Disput

Schlösser und Katen

Eine Erinnerung an Kurt Maetzig (25. Januar 1911 bis 8. August 2012)

Von Lothar Bisky

Kurt Maetzig drehte Filme im »Jahrhundert der Extreme«, wie Eric Hobsbawm das Zwanzigste nannte. Er war Mitbegründer der DEFA und wurde einer ihrer bekanntesten Regisseure, Gründer der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg und deren erster Rektor.

Studiert hatte er in München und an der Sorbonne. Er befasste sich mit der chemischen Seite des Filmens. Das Schicksal seiner jüdischen Mutter und deren Leid nach der Machtergreifung der Nazis haben ihn tief geprägt. Er schloss sich 1944 den Kommunisten im Untergrund an. Eine feste antifaschistische Haltung kam in seinen Filmen und in seinem öffentlichen Engagement zum Tragen.

In den Wochen der Befreiung schloss er sich einer Kooperative an, die Filme für die Sowjets kopierte. Es wird die schöne Story erzählt, dass der Eigentümer der Kooperative zu Maetzig sagte, er könne ihn nicht mehr beschäftigen, weil er Kommunist sei. Daraufhin antwortete Maetzig, er könne nicht mehr für ihn arbeiten, weil er Kapitalist sei.

»Ehe im Schatten« von Kurt Maetzig war der zweite Film der jungen DEFA nach »Die Mörder sind unter uns«. Er hatte 1947 in Berlin Premiere. Es folgten: »Die Fahne von Kriwoj Rog«, »Schlösser und Katen«, »Rat der Götter«, »Ernst Thälmann«, »Der schweigende Stern«. Nicht zu vergessen der DEFA-Augenzeuge, den Maetzig produzierte. Seine Filme wurden in der DDR hoch dekoriert, aber auch verboten - wie »Das Kaninchen bin ich«.

Die Widersprüche der Kulturpolitik trafen ihn wie auch manch anderen Regisseur. Zu erinnern ist an sein bemerkenswertes Engagement für die Filmclubs. Er wurde zunächst Vizepräsident der internationalen Filmklub-Bewegung und schließlich zu ihrem Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit benannt.

Er engagierte sich stark für das Nationale Spielfilmfestival in der DDR, das in Karl-Marx-Stadt stattfand, bei dem er Präsident des Festivalkomitees war - ein Leben mit Filmen und für den Film. Ihn zeichnete auch sein öffentliches Engagement für Filme aus. Davon zeugen zahlreiche Aktivitäten. Ob auf den Filmfestspielen in Moskau oder in Karlovy Vary, man traf ihn auf zahlreichen Veranstaltungen. Er war sehr gut vertraut mit der Geschichte der Arbeiterbewegung und eng mit ihr verbunden.

Es könnte sein, dass in der Filmgeschichtsschreibung späterer Jahre die Regisseure der DEFA nicht mehr jene Aufmerksamkeit erfahren, die ihrem künstlerischen Schaffen angemessen wäre. Umso wichtiger wird es, dass DIE LINKE sich ihrer erinnert und ihr humanistisches Erbe pflegt.