Disput

Same procedure as every year

Aus dem Haus

Von Matthias Höhn

Da denkt man, man habe sie hinter sich, diese endlosen Jahresrückblicke. Ob nun Jauch mit »Menschen, Bilder, Emotionen« oder Lanz mit »Menschen 2013« oder die Unterformate »Das schönste Haustier 2013« oder wahlweise »Die nervigsten Deutschen 2013« – es ist selten schön, was man aus den vergangenen 365 Tagen wiederholt vorgesetzt bekommt, und in der Regel hatte man es zu Recht bereits vergessen.

Aber – und so ist das Regelwerk – es ist Tradition. Und so will auch ich mich dem Ritual der Rückblende nicht versperren. Letztlich offenbaren sich im Blick zurück auch Chancen, es beim nächsten Mal, in der Zukunft, besser zu machen. Und schlecht war das Jahr 2013 für DIE LINKE keineswegs. Im Fernseh-Sprech: Es gab sogar eine Reihe sehenswerter Momente. Es gab laute und schöne, bunte und fröhliche Momente, aber auch sehr stille.

Ich hatte mir in der Januar-Ausgabe des DISPUT gewünscht, dass es ein Jahr für DIE LINKE wird, und zu den Hoffnungen und Wünschen für 2013 auch eine Menge an Anstrengungen und Arbeit vorausgesagt. Dass jedoch trotz Anstrengungen und eurem Engagement nicht alle Wünsche wahr werden und alle Hoffnungen reifen, mussten wir gleich im Januar bei der Landtagswahl in Niedersachsen erleben. Zu sehr haben uns Streit und Unkultur im Vorjahr geschadet, zu sehr haben wir uns selbst geschadet und mit 3,1 Prozent die Quittung bekommen. Der verpasste Wiedereinzug in den Landtag in Hannover war schmerzhaft – zumal wir dort gute Arbeit geleistet haben. Die Niederlage habe ich jedoch im Nachhinein als Weckruf verstanden, als Weckruf für die Notwendigkeit von Zusammenhalt für ein gemeinsames Ziel.

Was als schlechter Start in das Bundestagswahljahr begann, hat sich spätestens mit dem Dresdner Parteitag im Juni in eine konzentrierte Aufbruchsstimmung in der ganzen Partei gewandelt. Wir können doch, wenn wir wollen! Unser Wahlprogramm, das dank eurer Hilfe so gut wurde, wie es war, und unsere Kampagne, mit der ihr in den Wahlkampf gezogen seid, haben uns den Erfolg gebracht, den wir am 22. September verbuchen konnten. Ich wiederhole mich: 3. Kraft im Land ist nicht nichts.

Dafür von mir das größte DANKE, das ich 2013 zu vergeben habe. Euer Engagement und eure Zuversicht werden gebraucht. Und da, wo es noch hapert, werden wir die 11 Kommunalwahlen im kommenden Jahr nutzen, nutzen müssen. DIE LINKE ist zu Recht stolz auf ihre kommunale Verankerung vor Ort. Sie ist die Herausforderung für uns, Alltag zu bestehen, sie ist die Chance für uns, mit unseren Konzepten in der Lebenswirklichkeit zu punkten und Menschen zu überzeugen, bei uns mitzutun. Im zu Ende gehenden Jahr haben bisher etwa 4.300 neue Mitglieder den Weg zu uns gefunden – das ist erfreulich, und ich wünsche mir und uns, dass sich dieser Trend fortsetzt.

Neben den Landtagswahlen in den östlichen Bundesländern Sachsen, Thüringen und Brandenburg liegt der Schwerpunkt für die gesamte Partei auf der Wahl zum Europaparlament am 25. Mai 2014. Und dabei wird uns ein Mann besonders fehlen, der wie kaum ein anderer ein Europäer aus tiefstem Herzen war. Der Tod von Lothar Bisky war der dunkelste Moment für DIE LINKE im vergangenen Jahr. Seine sanfte Autorität, seine Visionen für ein gerechtes Europa, seine Persönlichkeit und sein Rat – all das fehlt uns.

Schon jetzt zeigt sich, dass der mahnende Wunsch, mehr wie er zu sein, nämlich vermittelnd, menschlich, warm, wie die Erinnerung leider viel zu schnell verblasst.

Wir werden es ohne Lothar schaffen müssen – und wir werden es schaffen. Den Grundstein für unseren Erfolg im Mai legen wir im Februar in Hamburg. Das ist nicht mehr lange hin. Aber von jetzt aus betrachtet ist es erst im nächsten Jahr.

Und nun, auch das ist Tradition, der Wunsch für alle Leserinnen und Leser, ein schönes, ruhiges und friedliches Weihnachtsfest zu verleben, die Tage »zwischen den Jahren« zu nutzen, um im Kreis der Lieben und der Familie Kraft zu tanken für das kommende Jahr. Es wird anstrengend, aber es kann auch schön werden. Alles Gute für 2014!