Disput

Marathonlauf

Wenn du was ändern willst, musst du auch mitmachen!

Von Susanna Karawanskij, in Nordsachsen Direktkandidatin zur Bundestagswahl

Dieser Satz hat mich als Sympathisantin jahrelang begleitet und sich mir fest eingeprägt: »Wenn du was ändern willst, musst du auch mitmachen!«. Ich bin zur damaligen PDS im Rahmen meines Studiums der Kultur- und Politikwissenschaften gekommen. Ich suchte ein Praktikum und landete im offenen Abgeordnetenbüro LinXXnet in Leipzig. Natürlich hatte ich damals keine Ahnung davon, was das ist und wie man dort arbeitet. Zwar lernt man im Studium die Verknüpfung (vornehmlich) theoretischer Inhalte, die auch wichtig sind, aber man lernt erstaunlich wenig zur Praxis der Politik.

Von Anfang an wurde ich nicht nur freundlich aufgenommen, sogleich gab es auch die Möglichkeit, mitzumachen und sich einem Projekt zu widmen, was Spaß macht. In meinem Fall ging es um Migrantinnen und Migranten. Nach vier Jahren Zuschauen, Zuhören und Unterstützen war es dann endlich soweit: Ich bin in DIE LINKE eingetreten. 2008 wurde in Sachsen die Struktur- und Verwaltungsreform umgesetzt. In deren Folge entstanden riesige Landkreise, die bloß aus sehr großer Entfernung betrachtet eine »Einheit« darstellen. Zu dem Zeitpunkt habe ich mich erfolgreich als Geschäftsführerin der Kreistagsfraktion der LINKEN in Nordsachsen (liebevoll Banane genannt) beworben. Nun hieß es nach zwei wissenschaftlichen Forschungsprojekten an der Uni Leipzig: volle Kanne Kommunalpolitik.

Mein Respekt gegenüber den ehrenamtlichen Politikmacherinnen und -machern wuchs schnell, denn diese Mandatsträger/innen, meist nur mit kaum kostendeckenden Aufwandspauschalen bedacht, müssen von nahezu allen Sachen Ahnung haben und sich von Verordnungen zum Fallobst, über Schülerbeförderung und Abfallgebühren, bis hin zum Haushalt und zu »Kosten der Unterkunft« qualifiziert eine Meinung bilden und dazu Stellung nehmen können. In dieser Zeit lernte ich eine meiner wichtigsten Lektionen: In der Politik sind wir Marathonläufer. Im Klartext: Es sind die Mühen der Ebene, vor denen wir bestehen müssen und wo wir als LINKE in der Bevölkerung uns einen stabilen Stand erarbeiten, präsent sind und uns manchmal um scheinbare Nebensächlichkeiten der Menschen kümmern.

Diese Tonalität begleitet uns im Landkreis auch jetzt im Bundestagswahlkampf. Es sind eher die kleinen Formate, die überwiegen: viel in Bewegung, zahlreiche persönliche Gespräche, die sich nicht zwangsläufig immer um die großen politischen Themen drehen. Das macht Spaß, vor allem wenn man mit den Genossinnen und Genossen aus den Ortsverbänden unterwegs ist und die jeden Dritten mit Namen und oftmals dazu mit Lebenslauf, inklusive der Krankengeschichte, kennen.

Apropos Marathon: Großen Spaß, wenngleich es etwas Überwindung kostet und einer guten Fitness bedarf, machen Volksläufe. Nahezu jedes Wochenende findet in einem Ort ein Frühlingslauf oder Ähnliches statt, wo Mann oder Frau sich für unterschiedliche Distanzen entscheiden kann. Mein körperlicher Zustand lässt bislang die 10-Kilometer-Strecke zu, und auch der Wettbewerbsgedanke überwiegt weniger als die Motivation, als lebendige Werbefläche (Linkes T-Shirt) dabei zu sein – natürlich mit lautstarker Unterstützung der GenossInnen vor Ort, die, obwohl in die Jahre gekommen, wie junge Groupies an der Strecke anfeuern können. Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass wir solche Sachen im Wahlkampf machen werden, ich hätte geantwortet: Bei dir piept's wohl.

Neben dem Engagement im Kreisverband, wo ich im Juni 2012 zur Vorsitzenden gewählt wurde, durfte ich mich an verschiedenen Projekten im Landesverband beteiligen. Insbesondere das Thema Parteientwicklung, und in diesem Zusammenhang die Frage der Personalentwicklung und -förderung, hat es mir angetan. Denn die Zukunftsfähigkeit unserer Partei, vor allem in der Breite, in den ländlichen Regionen, hängt neben den Themen, die wir setzen, auch davon ab, wie wir strukturell aufgestellt sind und wie wir die Menschen, die mit uns Politik machen oder in Zukunft machen wollen, fördern und wenn notwendig qualifizieren. Lebenslanges Lernen auch als eigene Maxime.

Ich wünsche mir für dieses Jahr natürlich großartige Wahlergebnisse, aber ebenso, dass wir viele neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter für die Zukunft gewinnen können und dass uns bei all den Krisen hier und überall in Europa der Mut und manchmal die Leichtfüßigkeit nicht abhanden kommen.

Denn: Politik kann ja auch mal glitzern.

Susanna wurde am 27. April auf Platz 3 der sächsischen Landesliste zur Bundestagswahl gewählt.