Disput

Die Kraft der Tomate

Wahlkampf in Niedersachsen - und viele helfen

Von Stefan Richter

Henk van der Wal, 60, fährt gern Auto, auch für gute Freunde. Nicht irgendwo und irgendwann, sondern dann, wenn er wirklich helfen kann. Und das ist in diesen Tagen in Niedersachsen.

Henk ist seit vielen, vielen Jahren Mitglied der niederländischen Sozialistischen Partei (SP). Ihr Symbol, im DISPUT mehrfach beschrieben: die rote Tomate. In Wahlkämpfen, wenn es darum geht, mit Wählerinnen und Wählern unkompliziert ein Gespräch zu beginnen und Informationen mitzugeben, wird je nach Jahreszeit Tomateneis oder Tomatensuppe spendiert. Das kommt an, weswegen die niedersächsische LINKE um Tomatenhilfe bat.

Am 9. Januar, gegen 11, macht Henk erstmals halt im Wahlkampf. In Osnabrücks Zentrum stoppt er seinen Kleintransporter, er richtet die Wände des Anhängers, der entfernt an eine Tomate erinnert, auf, wirft den Kocher an und füllt Töpfe mit der Suppe. Das Wetter ist grässlich, der Andrang bleibt übersichtlich, eine Suppe ist kein Zaubertrank.

Am nächsten Tag, nun in Hannover, direkt vor dem Bahnhof: ähnliches Wetter, gleiches Prozedere, einige Helferinnen und Helfer mehr. Gabi Lenkenhoff ist aus NRW gekommen. Am Vortag steckte sie Material in Peine (und verlief sich), jetzt greift sie sich ein Tablett mit einigen Bechern Suppe und geht auf ein paar junge Leute zu: Wie wär's mit etwas Heißem? – Ja. Warum nicht? Bei anderen bleibt der Erfolg aus. Ähnliche Erfahrungen macht Patrick Wahl, die Kapuze übergezogen und unermüdlich trotz des Schmuddelwetters. Harald Pätzolt mosert ein wenig über den Regen, wieder und wieder sind die Infoblätter durchnässt, das kommt nicht gut an. Manche gehen schnurstracks vorüber, ein Erstwähler kommt wegen Materials extra nochmal zurück, ein anderer Passant verkündet, er habe sich schon vor Längerem entschieden: für die Zeugen Jehovas.

Henk reißt die nächste Tüte auf. Ab in den Topf, ab aufs Feuer. In Kürze verstärken Promis die Aktion. Da muss für Nachschlag gesorgt sein. Fernsehen, Rundfunk, Fotografen drängen sich um Tomaten-»Küche« und »Servierkräfte«. Gysi ist da, ein großer Pulk erfährt den Hintersinn des Ganzen: Warme Suppe als Zeichen gegen soziale Kälte. Als Hinweis auch auf die Verantwortung von CDU, FDP, SPD wie Grünen für die Hartz-Gesetze, die Ausweitung des Niedriglohnsektors und Steuergeschenke für Banken, Großunternehmen und Reiche.

Die LINKE-Spitzenkandidaten Manfred Sohn und Ursula Weisser-Roelle sind dabei, ebenso Katja Kipping und Sahra Wagenknecht. Hier ein Foto, da ein kurzer Kommentar: Wir kämpfen um den Wiedereinzug in den Landtag bis zum 20. Januar. Wer anderes als DIE LINKE könne SPD und Grüne dazu zwingen, ihre Wahlversprechen wirklich umzusetzen?

Bald darauf ziehen die Promis weiter: Fraktionsklausur, andere Termine. Felicitas Weck füllt ihr leeres Tablett, Patrick besorgt Nachschub, Gabi will sich rasch wärmere Einlegesohlen kaufen …

Am folgenden Tag steht das Tomatenmobil in Goslar, darauf im Harz … Die letzten Stationen werden am 19. Januar Wolfenbüttel (vormittags) und Schladen sein. Und Henk, der fahrende, kochende Helfer aus Eindhoven, versichert: »Wir machen es gerne. Viel Erfolg euch!«