Disput

Eine echte Wahl

Sabine Boeddinghaus - direkt in Hamburg

Sie sind Gesichter der LINKEN im Wahlkampf: die Kandidatinnen und Kandidaten. Warum sie politisch aktiv sind, wofür sie stehen, wogegen sie anrennen, wobei sie mithelfen, wozu sie andere ermutigen wollen – DISPUT möchte es wissen und wird auch in diesem wichtigen Wahljahr Kandidatinnen und Kandidaten vorstellen. Nicht allein die Promis. Ebenso diejenigen, die, weniger bekannt, mit ähnlichem Einsatz und zünftigen Ideen Politik machen. Und Wahlkampf. Heute: Sabine Boeddinghaus

Mit der Einschulung meines ältesten Sohnes vor 26 Jahren begann ich, mich außerparlamentarisch in der Schulpolitik zu engagieren: in der Elterninitiative für die Einführung der Integrationsklassen, mit der Gründung eines Elternstammtisches, der Eltern aller Schulformen ein Forum bot, gemeinsam Perspektiven und Handlungsoptionen für eine gute Schule zu entwickeln, als Elternratsvorsitzende in der Grund- und Gesamtschule meiner Kinder (alle fünf gingen erst in eine integrative Grundschule, dann zu einer Gesamtschule) und im Vorstand des Hamburger Elternvereins, der regelmäßig zu öffentlichkeitswirksamen Debattenrunden über aktuelle bildungspolitische Fragen einlud.

Später trat ich der SPD bei. Ich hatte die Hoffnung, dort innerparteilich an der Überwindung des sozial ungerechten Bildungssystems mitarbeiten zu können. Aber weit gefehlt, ich musste schmerzhaft die Erfahrung machen, dass die SPD spitze ist im Formulieren von Fernzielen, doch gegen die konkrete »Gefahr« einer möglich werdenden Umsetzung dieser Fernziele (hier: Eine Schule für Alle) mit allen Mitteln zu Felde zieht.

Als Bürgerschaftsabgeordnete (2004-2008) war ich Gründungsmitglied der Volksinitiative »Eine Schule für Alle« und damit endgültig bei den SPD-Funktionären in Ungnade gefallen.

Wie schwer der Weg hin zu einer Schule für alle, aber auch wie richtig er ist, zeigte der »Schulkampf« in Hamburg, der in Wahrheit ein Kulturkampf war und endgültig ausbrach, als Schwarz-Grün die sechsjährige Primarschule einführen wollte und die Elterninitiative »Wir wollen lernen« dagegen vorging. Die selbsternannte Elite kämpfte und kämpft mit allen Mitteln für den Erhalt eines hierarchisch gegliederten Schulwesens, gegen die Öffnung ihres heilig gesprochenen Gymnasiums für die Kinder aus »unteren Schichten« nach dem Motto: »Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!«

Die Folgen eines Schulsystems, das nach wie vor die Herkunft zum Gradmesser für Bildungsteilhabe macht, sind ebenfalls in anderen Politikfeldern abzulesen, zum Beispiel bei der Jugendkriminalität, der hohen Jugendarbeitslosigkeit und der fortschreitenden Segregation (Absonderung) migrantischer Gruppen.

Meine Erwartung an linke Politik ist, jedwede politische Entscheidung – ob in der Arbeitsmarkt-, der Stadtentwicklungs-, der Gesundheits-, Sozial-, Kultur- oder in der Bildungspolitik – immer durch die Brille der sozialen Gerechtigkeit zu prüfen: Gibt es genügend bezahlbare Wohnungen? Gibt es lebenswerte und behindertengerechte Quartiere? Gibt es ausreichende Arbeitsplätze mit auskömmlichem Lohn, um den Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen? Gibt es eine bezahlbare und gerechte Gesundheits- und Altersversorgung bzw. – vorsorge? Gibt es gebührenfreie Kita-Plätze für alle Familien, die das wünschen? Und natürlich: Gibt es eine demokratische und verlässliche Schule für alle?

Zurzeit bin ich Abgeordnete in einer dreiköpfigen Fraktion in der Harburger Bezirksversammlung. Wir erleben hautnah – und das ist das Spannende an bezirklicher Arbeit – die unmittelbaren Auswirkungen der Schuldenbremse, die jegliche Weiterentwicklung bremst, sei es bei der dringend notwendigen personellen wie materiellen Ausstattung der Jugendhilfeeinrichtungen und des örtlichen Jugendamtes, bei der Sanierung von Spielplätzen, bei der Schaffung öffentlich geförderten Wohnungsbaus, bei soziokulturellen Angeboten in der Region, bei Stadtentwicklungsprojekten für alle Menschen in ihrem Wohnumfeld oder beim Angebot der Dienstleistungen bei der bezirklichen Verwaltung.

DIE LINKE ist die einzige Partei, die die richtigen Fragen stellt, die in vielen Themenbereichen auch schon sinnvolle und intelligente Konzepte anbietet und das System der neolibaralen Ökonomisierung unseres Gemeinwesens grundsätzlich in Frage stellt. Die gegen Privatisierung eintritt und für einen starken Staat, der die volle Verantwortung für seine Bürgerinnen und Bürger übernimmt. Ich möchte mit meiner Kandidatur in einem solidarischen Prozess mithelfen, den Menschen näher zu bringen, dass sie mit der LINKEN eine echte Wahl haben!

Mitglieder aus den Bezirken Harburg und Bergedorf sowie aus dem Stadtteil Wilhelmsburg wählten Sabine Boeddinghaus mit 94,7 Prozent der Stimmen zu ihrer Direktkandidatin für die Bundestagswahl am 22. September. Die Bildungsexpertin ist seit 2010 Mitglied in der LINKEN.