Disput

Roter Teppich für Toleranz

Es gibt viele Punkte, bei denen wir uns einmischen müssen

Von Thomas Edtmaier

Es war im Kommunalwahlkampf 2009, als ich gefragt wurde, ob ich als Parteiloser, aber aktives Mitglied der antifaschistisch engagierten Bevölkerung, auf der Liste der LINKEN kandidieren würde. Zuerst erbat ich mir ein wenig Bedenkzeit, doch schließlich entschied ich mich, lange Zeit nach meinem SPD-Parteiaustritt, wieder zu einer Parteimitgliedschaft. Ich hatte mir die Versammlungen angeschaut, bin zu Sitzungen gegangen und konnte gleich mitarbeiten.

Nach den Kommunalwahlen bin ich in DIE LINKE eingetreten. Ich engagierte mich dann im Orts- und Kreisverband. Jetzt bin ich ehrenamtlicher Kreisgeschäftsführer. Im Oktober letzten Jahres nominierten mich die Genossinnen und Genossen als ihren Bundestagskandidaten für den Landkreis Göppingen.

In meiner Bewerberrede für die Landesliste habe auch ich mir für die Zukunft natürlich Schwerpunkte gesetzt. Ich möchte mich besonders in der Gesundheits- und Energiepolitik einbringen. Gesundheit und Energie sind für mich Grundbedürfnisse, die der Staat zu gewährleisten hat. Meine Stärken sind meine Ausdauer, mein Organisationstalent und meine Freundlichkeit.

Es gibt aber leider noch immer einige Dinge, die mich aus der Haut fahren lassen. So sind es zum Beispiel die »Klein-Kriege«, die uns das Leben innerhalb unserer Partei schwer machen. Wir alle sind ganz unterschiedliche Menschen, mit Vor- und Nachteilen und die Vorteile dabei sollten wir nutzen. Es gibt viele Punkte, bei denen wir uns einmischen müssen. Dort gilt es dann auch, unsere ganze Kraft einzusetzen. Wenn wir wieder zu einem respektvollen Umgang miteinander kommen, erreichen wir auch unsere Wählerinnen und Wähler. Das sollte unser Ziel sein. Mahatma Gandhi sagte einmal: »Wir müssen die Änderung sein, die wir in der Welt sehen wollen!«

Mein Herz schlägt nach wie vor für die antifaschistische Bewegung. So hat das Bündnis »Kreis Göppingen - nazifrei« am 2. März 2013 einen Infostand auf dem Marktplatz in Göppingen organisiert. Er war sehr gut besucht und die Bürgerinnen und Bürger verewigten sich gerne auf unserem »Roten Teppich für Toleranz«.

Nachdem eine Gruppe, die Nazi-Aufkleber entfernen wollte, verfolgt wurde, kam sie wieder zum Stand zurück. Die Rechten ließen dann nicht mehr lange auf sich warten. Ein Aktionspartner und ich hielten ihnen eine »GEGEN NAZIS«-Fahne entgegen. Dann kamen sie auf uns zu und versuchten, uns die Fahne mit Gewalt zu entreißen. Bei meiner Intervention wurde ich gezielt angegriffen und zu Boden gestoßen. Die Aktion hat zwar Schmerzen durch Prellungen und Schürfwunden verursacht, aber meine Einstellung und auch mein Engagement haben sich dadurch nur noch verstärkt. Kein Fußbreit den Nazis!

Politik ist jedoch nicht alles in meinem Leben. Ich bin verheiratet und habe einen neunjährigen Sohn. In meiner, mit den Jahren immer knapper werdenden Freizeit, unterstütze ich ein soziales Schulprojekt in Gambia. Zur Zeit bauen wir mit Spendengeldern schon die dritte Schule in einem kleinen gambischen Dorf. Wir haben außerdem für über 170 Kinder eine Schulkosten-Patenschaft organisiert, um ihnen den Schulbesuch erst zu ermöglichen. Die Spenden von Unterstützern und Schulpaten gehen zu 100 Prozent an die dort lebenden Kinder bzw. Schulen.

Außerdem habe ich noch ein heutzutage beinah exotisches Hobby: Ich sammle Briefmarken. Das ist für mich pure Entspannung, die ich zum Ausgleich nach meiner Arbeit brauche, damit ich mal wieder runter komme.

Thomas Edtmaier wurde in Baden-Württemberg zum Direktkandidaten für die Bundestagswahl gewählt.