Disput

Schatzkammer der Parteigeschichte

Das Archiv Demokratischer Sozialismus - erste Adresse für Forschungen zur Partei DIE LINKE und zur Idee eines Demokratischen Sozialismus

Von Christine Gohsmann

Archive werden gern als Schatzkammern der Historie bezeichnet, die zu bestimmten Anlässen die Tore öffnen und ihre Schätze präsentieren. Welche Schätze beherbergt das Archiv Demokratischer Sozialismus (ADS), und wem öffnet es seine Tore?

Das ADS ist das Parteiarchiv, dessen Aufgabe in der Sicherung und Bewahrung der Dokumente und Quellen zur politischen Grundströmung des Demokratischen Sozialismus besteht. Der Aufbau des ADS begann 1999. Ende 2011 umfasste das Archiv mehr als 1.000 laufende Meter Akten. Gemeinsam mit der Bibliothek bildet es den Bereich Archiv und Bibliothek der Rosa Luxemburg Stiftung e. V. Im ADS arbeiten fünf Archivarinnen und Archivare; seit dem Herbst 2011 bildet das ADS auch aus.

Um die Entstehung und Entwicklung der Partei DIE LINKE und ihrer Quellorganisationen PDS und Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) umfassend dokumentieren zu können, übernimmt das ADS die Akten

  • des Parteivorstandes und der zentralen Untergliederungen,
  • aus der Arbeit der Fraktionen auf Bundes- und Landesebene,
  • der Landesverbände und ausgewählter Kreisorganisationen sowie
  • Personenbestände (Nachlässe und Deposita) und

baut Sammlungen wie die Sammlung Kleine Zeitungen der Partei DIE LINKE und ihres Umfeldes auf.

Die ältesten Unterlagen sind jene vom Sonderparteitag der SED/PDS im Dezember 1989. Alle Unterlagen der SED vor diesem Stichdatum sind in den zuständigen Archiven (Stiftung der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv und andere) zu finden. Ins ADS werden auch jene Unterlagen von Persönlichkeiten der Partei übernommen, die seit Dezember 1989 in Wahrnehmung von Parteifunktionen entstanden sind. Die Fraktionsakten werden durch die Materialien der einzelnen Bundestagsabgeordneten und deren Büros ergänzt. Gleiches gilt für die Unterlagen der Mitglieder der Landtage und ihrer Mitarbeiter/innen. Insgesamt ermöglichen sie einen guten Einblick in die parlamentarische Arbeit.

Ziel aller archivarischen Tätigkeit ist die Bereitstellung der Unterlagen für die Nutzung durch die interessierte Öffentlichkeit. Dazu werden die Unterlagen nach der Übernahme erschlossen und zugänglich gemacht. Ergebnis dieser Arbeiten sind die Findbücher, sie sind gedruckt und online verfügbar und ermöglichen den Interessenten vor dem Archivbesuch eine Orientierung in den verschiedenen Beständen. Das ADS öffnet allen seine Tore, die ein berechtigtes Interesse an einer Akteneinsicht nachweisen können. Dazu zählen zahlreiche Wissenschaftler/innen aus dem In- und Ausland und Journalisten. Im Vorfeld einer Akteneinsicht ist ein Benutzungsantrag zu stellen. Die Mitarbeiter/innen des ADS sind gern bei den Recherchen behilflich. Grundsatzdokumente zur Geschichte der Partei sind zum Download auf der Website hinterlegt. Diese Auswahl wird ständig erweitert. Außerdem ist auf der Website auch eine Übersicht (Wegweiser Bestände) zu finden, in welchen Archiven und Einrichtungen weitere Unterlagen zu finden sind.

Seit dem Jahr 2000 lädt das ADS in jedem Herbst die Archivverantwortlichen beim Parteivorstand, der Bundestagsfraktion, der Landesverbände, der Landtagsfraktionen sowie der Landesstiftungen und Vereine zu einem Treffen ein. Die meist ehrenamtlich tätigen Archivarinnen und Archivare und die Mitarbeiter/innen des ADS beraten dann Probleme und Herausforderungen der archivfachlichen Arbeit wie den Umgang mit zunehmend elektronischen Unterlagen.

Das ADS möchte an dieser Stelle insbesondere jene Mitglieder von Bundes- und Landesvorständen der WASG, die Unterlagen aus der Geschichte der Organisation verwahren, ermuntern, diese an das ADS abzugeben. Gemäß dem Beschluss des Parteivorstandes vom 14. Februar 2009 zur Überführung der Unterlagen der WASG an das Archiv Demokratischer Sozialismus möchte das ADS seinen Beitrag leisten, um die Entwicklung der Quellorganisation WASG umfassend zu dokumentieren.

Regelmäßig erfolgen Aktenübergaben aus dem Archiv beim Parteivorstand. Dabei arbeiten die Mitarbeiter/innen des ADS eng mit dem Archivar zusammen und beraten gemeinsam Fragen der elektronischen Aktenführung und der Langzeitarchivierung.

Zum Zwecke einer sinnvollen Ergänzung der im ADS vorhandenen Unterlagen führen Mitarbeiter/innen des ADS vor Ort Konsultationen und Sichtungsreisen durch und beraten die Landesverbände und Landtagsfraktionen zu Fragen der Aktenbildung und -strukturierung. Teilweise wurden solche Termine auch zur Vorbereitung der Übergabe von Unterlagen an das ADS genutzt.

Um die Arbeit und den Service des Archivs Demokratischer Sozialismus bekannt zu machen, beteiligt sich das ADS am Tag der Archive, der alle zwei Jahre vom Verband deutscher Archivarinnen und Archivare veranstaltet wird. So bot das ADS am 3. März 2012 zwei Führungen durch das Archiv an. Interessenten an der Arbeit des ADS müssen jedoch nicht bis zum nächsten Tag der Archive im Jahre 2014 warten. Sie können sich beim ADS melden und einen Termin für ein Gespräch oder eine Führung (vorzugsweise für Gruppen) vereinbaren. Dem ADS sind alle Benutzer willkommen, die sich für die Geschichte und die Entwicklung der Partei DIE LINKE, ihrer Quellorganisationen und der Idee des Demokratischen Sozialismus interessieren.

Mit speziellen Projekten bemüht sich das ADS um die Erweiterung seines Angebotes. So steht die Vorbereitung eines Bestandes mit Fernsehbeiträgen über die PDS/DIE LINKE vor dem Abschluss und wird dann im ADS nutzbar sein. Dieser Bestand kann für Forschungen zur medialen Präsenz der PDS / DIE LINKE herangezogen werden. Ein weiteres Projekt soll die Speicherung und Auswertung der Webauftritte der Partei DIE LINKE, der Fraktionen und ihrer Abgeordneten ermöglichen.

Zuletzt ein Wort in eigener Sache: Häufig wird vermutet, dass das Archiv Demokratischer Sozialismus auch den Nachlass der Namensgeberin der Stiftung - Rosa Luxemburg - verwahrt. Dies ist nicht der Fall. Bei diesbezüglichen Anfragen können wir zwar die Durchsicht der in der Bibliothek bereitgestellten Arbeiten von und über Rosa Luxemburg und ihre Weggefährten (auf der Website unter dem Stichwort Bibliographien zu finden) anbieten, Archivdokumente gibt es im ADS jedoch nicht.

Rosa-Luxemburg-Stiftung, Archiv und Bibliothek, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, Telefon: 030-44310-121 bzw. -131, archiv@rosalux.de