Disput

In einem Boot

Von einer Parteigruppenberatung an Bord einer Yacht zu Aktionen im Rahmen der »Wir-gehören-zusammen«-Tour

Von Jürgen Hennig

Anfang dieses Jahres, bei der Aufstellung unseres Sitzungsplanes, bot ein Genosse an, unsere Beratung im August an Bord seiner Yacht durchzuführen.

Der Göttinger Bundesparteitag und die von Klaus H. Jann aus Wülfrath initiierte »Wir-gehören-zusammen«-Tour folgten, und schnell wurde uns klar: Wir nehmen daran, wie schon bei vorangegangenen Aktionen, teil. Einer unserer Beiträge sollte unter dem Motto »Wir sitzen alle in einem Boot« stattfinden.

Als erstes planten wir bei einer Radtour – zu zweit von Cuxhafen nach Perleberg, entlang des Elberadweges – ein Ost-West-Treffen mit schon lange befreundeten Genossen aus Hamburg. Am 23. Juni, in Bergedorf, nutzten wir die Gelegenheit zu Gesprächen auch über die politische Situation unserer Partei, verbunden mit der Übergabe erster Dokumente zur »Plan B«-Debatte der Bundestagsfraktion. Unsere Einladung zum geplanten Yachttörn wurde mit Freude angenommen. Die Vorbereitungen dafür liefen weiter. Teilnehmen daran sollten Freunde aus dem Wendland, zu denen wir, insbesondere im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Castortransporte, aber auch über familiäre Bindungen und Besuche, engere Kontakte pflegen. Darüber hinaus sollten Nachbarn aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mitmachen. Angesichts der begrenzten Zahl derer, die an Bord gehen konnten, kein leichtes Unterfangen.

In der Zeit kam unsere Genossin Petra aus Unna (Nordrhein-Westfalen) mit ihren Töchtern für drei Tage nach Perleberg. Was lag näher als ein Mini-Kennlerntreffen zwischen Mitgliedern und Sympathisanten? Und wieder zeigte sich deutlich, »Wir-gehören-zusammen« ist für die Weiterentwicklung der Partei unverzichtbar.

Inzwischen rückte unser Treffen immer näher. Es zeichnete sich ab: Wir treffen uns am Vorabend, am 11. August, mit all jenen, die am Yachttörn nicht teilnehmen können, zu »Gesprächen am Grill« auf dem Hof der Perleberger »Tafel«. Durch die festen Zusagen von GenossInnen aus Hamburg-Bergedorf, Lüchow-Dannenberg und aus dem Kreisverband Südwestmecklenburg würde es sicher einen interessanten Gedankenaustausch geben zur Frage: »Ost und West in einer Partei. Geht das überhaupt?«.

Der Begrüßung durch die Gastgeber schloss sich dann eine interessante Vorstellungsrunde der ca. 20 Teilnehmenden, unter ihnen wieder Sympathisanten, an. Bevor die lebhaften Gespräche den weiteren Verlauf bestimmten, wurden zur Erinnerung Kakteen verteilt. Der Gedanke, sie zum Symbol der LINKEN zu machen, fand allgemein Zustimmung, nicht nur wegen der Stacheln: Diese Pflanzen brauchen viel Zeit, bis sie zur vollen Blüte gelangen. Was auch für uns exemplarisch sein könnte – ohne bis dahin nicht auch mal zu stechen. Versprochen wurde, sich öfter zusammenzufinden (ein Treffen an der Elbe soll bald folgen). Auch Telefon und Internet sollen verstärkt für den Erfahrungsaustausch genutzt werden. Nach gut zwei Stunden verabschiedeten wir uns von jenen, die am Yachttörn nicht teilnehmen konnten, und bedankten uns bei den Mitarbeitern und Helfern der »Tafel«.

Am anderen Morgen legten wir pünktlich mit der »Perle« ab und passierten um 9 Uhr die Drehbrücke in Malchow mit Kurs zur Müritz. Auch ohne Plenum nutzten die 13 Teilnehmer an Bord von Günters Yacht die Möglichkeit, den Gedankenaustausch vom Vortag fortzusetzen und sich noch besser kennenzulernen. Wie das die Bergedorfer Genossen erlebten, schrieb ihr Fraktionsvorsitzender Stefan Jersch im Internet und ist nebenan zu lesen.

Übrigens, von allen Teilnehmern wurden, wenn auch bescheiden, 65 Euro für die Aktion gesammelt. Wir sind davon überzeugt, das gemeinsame Wochenende war ein Gewinn für alle. Es liegt an uns und den Partnern aus Bremen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und unseren Nachbarkreisen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, es nicht nur bei der Unterstützung von Wahlkämpfen zu belassen. Wir waren seit Anfang an gut beraten, diese auch immer mit Gesprächsrunden zu verbinden. Das Zusammengehörigkeitsgefühl wächst von unten. Parteibildungsbeauftragte können da wenig bewirken, wie es uns Teilnehmer an der »Come together«-Veranstaltung bestätigen. Wir bleiben dran. Einig waren wir uns auch darüber, dass wir die Wahlen in Niedersachsen und zum Bundestag in den Mittelpunkt unseres Zusammenwirkens stellen müssen. Mit unseren Partnern sind wir uns darin einig, nur gemeinsam sind wir stark.

Jürgen Hennig, Mitglied im Kreisvorstand Prignitz (Brandenburg) und Ortsvorsitzender in Perleberg, schrieb den Artikel im Auftrag der Teilnehmenden an der Bootstour.