Disput

Kultur

Eine Umfrage

Wie wichtig ist dir Kultur im Alltag? Was ist für dich linke Kultur? Welches Buch hast du zuletzt gelesen, welches Theaterstück gesehen?

Birgit Huonker, Journalistin, Landesvorstandsmitglied Saarland: Kultur gehört zu meinem Leben wie essen und trinken und schlafen. Kultur sind für mich: Visionen, Farben, Musik – wo man eintauchen kann. Ohne Kultur hat man keine gesunde Psyche. Dafür sorgt bei mir vor allem die Musik. Wenn ich an die Bombastik bei den »Vier Jahreszeiten« von Vivaldi denke oder wie tief die Gefühle bei Opernmusik, beispielsweise bei »La Traviata« (Verdi), sind. Wenn man eintaucht in Wagners Musik – wo ich früher dachte, fünf Stunden, das ist viel zu lange –, wo du dann so in einen Rausch verfällst, wo du denkst: Was, die fünf Stunden sind schon zu Ende?! Manche Wagner’sche Musik ist für mich wie ein Orgasmus für die Ohren.

Patrick Humke, Diplom-Sozialarbeiter/-pädagoge, Ratsherr in Göttingen (Niedersachsen): Ohne Kultur im Alltag fehlt was. Ich freue mich immer auf ein schönes Buch, auf Theater, Kino, Konzerte oder kurz gesagt auf die Möglichkeit, Perspektivwechsel vornehmen zu können. Am liebsten genieße ich Kultur mit meiner Freundin und meinen besten Freunden – insofern spielt die Kultur eine sehr große Rolle für mich. Linke Kultur ist für mich die Möglichkeit, sowohl Kultur im weitesten Sinne zu konsumieren als auch mich selbst daran zu beteiligen und auszuprobieren. Sie ist des Weiteren nicht auf die sogenannte bürgerliche Hochkultur zu reduzieren, sondern es gibt für Linke auch eine alternative Soziokultur, die es besonders zu fördern gilt. Darüber hinaus ist linke Kultur eine Form des Umgangs miteinander, indem man die anderen achtet, respektiert und wertschätzt. Alles in allem gibt es hier noch viel in unserer Partei zu tun! Mein letztes Buch: Aliza Olmerts »Ein Stück vom Meer«, ein Kindheitsroman und die Geschichte einer/ihrer Familie nach der Gründung des Staates Israel. Vor etwa drei Monaten war ich im Jungen Theater Göttingen: bei Wolfgang Herrndorfs »Tschick«.

Anita Tack, Landesministerin in Brandenburg: Kultur ist mir ein Bedürfnis, weil man den Ausgleich braucht. Ich stamme aus Dresden, und wir sind in der Vorschul- und Schulzeit mit Kultur und Kunst großgeworden. Mit allen Facetten: mit Kunstausstellungen, Theaterbesuchen, Konzerten, Büchern usw. Heute gehe ich gern ins Potsdamer Theater oder ins Berliner Ensemble. Und ich lese Bücher – und zwar richtige, nicht die E-Books. Wir kaufen immer mehr, als ich überhaupt lesen kann. Im Urlaub lesen wir immer vor, das ist sehr schön. Ich habe eine Tochter, die ihre Dissertation zur Auftragskunst in der DDR schreibt. Es ist gut, daran zu erinnern, was es gab und was Bestand hat. In der nächsten Woche besuchen wir die Willi-Sitte-Galerie in Merseburg, zum dritten oder vierten Mal. Leider ist der Maler unlängst verstorben, aber er hat eine gute Hinterlassenschaft und eine schöne Galerie, das ist wunderbar. So was brauche ich zwingend, sonst kann man sich gar nicht reproduzieren.

Verena Meiwald, sächsische Landtagsabgeordnete: Als treue »mdr-Figaro«-Hörerin ist Kultur für mich Alltag. Ebenso wie für mich als bekennender Dynamo-Fan der Besuch der Heimspiele in Dresden. Zu linker Kultur gehören unter anderem kritisches, politisches Kabarett und die Jiddische Woche. Und der kulturvolle Umgang miteinander bei uns LINKEN! Zuletzt las ich von Dieter Moor »Lieber einmal mehr, als mehrmals weniger« und von René Goscinny »Der kleine Nick ist wieder da!«. Seit 18 Jahren besuche ich die Störtebeker Festspiele auf der Insel Rügen, im März war ich im Tom-Pauls-Theater Pirna: Thomas Bille liest »Der Kleine Nick«.

Janneh Magdo, Bildungsreferentin, Bezirksverband Berlin-Lichtenberg: Für mich ist Kultur »links«, wenn sie gesellschaftliche Missstände aufgreift, thematisiert und künstlerisch zuspitzt. Ich achte darauf, regelmäßig Kulturveranstaltungen zu besuchen, zu lesen bzw. einen guten Film zu schauen. Zuletzt habe ich »Das Lied von Eis und Feuer: Die Herren von Winterfell« (George R. R. Martin) gelesen. Im vorigen Jahr war ich im Freilufttheater Kamp-Lintfort: »Michael Kohlhaas«, eine Tragikomödie frei nach Heinrich von Kleist.

Ates Gürpinar, Pressesprecher des Landesverbandes Bayern: Linke Kultur ist für mich das Zeichen einer kritischen und reflektierenden Gesellschaft. Vor Kurzem las ich Dieter Nolls »Werner Holt: Geschichte einer Jugend« – unfassbar toll, jeder sollte das lesen. Mein letzter Theaterbesuch war im Juni, ein selbst geschriebenes Stück von Studierenden.

Umfrage: Tanja Behrend, Antje Kind, Stefan Richter