Disput

Jessica Kaußen

Jessica ist 22 Jahre jung, lebt in Hannover und studiert in Hildesheim Wirtschaftsinformatik. Hochschulpolitik, Antimilitarismus und Wirtschaft gilt ihr besonderes Interesse – und in der knappen Freizeit fährt sie gern Inliner.

Was hat dich in letzter Zeit am meisten überrascht?
Dass es in der LINKEN GenossInnen gibt, die für ein autoritäres Staatsbild sind.

Was ist für dich links?
Links steht, nach Emma Goldman, für »die Befreiung des menschlichen Geistes von der Herrschaft der Religion, die Befreiung des menschlichen Körpers von der Herrschaft des Eigentums, Befreiung von Fesseln und Zwang durch die Regierung, es steht für eine soziale Ordnung, basierend auf der freien Gruppierung von Individuen«.

Worin siehst du deine größte Schwäche, worin deine größte Stärke?
Ich würde beides verbinden: Meine größte Schwäche ist auch gleichzeitig meine größte Stärke: meine Jugend, die in einer überalterten Männerpartei, dazu führt, dass du zwar ganz andere Ideen entwickelst als andere GenossInnen, die aber auch seltener für voll genommen werden, weil du als kleines Mädchen abgestempelt wirst. Aber Jugend ist ja bekanntlich vergänglich.

Was war dein erster Berufswunsch?
Astronaut/Kosmonaut.

Wie sieht Arbeit aus, die dich zufrieden macht?
Selbstständig, an der Gemeinschaft orientiert.

Wenn du Parteivorsitzende wärst ...
… würde ich versuchen, die »Partei-Pyramide« umzustrukturieren und die Aufgaben auf mehreren Schultern zu verteilen und die Jugend zu fördern. Mit mehr basisdemokratischer Beteiligung würde die Last der Partei dann nicht mehr auf den Schultern von einigen wenigen Belasteten/Privilegierten ruhen.

Was regt dich auf?
Studiengebühren in Niedersachsen, da dies für mich als Studentin, die gerade eine Hochschulgruppe gründet, ein aktuelles Thema ist.

Wann und wie hast du unlängst Solidarität gespürt?
Erst vor Kurzem, als ein Junge in der Bahn seine Fahrkarte vergessen hatte und ein älterer Mann ihm bei der Kontrolle zur Seite stand: Er sagte, dass der Junge zu ihm gehören würde und auf seiner Monatsfahrkarte mitfahren könne.

Wovon träumst du?
Von einem Bauernhof mit einer eigenen Werkbank und einer braunen Kuh.

Wofür gibst du gerne Geld aus?
Für Sonnenblumen, meine Haustiere und meine kleine Glasfiguren-Sammlung.

Möchtest du (manchmal) anders sein, als du bist?
Nein.

Wann fühlst du dich gut?
Auf einem Konzert von Lordi (finnische Hard-Rock-Band) in der ersten Reihe.

Wo möchtest du am liebsten leben?
Dort, wo ich mich wohlfühle.

Was bringt dich zum Weinen?
Wenn ich bei meinem Nebenjob an der Kasse sitze und ein kleines Kind, an der Hand von Mama und Papa, mit ganz großen Kulleraugen fragt, ob es ein Überraschungsei haben darf und Mama und Papa erklären müssen, dass sie dafür kein Geld hätten.

Wovor hast du Angst?
Dass Menschen in einer von Lohnarbeit geprägten Welt ihre Ideale und Wünsche vergessen könnten.

Welche Eigenschaften schätzt du an Menschen besonders?
Ehrlichkeit, woraus sich für Parteien Transparenz ergibt.

Wie lautet dein Lebensmotto?
Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal, ehe man es zum ersten Mal richtig sieht. (Christian Morgenstern)