Disput

Coole Oma. Mit Ferrari?

Wie sich Graziella, Dilsa und andere ihre Welt wünschen. Eine kleine DISPUT-Umfrage am Girls' Day

Von Antje Kind

»Es bedarf einer Politik, die Kinder und Jugendliche als eigenständige Bevölkerungsgruppe mit eigenen Rechten und eigenem Anspruch auf Teilhabe an den gesellschaftlichen Ressourcen behandelt. Die Rechte der Kinder sollen gesondert ins Grundgesetz aufgenommen werden.« (Leitantrag der Partei DIE LINKE zum Wahlprogramm)

Dieser Abschnitt steht in unserem Leitantrag zum Wahlprogramm, das auf dem Parteitag im Juni beschlossen werden soll und mit dem wir dann auf der Straße um Wählerstimmen werben. Wie aber soll eine solche Politik aussehen? Was sehen eigentlich Kinder als dringliche Probleme an? Vielleicht sollten wir mehr mit Kindern reden als nur über sie und sollten ihre Bedürfnisse, Wünsche und Träume erfahren und darauf reagieren.

Am 25. April war Girls' Day, der Mädchenzukunftstag, und wieder hatten zahlreiche Geschäftsstellen und Fraktionen der Partei einen erlebnisreichen Tag auf die Beine gestellt. Auch in der Bundesgeschäftsstelle der LINKEN in Berlin, wo 19 junge Berlinerinnen ins Karl-Liebknecht-Haus kamen. DISPUT nahm diesen Tag zum Anlass, sich in der Mai-Ausgabe »kompakt« dem Thema Kinder zu widmen und einmal bei einigen Mädchen nachzuhaken, was ihnen wichtig ist und wie sie sich ihre Zukunft vorstellen.

DISPUT fragte die Mädchen, warum sie beim Girls' Day mitmachen, was sie später einmal werden wollen, was sie tun würden, wenn sie die Welt verändern könnten, und wie sie sich selbst im Alter, sagen wir mit sechzig, sehen – eine wirklich knifflige Frage für alle Befragten, wo doch für sie schon über dreißig unvorstellbar alt ist.

Graziella (12) hat Spaß daran, über Politik zu reden. Sie möchte gern Naturwissenschaftlerin werden, armen Leuten helfen und ist für ein Kriegsverbot. Mit sechzig, vermutet sie, habe sie »eine Villa, einen Ferrari oder eine normale Wohnung ohne Probleme.«

Dilsa (13) hat es einfach interessiert, mal bei der LINKEN reinzuschnuppern. Sie möchte Erzieherin werden, würde eine Vier-Tage-Woche für Schüler einführen und hat im Alter »ein Haus, eine Katze und Tee.«

Wiebke (17) ist politisch links orientiert und deshalb beim Girls' Day bei der LINKEN, möchte die Partei kennenlernen und denkt über eine Mitgliedschaft nach. Später möchte sie entweder Juristin oder Informatikerin werden. Wenn sie die Welt verändern könnte, würde sie »den Atomstrom abschaffen, die Klassengesellschaft auflösen, jeder muss von seiner Arbeit ohne Hilfe des Staates leben können.« Mit sechzig lebt sie in einem skandinavischen Land, hatte ein erfülltes Berufsleben voller Anerkennung und ist bereits im Ruhestand.

Nina (12) diskutiert gern und möchte Modedesignerin werden. Sie würde Gewalt abschaffen und mehr Bäume pflanzen und wird einmal eine »sehr nette alte Dame, die richtig cool ist, die sich für die Welt einsetzt.«

Auch Mathilda (13) wird mal eine »richtig coole Oma, die sich für die Welt einsetzt«. Sie kam am Girls' Day ins Karl-Liebknecht-Haus, weil ihre Mutter sagte, dass es bestimmt total cool bei uns sei. Sie möchte Designerin oder Polizistin werden. Atomkraft würde sie abschaffen und einen autofreien Sonntag und die Frauenquote einführen. Außerdem gäbe es »auf der ganzen Welt nur einmal in der Woche Fleisch zu kaufen!!!«

Josephine (13) möchte Politikerin werden, mehr Krankenhäuser bauen und sich für weniger Gewalt einsetzen. Mit sechzig möchte sie Politikerin und eigentlich noch »genauso sein wie jetzt (nur älter).«

Sanem (13) wollte generell gern etwas über Politik lernen und später Diplomatin werden. Sie würde Weltfrieden, Gleichberechtigung und Freiheit herstellen, wenn sie die Welt verändern könnte. Im Alter von sechzig möchte sie auf ein erfülltes Berufsleben zurückblicken, in dem sie vielen Menschen Gutes tun konnte.

Das einstimmige Fazit dieses »Girls' Day« 2013 war, dass uns überhaupt nicht »zukunftsbange« zu sein braucht bei diesen ausgesprochen politikinteressierten und taffen Mädels. Frieden, Umweltschutz und Gleichberechtigung sind ihnen offenbar genauso wichtige Themen wie soziale Gerechtigkeit und Mitbestimmung. Sie haben in sehr respektvoller Art und Weise – man möchte sagen: erwachsen – diskutiert und dabei auch andere Meinungen angehört und ausgehalten. Von Beginn an haben sie selbstbewusst ihre Ansichten vertreten und sich offen für Argumente gezeigt.

Ja, wir sollten unbedingt mehr auf die nächste Generation hören, anstatt nur über sie hinweg zu entscheiden!