Disput

Die »Bravo« und die Bundeswehr

Der Beginn einer Protestwelle

Von Sebastian Lucke

Bereits seit den 70er Jahren arbeitet die Jugendzeitschrift »Bravo« kontinuierlich mit der Bundeswehr zusammen. In ihren Heften räumt sie der Bundeswehr des Öfteren Platz ein, um Jugendliche zu erreichen. Verantwortlich dafür ist ein Vertrag, der zwischen der Bundeswehr und dem Herausgeber der »Bravo«, dem Bauer Verlag, geschlossen wurde. Dieser Verlag vertreibt neben dem Jugendmagazin auch die geschichtsrevisionistische und rechtsoffene Zeitschrift »Damals«.

Die »Bravo« ihrerseits wirbt seit 2005 regelmäßig in ihrer Online- bzw. Printausgabe mit den sogenannten »Bundeswehr Adventure Camps«, wo den Jugendlichen ein tolles Freizeitlager mit viel Spaß und Abenteuer versprochen wird. So heißt es in dem über den YouTube-Kanal der »Bravo« veröffentlichten Werbefilm der Bundeswehr: »Action, Adrenalin, Abenteuer! Die Herausforderung deines Lebens wartet auf dich«. Die Armee verspricht bei den zwei Camps bei der Luftwaffe auf Sardinien und den Gebirgsjägern in den Berchtesgadener Alpen »krasse Wasserwettkämpfe«, »crazy Strandspiele« und »coole Beachpartys« beziehungsweise »Lagerfeuer-Partys« an einer »coolen Bundeswehrhütte« – für die 60 Teilnehmer/innen komplett gratis.

Die Jugendzeitschrift missbraucht mit dieser Werbung ihre erzieherische Verantwortung, junge Menschen vor militaristischer Manipulation zu schützen. Während auf der einen Seite das Dr.-Sommer-Team sexuelle Aufklärung anbietet, erfahren die Jugendlichen auf der anderen Seite eine völlige Verharmlosung des Alltagslebens eines Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz. Dieser ist nicht nur ausnahmslos einer physischen und psychischen Belastung ausgesetzt, sondern zu seiner Aufgabe gehört auch explizit das Töten von Menschen. Im »Bravo«-Magazin bekommt diese Tätigkeit dieselbe coole Aufmachung wie der Bericht über den neuesten Superstar und gewinnt damit in den Augen der Jugendlichen nahezu denselben Stellenwert.

Ferner verstößt die Kooperation zwischen »Bravo« und Bundeswehr gegen die UN-Kinderrechtskonvention, die von der BRD ratifiziert wurde. Danach ist es Armeen nicht gestattet, Kinder unter 18 zu werben. Die Zielgruppe der »Bravo« ist eindeutig um einiges jünger: Zu den jungen LeserInnen gehören auch Zehnjährige. Ebenso stellen die von der »Bravo« beworbenen Ferienlager der Bundeswehr für Jugendliche einen weiteren Schritt darin dar, dass die Bundeswehr sich an immer jüngere Kinder und Jugendliche wendet, um sie für den Dienst an der Waffe zu gewinnen.

Gegen diese Kooperation organisiert sich zunehmend Widerstand. Mittlerweile gibt es zwei Petitionen, welche die jugendgefährdende Werbung der »Bravo« für die Bundeswehr beenden wollen. Neben einer Petition von der Organisation terre des hommes wurde eine weitere Petition von Sebastian Lucke von ['solid] gestartet. Diese Petition, die unter www.change.org/bravo weiterhin unterstützt werden kann, hat bereits über 1.300 Unterschriften.

Den Ausgangspunkt zu dieser Petition bildete die mit weit über 1.600-Gefällt-Mir-Angaben und einer zwischenzeitlichen Reichweite von 100.000 Personen sehr erfolgreiche Seite auf dem sozialen Netzwerk Facebook (http://www.facebook.com/BravoGutGetroffen). Diese Kampagnenseite entstand zusammen mit Robert Fietzke, Landesjugendkoordinator der Linksjugend ['solid] Sachsen-Anhalt, direkt nach den ersten öffentlichen Reaktionen auf das Werbevideo der »Bravo« für die Bundeswehr.

Ziel der Petition sowie der Kampagne ist es, darauf einzuwirken, dass die »Bravo« ihre Werbung für die »Bundeswehr Adventure Camps« sofort beendet und jegliche Kooperation mit der Bundeswehr einstellt. Diese Kampagne ist ein weiterer Beleg dafür, dass schneller und niedrigschwelliger Online-Aktivismus viele Menschen zu politisieren vermag, Druck erzeugen kann und im Verhältnis zum dafür aufgebrachten Aufwand enorm effizient ist.

Sebastian Lucke ist Bundessprecher von Linksjugend ['solid].