bundestagsfraktion für soziale Sicherung und Rente, und Susanne Kustak, die seit mehreren Jahren Beratungen anbietet, leiten den Workshop zu Sozialberatungen. Die Teilnehmenden diskutieren über das Rollenverständnis der Berater/innen: Was ist in einer Sprechstunde erlaubt, was ist verboten? Aufgezeigt werden Beratungsformen von Selbsthilfegruppen bis hin zu Kooperationen mit Vereinen.

Das Thema »Mietenberatung vor Ort etablieren« beschäftigt den zweiten Workshop. Die Waagschale zwischen den verschiedenen Kenntnissen und Diskussionsbedürfnissen zu halten, ist kein leichtes Unterfangen. Rechtsanwalt Kay Füßlein kennt sich im Mietrecht gut aus und warnt davor, als Laie Mietenberatung anzubieten, da die Gesetzeslage sehr komplex sei. »Wir verweisen die Menschen an Mietervereine weiter, damit haben wir gute Erfahrungen gemacht«, berichtet ein Teilnehmer. Die Vermittlung der Hilfesuchenden an externe Beratungsstellen und die Kooperation mit Fachanwälten ist eine Möglichkeit, weil es kaum möglich ist, sämtliche Beratungen eigenständig zu machen. Trotzdem, so sind sich alle einig, sollte die Partei ein gewisses Maß an Angeboten schaffen. Denn mindestens genauso wichtig wie direkte Hilfe ist es, den Menschen zuzuhören und ihre Sorgen ernst zu nehmen. Auch die Werbung für die Angebote sowie die notwendigen Weiterbildungen der Berater/innen kommen zu Sprache.

Als Resümee des ersten Vernetzungstreffens »DIE LINKE hilft« wünschen sich die Teilnehmenden mehr Unterstützung durch die Bundesebene, beispielsweise durch eine Handreichung für den Aufbau und das Führen einer Beratungsstelle, durch jährliche Treffen, einen Infoverteiler oder thematische Schulungen.