Disput

Kampfgeist in der Sporthalle

Enormer Andrang bei der saarländischen Kandidatennominierung am 5. Mai

Mit diesem Andrang hatte kaum jemand gerechnet: Exakt 196 Genossinnen und 366 Genossen kamen am sonnigen Nachmittag des ersten Maisonntages in die Halle des Alt-Saarbrücker Turn- und Sportvereins. Auf dem Programm: die Wahl der saarländischen Landesliste für die Bundestagswahl. Was wegen des enormen Zulaufes endlich mit knapp einstündiger Verspätung beginnen konnte, hatte bereits im Vorfeld zu nachhaltigen Debatten in Kreisverbänden geführt.

Doch zunächst schwor der Fraktionsvorsitzende im Landtag, Oskar Lafontaine, die Partei auf die Wahl am 22. September ein: Deren Bedeutung sei größer als früher. Auch deshalb, weil die Bundestagswahl darüber entscheidet, wie die Entwicklung in Gesamteuropa verlaufen wird. Und dabei habe DIE LINKE eine besondere Aufgabe: »Sie muss darauf hinwirken, dass auch diskutiert wird, was mit der Katastrophe in Griechenland, in Italien, Portugal und Spanien ist, wo die Leute hungern, arbeitslos werden und die Jugend keine Zukunft hat. Das ist nicht mehr hinnehmbar.« Deshalb dürfe die deutsche LINKE nicht allein über die Arbeitsplätze in der deutschen Exportwirtschaft reden, sie müsse ebenso über die Arbeitsplätze in Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und Griechenland reden: »Wir sind eine internationale Partei … Das ist unsere große Tradition.« DIE LINKE bleibe bei ihrer konsequenten Antikriegs-Politik und bei ihrem Eintreten für die sozial Schwachen: Wer heute - wie die Kanzlerin - sage, Deutschland gehe es gut, verschließe die Augen vor den sozialen Problemen in unserem Land. DIE LINKE müsse die Stimme für diejenigen sein, die arbeitslos sind, die für Niedriglöhne arbeiten, die mit Werkverträgen ausgebeutet werden. Sie müsse dafür kämpfen, dass Menschen im Alter wieder in Würde leben können.

Das Entscheidende, betonte Lafontaine mit Blick auf die Kandidaturen, sei nicht, ob »A, B oder C auf Platz 1 ist. Das Entscheidende ist, wie wir die Stimmen der Partei DIE LINKE hier an der Saar nach oben bringen. Und dafür bin ich bereit, wieder zu kämpfen.«

Für diese Bereitschaft erntete der Fraktionsvorsitzende viel Zustimmung, für seinen Vorschlag, auf Platz 1 der Landesliste die einstige Tennisspielerin und politische Quereinsteigerin Claudia Kohde-Kilsch zu nominieren, gab es neben Unterstützung lautstarken Widerspruch.

An die Spitze der Landesliste wurden schließlich die bisherigen Bundestagsabgeordneten Yvonne Ploetz und Thomas Lutze gewählt. Kohde-Kilsch, Sprecherin der Landtagsfraktion, will weiterhin für die Politik der LINKEN antreten und tut dies unter anderem als Direktkandidatin im Wahlkreis Saarbrücken.

Florian Müller