Disput

Vor-Gelesen

DISPUT bittet zu jeder Ausgabe eine Leserin bzw. einen Leser um eine kurze Vor-Lesung des aktuellen Heftes - heute: Gert Gampe

In einer Medienwelt, die von Quoten getrieben und von der Angst beherrscht wird, langweilig zu sein, was kann da ein politisches Magazin leisten? Kann es so eine Art Don Quichotte im Kampf gegen Internet und »soziale Netzwerke« sein? Der Redakteur grübelt monatlich, seit Jahren über spannende Themen, the same procedure every year, allein auf sich gestellt. Halten die »Zulieferer«, meist Autorinnen und Autoren mit Parteibuch, den Termin und die vorgegebene Zeichenzahl und bringen Qualität in die Beiträge? Halten wir fest, Don Quichotte ist uns sympathisch, reicht aber nicht mehr aus. Neues Jahr, neues Glück. Mut zu Veränderungen, so hat es Angela nicht gesagt. Wir wollen es aber und unser Redakteur, der Gestalter auch.

Die Überraschung scheint gelungen. DISPUT 2013 kommt frisch, farbig und inhaltlich erneuert daher. Kultur steht der Partei gut. DISPUT ist schon immer ein kulturelles Projekt gewesen, nicht nur wegen der vielen kulturpolitischen Themen in jedem Heft, so in dieser Ausgabe über den Dirigenten Busch und die Nazis. Und über den großen Oscar Niemeyer. Über Gysi können wir wieder viel erfahren, seine Zeitnot, Lampenfieber und Leidenschaft. Den unbegreiflichen NSU-Aufklärungssumpf lüftet Petra Pau. Für einen menschlichen Kapitalismus spricht sich das Neumitglied Ralf Frick aus Schwäbisch Gmünd aus. Damit ist die Debatte wohl eröffnet. Neue »Fenster« werden geöffnet, neben dem Editorial, Sprachglosse, »Einfach Politik« – Politiksprache übersetzen, kommt die Karikatur wieder, schön. Und ganz aktuell, fast wie eine Tageszeitung, kommen Bilder vom Jahresauftakt der Europäischen Linken und der Linkspartei vom 13. Januar aus der Berliner Volksbühne.

Mit diesem Heft in der Hand glaube ich an die Zukunft des gedruckten Wortes trotz Internet und sonstiger virtueller Welten. Was ich mir wünsche: vielleicht etwas Humor und Fröhlichkeit. Ach ja, und fröhlich stimmt die steigende Abonnentenzahl.

Gert Gampe ist Kulturarbeiter.