Disput

Bauchschmerzen

Das Kleine Blabla

Eine leckere Dose Ölsardinen zum Frühstück, das Radio läuft und ich höre: »… die Entscheidung bereite ihm Bauchschmerzen, so der Politiker.«

Ha, denke ich, da musste wohl wieder jemand Kröten schlucken - im Ganzen und lebendig. Mein Blick ruht etwas fischig auf den Sardinen, und mit einigem Grummeln im Wanst denke ich daran, wie formschön doch früher formuliert wurde, als noch immer alles in ein Sprachbild gequetscht werden musste.

»Hier stehe ich und kann nicht anders!«, sagte der Oberreformer Luther einst und vertrat aufrecht seinen Standpunkt. Oder Jeanne d'Arc, sie blieb tapfer, bis die Kutte brannte. So geht Haltung: Das ist meine Meinung, dabei bleibe ich bei Strafe meines Untergangs. Und heute: Ja gut - ich habe eine Meinung. Ich steh immer dort, wo die Kameras sind oder die Scheinchen winken. Da werden unliebsame Kompromisse mitgetragen, und die daraus folgende gastritische Unpässlichkeit wird nach einem Blick in die Apotheken-Umschau mit »Imodium akut«, einer Flasche Rotwein und dem Satz: »Die Entscheidung bereitet mir Bauchschmerzen!« behandelt. Garantiert ist schlechtes Gewissen (darum handelt es sich nämlich) danach wieder gut.

Stehen also Entscheidungen an - die Schließung eines Kindergartens oder die Eröffnung einer innerstädtischen Klärgrube zum Beispiel -, geht der Entscheider gern den Weg des geringsten Widerstandes, läuft Geld und Massenmeinung nach. Und weiß sich dann mit selbstberuhigenden Bauchschmerzen aus der Affäre zu ziehen. Wenn schon kein Rückgrat, wenn schon kein Herz - dann wenigstens Bauchschmerzen.

Wer sich hingegen treu bleibt - anders gesagt: Arsch in der Hose hat! -, darf sich zur Belohnung ein Loch in den Bauch freuen. Guten Appetit!

Daniel Bartsch