Disput

Annemarie Fingert

Annemarie ist 57 Jahre jung, war seit deren Beginn bei der WASG und ist von Anfang an bei der LINKEN. Organisiert ist sie im Ortsverein München Mitte/West, sie ist im Vorstand des Kreisverbandes München aktiv.

Was hat dich in letzter Zeit am meisten überrascht?
Dieser Hype mit den Piraten – (fast) nichts auf der Pfanne, aber hoch gehandelt. Und hoch gehandelt werden sie, weil sie für die herrschende Klasse keine Gefahr sind (auch nicht für die Männer): Liberalismus über alles. Nach dem Öko-Liberalismus kommt jetzt der Internet-Liberalismus.

Was ist für dich links?
Das Eintreten für eine Gesellschaft, in der alle ohne Sorgen leben können; in der sich alle wohlfühlen, egal welche Wurzeln sie haben. In der alle ihr gutes Auskommen haben, egal ob die Eltern reich sind oder Flüchtlinge. In der sich alle für ein Leben entscheiden können, das ihnen behagt: egal welche sexuelle Orientierung sie haben, ob und was sie glauben, ob alt oder jung, Mann oder Frau: Alle sollen ein Leben ohne ökonomische Zwänge und ohne Ängste führen können. Dafür ist allerdings noch eine Menge zu tun.

Worin siehst du deine größte Schwäche, worin deine größte Stärke?
Ich glaube, ich bin manchmal viel zu sehr von Pflichtbewusstsein getrieben. Diese Schwäche kann aber auch eine Stärke sein.

Was war dein erster Berufswunsch?
Zahntechnikerin – die Ausbildung war jedoch viel zu teuer. Dann habe ich mich für eine Ausbildung als Elektroassistentin entschieden, da ich schnell von zu Hause ausziehen wollte.

Wie sieht Arbeit aus, die dich zufrieden macht?
Es muss eine Arbeit sein, die ich für wichtig halte, die anderen hilft und die Spaß macht – zum Beispiel als Betriebsrätin. Allerdings kann dieser Job manchmal auch frustrierend sein!

Wenn du Parteivorsitzende wärst ...
Will ich um Himmelswillen nicht sein! Ich bin davon überzeugt, dass Katja Kipping und Bernd Riexinger alles dafür tun werden, unsere Gemeinsamkeiten zu betonen, unsere gemeinsamen Ziele umzusetzen und DIE LINKE nicht denen zu opfern, die uns schon immer bekämpft haben.

Was regt dich auf?
Schreiende Ungerechtigkeit gepaart mit Dummheit oder der Unfähigkeit, die Realität wahrzunehmen.

Wofür gibst du gerne Geld aus?
Für Rotwein und gutes Essen und für Reisen, bei denen ich die Welt kennenlerne.

Möchtest du (manchmal) anders sein, als du bist?
Hin und wieder wünsche ich mir, aus meiner Haut raus zu können und nicht alles so ernst zu nehmen. Das geht aber leider viel zu selten.

Müssen Helden und Vorbilder sein?
Helden sind Vorbilder. Alle die Frauen und Männer, die sich in der Nazizeit gegen die Faschisten gestellt haben und damit oft ihre Freiheit oder sogar ihr Leben riskiert haben, sind es. Ein aktuelles Vorbild bei und in München ist Martin Löwenberg. Den konnten weder Nazi-Deutschland noch die Repressionen in der Nachkriegszeit brechen (zum Teil bis heute, wenn er sich gegen die braune Brut wehrt). Er blieb aufrecht!

Wo möchtest du am liebsten leben?
Da, wo ich bin: trotz der politischen Lage in Bayern und in meiner Heimatstadt München. Ein rotes Bayern wäre für mich jedoch die Krönung (da braucht´s dann keinen König mehr).

Mit wem lachst du besonders gern?
Mit den Menschen, die mir nahestehen – über mich und über manche unserer Torheiten.

Was bringt dich zum Weinen?
Unmenschliches Verhalten gegen andere.

Wovor hast du Angst?
Um mich habe ich keine Angst. Ich habe eher Befürchtungen darüber, dass bei diesen sozialen Missverhältnissen irgendwann wieder jemand nach der »starken Hand« ruft und es ausgeht wie beim Zauberlehrling, den man rief und dann nicht mehr los wurde.

Welche Eigenschaften schätzt du an Menschen besonders?
An meinem Partner seine ruhige und verlässliche Art, an meiner Tochter ihre Zuversicht und Energie. Wichtig finde ich, andere Menschen wahrzunehmen, sie ernst zu nehmen – so wie sie sind.

Wie lautet dein Lebensmotto?
Wer, wenn nicht wir – wann, wenn nicht jetzt?