Disput

Widerstand organisieren

Für eine selbstbewusste LINKE

Von Judith Benda

»Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren« - oft zitiert, aber immer richtig, ist dieses Zitat von Bertolt Brecht Motto meiner politischen Aktivitäten.

Geboren wurde ich 1987 in Berlin-Neukölln, aufgewachsen und sozialisiert bin ich im Berliner Stadtteil Schöneberg und später in Birkenwerder (Brandenburg).

Neben meinem Elternhaus, in dem friedenspolitische Aktivität und gewerkschaftliche Orientierung sowie demokratisch-sozialistische Frauenbewegung stark verankert sind, hat mich meine Schulzeit nachhaltig geprägt und sicherlich auch teilweise den Grundstein meiner heutigen politischen Überzeugung und Ansicht gelegt. Ich habe eine multikulturell geprägte, progressive Ganztagsschule besucht und bin anschließend nach Brandenburg auf eine integrativ-kooperative Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe gewechselt, an der Schüler/innen mit und ohne sonderpädagogischen Bedarf gemeinsam unterrichtet werden. Während meiner gesamten Schullaufbahn war ich in der Schüler/innenvertretung aktiv, und im Berliner »Speckgürtel« wurde die Arbeit in Bündnissen und Projekten gegen Rassismus und rechte Gewalt ein relevanter Teil meines politischen Engagements.

Seit der Entstehung der Partei DIE LINKE bin ich in ihrem Umfeld aktiv - zunächst in der Linksjugend ['solid] NRW, dann insbesondere bei DIE LINKE.SDS, dort zeitweise im Bundesvorstand und derzeit involviert in die Vorbereitungen des Kongresses »Kapitalismus vs. Demokratie«. In der Partei bin ich im Bezirksverband Berlin-Neukölln organisiert.

Mein besonderes Interesse gilt der Bildungs- und der Europapolitik. Mir liegt die Vernetzung europäischer Jugend- und Studierendenstrukturen am Herzen, um gemeinsam gegen die neoliberale Politik der EU Widerstand zu organisieren, Alternativen zu entwickeln und durchzusetzen. Im Rahmen meines »European Studies«-Studiums (MA-Abschluss 2011) habe ich in verschiedenen europäischen Ländern gelebt und mich in die dortigen linken Strukturen eingebracht: Jugendorganisation »ROOD« (SP/Niederlande), Parti de Gauche (PG/Frankreich) und Jugend-Netzwerk »Réseau Jeunes«, UNEF (größte Studentengewerkschaft Frankreichs).

Derzeit arbeite ich im Europäischen Parlament in Brüssel und bin aktiv in der Europäischen Linkspartei.

In der größten Krise des Kapitalismus seit 1929, in einer Zeit, in der europaweit drastische Angriffe auf Demokratie und Sozialstaat stattfinden, ist eine starke Linke notwendiger denn je. Als Antwort auf die neoliberale Politik müssen Solidarität und Widerstand ebenfalls international organisiert werden. Nur mit guter Vernetzung, kontinuierlichem Austausch und gegenseitiger Unterstützung schaffen wir es, Widerstand über nationalstaatliche Grenzen hinweg aufzubauen. Einen Beitrag in diese Richtung konnte ich als Delegierte zum Parteitag der Europäischen Linkspartei 2010 in Paris und bei der Sommeruniversität der Europäischen Linken leisten.

Im Parteivorstand trete ich zudem dafür ein, auf Grundlage unseres Programms eine entschiedene linke Wahlstrategie mit zu entwickeln, die auf ein offensives und eigenständiges Auftreten unserer Partei und eine Orientierung an den Interessen der Mehrheit der Bevölkerung abzielt. Wir müssen die positiven Erfahrungen der Linken in Frankreich, Griechenland oder auch den Niederlanden nutzen. Denn dort ist es gelungen, mit einem klaren sozialen und friedenspolitischen Profil und dezidiert linker Kritik an der EU Millionen von Menschen für die Linke (wieder) zu gewinnen.

Wichtig ist mir außerdem, dass wir DIE LINKE als Mitgliederpartei stärken, also viele neue Mitglieder gewinnen und vor allem halten. Dafür will ich eine aktive und kampagnenfähige LINKE aufbauen: Für uns muss Politik mehr sein als Arbeit in Parlamentsausschüssen, als Fensterreden und Talkshowauftritte. Denn bei dieser Art von Politik können nur wenige mitmachen.

Wir sollten einen Schwerpunkt auf Aktivität in Bündnissen, Gewerkschaften und außerparlamentarischen Initiativen legen und selbst Teil sozialer Bewegungen werden. In der Vorbereitung und Mobilisierung der Blockupy-Proteste und mit Tausenden demonstrierenden GenossInnen in Frankfurt konnten wir zeigen, was für einen wichtigen Beitrag DIE LINKE zum Aufbau und zur Politisierung von Protesten und Bewegungen leisten kann. Diesen Weg sollten wir weitergehen: Wir haben ein gutes antikapitalistisches Parteiprogramm erarbeitet, jetzt müssen wir die Menschen dafür begeistern und gewinnen. Dies kann allerdings nur gelingen, wenn wir uns nicht weiter auseinander dividieren lassen. Ich bin in West-Berlin geboren und im vereinigten Berlin und in Brandenburg aufgewachsen. Die erneut aufkochenden angeblichen Ost-West-Widersprüche finde ich befremdlich, und so geht es vielen in meinem Umfeld. Ich habe auch den Anspruch an den Parteivorstand, sich nach außen zwar pluralistisch, aber eben auch geschlossen zu präsentieren.

DIE LINKE hat schon manches erreicht und noch vieles vor. Ich will in der Partei für mehr Selbstbewusstsein werben und schließe in diesem Sinne mit Oskar Lafontaines Worten: »Wenn ihr in einer Kneipe steht und einer euch anspricht und sagt: Was, du bist bei der LINKEN, dann guckt nicht unter euch auf die Fußspitzen, sondern sagt: Was, du noch nicht? Dann wird es aber Zeit!«

Judith Benda ist (neues) Mitglied des Parteivorstandes. DISPUT bat sie (wie drei weitere »Neulinge« im Juli-Heft), sich kurz vorzustellen und über ihre politischen Schwerpunkte zu berichten.