Disput

Unter Beschuss geraten

Das kleine Blabla

Ich sitze beim Frühstück, es gibt Stulle, aus echtem Schrot und Korn. Im Radio die Nachrichten, und ich höre: »… ist der Verteidigungsminister erneut massiv unter Beschuss geraten.« Sieh an, sieh an – jeden anderen Ministerdarsteller (gern auch weiblich) träfe das sicher tödlich, so ein Verteidigungsminister aber ist in der Abwehr näher kommender Einschläge qua Amt wohl erprobt und wirft sich in den Unterstand, sprich: in die Deckung.

Wer »unter Beschuss« gerät, gibt in der Regel ein Ziel ab. Für Vorwürfe, Fragen, Angriffe … Und je heftiger Vorwürfe, Fragen, Angriffe sind, umso martialischer muss es benannt werden. Obwohl ein Treffer reichen kann, ist der Beschuss sofort »massiv«. Ein Flächenbombardement auf des Ministers Haupt, quasi. Die männlich dominierten Gesellschaften greifen nur allzu gern auf die drastischen Mittel der sprachlichen Kriegsführung zurück. Die Verteidigung – eine Blendgranate, Ausreden – Nebelkerzen oder durchsichtige Manöver, wohlgesetzte Argumente – ein Schlachtplan. Aus den Schützengräben muss man raus, selbige müssen zugeschüttet werden – und dann Händeschütteln auf dem Schlachtfeld der politischen Ehre. Und hintenrum ein Messer, ins Kreuz.

Mannomann, da wünscht man sich beinahe die an dieser Stelle schon kritisierte »Ohrfeige für die Regierung« zurück. Das jedoch wäre ein Schuss ins eigene Knie, die verbale Brutalität dadurch nur geringfügig gemindert. Also ganz weg mit dem gewalttätigen Dreck: Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!

Wenn schon Sprachbilder, dann welche mit Essen – das hört sich in der Regel schöner an: »Salamitaktik« klingt niedlich harmlos, ebenso der »Zuckerguss auf der Torte«, das »Sahnehäubchen« oder der »Biss nach oben«, wenn es »um die Wurst geht«.

Wer von militärisch gefärbten Sprachbildern nicht lassen kann, hat doch echt 'nen Schuss.

Daniel Bartsch