Disput

Katharina Messinger

Katharina ist 30 Jahre jung und Lehrerin für Englisch und Politik. Die gebürtige Leipzigerin hat nach dem Abitur in Hettstedt (Sachsen-Anhalt) Gymnasiallehramt in Halle (Saale) studiert und in Kinsale (Irland) an einer Gemeinschaftsschule unterrichtet. Jetzt lebt und arbeitet sie in Illingen im Saarland. Katharina ist Vorsitzende der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung Saar und Sprecherin der BAG Grundeinkommen

Was hat dich in letzter Zeit am meisten überrascht?
Eure Anfrage für dieses Interview.

Was ist für dich links?
Vor allem: eine menschliche Grundposition gegenüber allen zu haben – und diese zu leben. Wenn wir uns alle so akzeptieren und schätzen, wie wir sind, dann ergeben sich daraus ganz automatisch »linke« Positionen – wie die Forderung nach Frieden, gleicher Teilhabe für alle, Bildungsgerechtigkeit …

Worin siehst du deine größte Schwäche, worin deine größte Stärke?
Ich kann ziemlich schwer Nein sagen, will aber eigentlich alles richtig gut machen. Das führt des Öfteren zu Terminchaos und Nachtschichten. Ich kann aber gut organisieren, das hilft – und macht am meisten Spaß, wenn ganz viele Menschen in einem Projekt arbeiten.

Was war dein erster Berufswunsch?
Wahrscheinlich Tierärztin. Als ich endlich selbst ein Haustier bekam, hatte sich das ganz schnell gelegt. Dann wollte ich Journalismus studieren – bis mich Politik und Jugendarbeit so gepackt haben, dass ich Politiklehrerin wurde.

Wenn du Parteivorsitzende wärst ...
... würde ich zunächst unheimlichen Respekt vor der Arbeit und der Verantwortung haben. Dann ganz viele Gespräche führen und ein großes Team mit ins Boot holen. Aber in diese Verlegenheit werde ich nicht kommen. Wir haben ja gerade zwei Menschen als Vorsitzende gewählt, die einen tollen Job machen und das, was ich auf der Agenda hätte, viel besser umsetzen können!

Was regt dich auf?
Wenn wir uns gegenseitig hören, aber nicht zuhören. Wenn Kritik geäußert wird, ohne die Grundposition zu kennen oder zu verstehen. Wenn wir uns gegenseitig in Feindbilder stürzen, obwohl wir alle dasselbe denken. Und dass ich häufiger nach meinem Beruf oder meiner politischen Tätigkeit beurteilt werde, aber nicht nach dem, was mich als Person ausmacht.

Wofür gibst du gerne Geld aus?
Für Bücher und zwangsläufig für Bücherregale. Ich brauche schon wieder mehr Platz … Und für Handtaschen.

Möchtest du (manchmal) anders sein, als du bist?
Manchmal wünscht sich jeder, einfach mal anders sein zu können. Aber ich habe eine tolle Familie, einen Beruf, der mir Spaß macht, eine Schule, an der ich jeden Tag soziales Engagement und kritisches Denken erleben darf, und wohne im Saarland – tatsächlich das schönste Bundesland der Welt. Warum sollte ich jemand anderes sein wollen?

Wo möchtest du am liebsten leben?
Ich sehne mich oft zurück nach Irland, die grüne Insel ist mein zweites Zuhause. Irgendwann würde ich gern wieder dort leben. Vielleicht in 40 Jahren.

Worüber lachst du besonders gern?
Am meisten über mich selbst! Ich lache viel und gern, in der Schule genauso wie zu Hause, und am liebsten mit ganz vielen gemeinsam. Es kann dann schon mal eine Viertelstunde dauern, bis ich wieder ruhig bin.

Wie lautet dein Lebensmotto?
Jeder Tag ist ein neuer Anfang. Was gestern war, ist heute Grundlage für neue Entscheidungen. Deswegen gilt nie »Hätte ich doch …«, sondern immer nur »So geht es weiter«.