Disput

Das Dröhnen der Drohnen

Satire

Von Jens Jansen

Eigentlich sollen sie fast lautlos sein, die Drohnen: kleiner als Kampfflugzeuge, leiser als Späh-Panzer, billiger als U-Boote. Sie schleichen sich unbemerkt an den Feind heran, erkunden Stärke und Stationierung, filmen oder feuern, wenn ausgewählte Ziele winken. Und das alles unbemannt, ferngesteuert, mit chirurgischer Präzision. Sicherer und sympathischer können Aggressionsakte nicht sein!

Warum nun das Gedröhn um die Drohnen in Deutschland? Na, weil die Dinger in unserem Luftraum gar keine Starterlaubnis kriegen. Weil die Amis Schrott geliefert haben. Weil aber bereits eine halbe Milliarde dafür ausgegeben wurde.

Weil der zuständige Minister das Parlament getäuscht hat. Weil er nun seine Untergebenen dafür bluten lässt. Weil ein Untersuchungsausschuss den Skandal durchleuchten muss. Weil das unseren obersten Befehlshaber degradieren kann. Und das mitten im Wahlkampf!

Nun sagen die Schwarz-Gelben: Das Projekt Drohne wurde von den Rot-Grünen auf die Startbahn geschoben. Die antworten, dass die Macken und Preise dieser »Wunderwaffen« damals noch nicht zu ahnen waren. Dann sagt der Minister, dass er von gewissen Problemen gehört habe, dass er aber diese Probleme für lösbar gehalten und daher nicht an die große Glocke gehangen habe. Und dann streiten die Ausschuss-Mitglieder mit den Befürwortern der Ausschuss-Waffen, wer wann was gewusst haben müsste.

Das ist aber alles nicht die Kernfrage. Die lautet: Warum sind sich CDU, CSU, FDP, SPD und Grüne im deutschen Parlament einig, dass alle derzeitigen Kriegsschauplätze nützliche Übungsgelände für unsere Soldaten und Waffen sind? Verträgt das deutsche Gemüt wirklich keinen dauerhaften Frieden? Reicht der Brunnenbau als Feigenblatt, oder geht es immer wieder um den Stuhlgang der Börse? Wirkliche »Schiedsrichter« kommen mit Blauhelm!

Unsere Urgroßväter glaubten im Ersten Weltkrieg an die Beobachtungsballons als »Wunderwaffe« und haben den Krieg verloren. Unsere Großväter glaubten im Zweiten Weltkrieg an die unbemannten Wunderwaffen V 1 und V 2 und haben den Krieg verloren. Unsere Väter staunten, wie mitten im Kalten Krieg das US- Aufklärungsflugzeug U-2 tief in die Sowjetunion eindrang. Aber sie staunten noch mehr, wie es dort mit einer Abfangrakete vom Himmel geholt wurde.

In Potsdam hatten die alliierten Siegermächte die komplette Abschaffung der deutschen Truppen und Rüstungsindustrie befohlen. Doch dann kamen aus Brüssel vom NATO-Stab neue Befehle für den alten Kreuzzug gegen die »rote Gefahr«. Heute kämpft die Bundeswehr auf sechs Kriegsschauplätzen mit und unsere Waffenschmieden haben Platz drei im weltweiten Export. »Maul halten, das sichert Arbeitsplätze!« Aber nur, wenn man jung genug oder dumm genug ist, die Lehren und Leichen vergangener Kriege zu vergessen.

Unsere Honigbienen leben in gut organisierten Staaten. Da sind unter 50.000.

weiblichen Arbeitsbienen etwa 100 männliche Drohnen, die nur die Königin zu befruchten haben. Die Arbeiterinnen bauen die Waben, füttern die Brut, verteidigen den Stock und töten im Herbst die faulen Drohnen. Da kann man was lernen!

Ob der Ausschuss des Bundestages die »Ausschuss-Drohnen« töten wird, ist vorerst ungewiss. Wir haben doch fähige Forscher und Ingenieure im Rüstungsbereich, die das Ding hinbiegen können. Keiner wird sich mehr darüber freuen als der »Minister zur Befriedung fremder Länder«. Denn egal, in welchen »Schurkenstaat« die todbringenden Drohnen dann fliegen, es werden keine Särge mit Flagge und Helm von dort zurückkommen, vor denen sich der Minister verbeugen müsste. Also: Ran an den Computer und auf in den Kampf! Bei den meisten Ballerspielen hat man ja drei Leben. Aber nur dort!