Disput

In gelassener Selbstdisziplin

Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen sich gemeinsam an einen Tisch setzen

Von Ralf Frick

Ich bin seit Kurzem in der Partei DIE LINKE. Ich stamme aus einer schwäbisch-katholischen Arbeiter- und Bauernfamilie. Schon als Christdemokrat war mir das soziale Wohl meiner Mitmenschen wichtig. Angefangen bei der Jungen Union in Stuttgart-Cannstadt als Beisitzer und Schriftführer, später als Mitglied im Kreisvorstand der CDA (Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft) Ostalb galt ich bei der CDU schnell als »Herz-Jesu-Marxist«. Bei der Schüler Union machte ich Wahlkampf für Günther H. Oettinger.

Ich habe mich mit Karl Marx und mit dem Rerum Novarum (gilt als »Mutter aller Sozialenzykliken, veröffentlicht 1891 - d. Red.) der katholischen Kirche im 19. Jahrhundert sowie mit dem Kulturkampf unter Bismarck (Auseinandersetzungen mit dem preußischen Königsreich bzw. dem Deutschen Kaiserreich - d. Red.) stark auseinandergesetzt.

Bereits in jungen Jahren durfte ich die Probleme von Krankheit und Arbeitslosigkeit erleben, vor allem als Mitglied der IG Metall während der Weltwirtschaftskrise 2009.

In meiner christlich-diakonischen Fürsorge für alte, kranke und behinderte Menschen habe ich viel Leid bei meinen Mitmenschen erlebt.

Wenn der Mensch zur Freiheit und Selbstverantwortung erzogen wird, kann er sich gemäß seinen natürlichen Neigungen, Bedürfnissen und Veranlagungen oder Talenten optimal entfalten, eine tragende Stütze der Gesellschaft werden und ein glückliches und harmonisches Leben führen im freundlichen Miteinander mit seinem Nächsten, in gegenseitiger Toleranz, Respekt und Nächstenliebe.

Der Mensch soll human gegenüber sich selbst und seiner Umwelt agieren und ihr in gelassener Selbstdisziplin so begegnen, wie er selbst behandelt werden möchte.

Sozialismus bringt den Arbeitnehmer dazu, neidisch auf den Wohlstand der Unternehmer zu blicken und eine Kampfstellung oder Verteidigungspose innerlich und auch äußerlich einzunehmen. Das entfremdet Unternehmer und Arbeitnehmer und entzweit sie. Es führt zu einer ideologisch-politischen Rangelei auf großer Ebene und gefährdet den inneren Frieden. Demonstrationen und Aufmärsche, Hetzkampagnen, Streiks und soziale Unruhen gefährden die innere Sicherheit in Deutschland. Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen sich gemeinsam an einen Tisch setzen. Kapitalismus ist wünschenswert, um Wohlstand zu ermöglichen und um ein angenehmes Leben führen zu können. Übermäßiger Reichtum ist nicht nötig, genauso wie bitterste Armut. Der Arbeitnehmer soll durch engagiertes Schaffen am Profit des Unternehmens teilhaben. Konservative Werte mit liberalem Lebensgefühl müssen mit christlich-sozialem Denken verbunden werden.

Ralf Frick, Jahrgang 1979, lebt in Schwäbisch Gmünd und ist als Alltagsbetreuer bei der Diakonie Stetten in Lorch-Waldhausen (Baden-Württemberg) tätig.