Disput

Kümmerer für Studierende

Die Linke.SDS in Mannheim

Von Julien Ferrat

An der Universität Mannheim ist seit diesem Jahr die Hochschulgruppe Die Linke.SDS im AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss) vertreten. Der Schwerpunkt unserer Hochschulgruppe liegt im Bereich des Sozialen. Von konkreter Hilfe bis hin zu langfristigen Ideen decken wir dieses wichtige Themengebiet ab. Eines unserer erfolgreichsten Projekte war dieses Semester der »Ersti«-Notruf. Unter einer Telefonnummer konnten sich Studierende bei Fragen zu Wohnungssuche oder Prüfungsordnungen rund um die Uhr an uns wenden. Unser Hauptaugenmerk lag vor allem in der Vermittlung einer Notunterkunft für Erstsemester ohne Wohnung. 20 Mitglieder und Sympathisanten hatten sich im Vorfeld bereit erklärt, wohnungslose »Erstis« bei sich zu Hause aufzunehmen. Mehr als 50 Erstsemestern konnten wir dadurch eine zeitweilige Bleibe vermitteln.

In Mannheim wird nämlich – im Gegensatz zu vielen Hochschulstandorten – kein Matratzenlager eingerichtet, in dem Studierende in den ersten Wochen kostenlos übernachten können. Erstsemester, die keine Wohnung haben, müssen also in der Jugendherberge oder im Hotel unterkommen, was preislich eine erhebliche Belastung darstellt. Unser LINKE-Stadtrat Thomas Trüper hatte deshalb beim Fachbereich Bildung der Stadt Mannheim angefragt, ob eine zeitweise Unterbringung in Schulen möglich wäre. Beim Katholikentag mit 60.000 Besuchern wurde dies nämlich erfolgreich angewandt. An der Universität Mannheim beginnen die Einführungsveranstaltungen bereits am 27. August, der Schulanfang in Baden-Württemberg ist jedoch erst am 10. September. Vom Zeitraum wäre der Schulbetrieb also nicht beeinträchtigt worden. Während man beim Katholikentag wegen einer terminlichen Überschneidung bereit war, den Schülern für die betroffene Zeit frei zu geben, um die Besucher in den Schulen unterbringen zu können, fiel die Antwort der Stadt im Fall der Erstsemester leider negativ aus. Die Begründung: Die betrieblichen Abläufe würden in den Sommerferien behindert. In Anbetracht der umfassenden Bemühungen rund um den Katholikentag wirkte das wie Hohn. Vielmehr erschien es so, als ob man sich nicht die Mühe machen wollte, für die Erstsemester zusätzliche Arbeit in Kauf zu nehmen.

Bereits zuvor war von uns eine Nutzung der frei werdenden US-Militärflächen als Studentenwohnheime als Zwischennutzung angeregt worden, die im Optimalfall in eine langfristige Nutzung münden würde. Allerdings wird dieses Bestreben vom Studentenwerk stets blockiert mit der Aussage, man bräuchte keinen zusätzlichen Wohnraum. Das Studentenwerk Mannheim bedient sich hierbei einer Schildbürger-Logik. Ein Ausbau sei nämlich deshalb nicht anzustreben, da es bereits bei den derzeitigen Kapazitäten zu Leerständen kommt. Dass gerne mehr Studierende im Studentenwohnheim leben würden, sie aber, nachdem sie sich irgendwo schon eingerichtet haben, nicht innerhalb von sechs Monaten zweimal umziehen wollen, kommt dem Studentenwerk offenbar nicht in den Sinn. Das Studentenwerk Mannheim gehört zweifelsfrei zu den am wenigsten engagierten in Deutschland. Jährlich bewerben sich über 4.000 Studierende auf 1.000 freie Wohnheimplätze. Obwohl das Studentenwerk selbst mit 2.000 zusätzlichen Erstsemestern in diesem Semester rechnete, rühmte es sich damit, 50 neue Wohnheimplätze geschaffen zu haben.

In der Öffentlichkeitsarbeit schreckt das Studentenwerk Mannheim vor keinen billigen Tricks zurück. Obwohl die Jugendherberge ausgebucht war, hat das Studentenwerk nichts unternommen. Mantraartig wurde vom Pressesprecher weiterhin gepredigt: »Wir beobachten die Situation und können bei Bedarf in Gemeinschaftsräumen kurzfristig ein Matratzenlager als vorübergehendes Notquartier einrichten.« Dies war jedoch ein reiner Bluff, um in der Öffentlichkeit gut da zu stehen. Wir hatten beim Studentenwerk Anfang August angefragt, ob in deren Räumlichkeiten kurzfristig ein Matratzenlager eingerichtet werden könnte. Der stellvertretende Geschäftsführer antwortete uns: »Für Notlager fehlen uns im allgemeinen auch die notwendigen sanitären Einrichtungen in unseren Gemeinschaftseinrichtungen.« Auf diesen Widerspruch angesprochen, kam vom Studentenwerk die Auskunft, dass man sich für den Fall der Fälle folgende Option überlegt hätte: Und zwar habe man von Mitte bis Ende August ein WG-Zimmer mit Toilette und Dusche neben einem Gemeinschaftsraum freigehalten, um daraus bei Bedarf ein Matratzenlager mit sanitären Anlagen zu machen. Das WG-Zimmer sei jedoch inzwischen vermietet. Das Studentenwerk Mannheim hatte also offensichtlich nicht vor, kurzfristig etwas auf die Beine zu stellen.

Ein weiteres Themenfeld, dem sich unsere Hochschulgruppe angenommen hat, ist die Forderung nach einem Ausbau der Masterplätze. An der Universität Mannheim ist das Verhältnis zwischen zugelassenen Bachelor-Studenten und Masterplätzen besonders schlecht – mit einer Ausnahme: BWL (Betriebswirtschaftslehre). Dort kamen lange Zeit auf 300 zugelassene Bachelor-Studenten auch 300 Masterplätze. Prinzipiell könnte also jeder zugelassene Bachelor-Student seinen Masterabschluss an derselben Universität machen. In den meisten Studiengängen sieht die Situation allerdings ganz anders aus. Vor allem in den Sozialwissenschaften, mit denen sich die Universität Mannheim – nach den Wirtschaftswissenschaften – gerne rühmt, ist die Lage prekär. Auf über 100 Bachelor-Studenten in Soziologie und Politikwissenschaft kommen jeweils gerade einmal 15 Masterplätze. Doch auch wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge sind teilweise davon betroffen. So kommen auf über 200 VWL-Studenten (Volkswirtschaftslehre) nur 20 Masterplätze. Gleichzeitig hat der Wirtschaftsdezernent der Stadt Mannheim verkündet, dass er Studierende langfristig an den Standort Mannheim binden möchte. Wir haben ihm daraufhin unsere Unterstützung ausgesprochen und an ihn appelliert, bei der Universitätsleitung und dem Wissenschaftsministerium für einen deutlichen Ausbau der Masterplätze zu werben.

All dies zeigt: Eine linke Kraft an den Hochschulen ist enorm wichtig!