Disput

Reime zur Ungereimtheit der Lage

Satire

Von Jens Jansen

Frau Merkel steht zum dritten Mal
vor einer schweren Partner-Wahl:
Durch das Erkalten ihrer Liebe
bekam die FDP nur Hiebe.
Aus Beischlaf wurde Thron-Verweis.
Nun läuft die Mehrheitssuche heiß!
Und »Mutti«, die »Hurra!« getwittert,
die steht nun plötzlich ganz verbittert.
Sie braucht die Roten oder Grünen,
die beide ihr suspekt erschienen.
Die SPD hat längst erkannt:
Wer Änschie liebt, der wird entmannt!
Drum wurde der Konvent erfunden
als Airbag für die Vorstandswunden.
Und Grüne sind zwar geil auf Posten,
doch nicht, wenn sie die Rübe kosten.
So gingen beide auf Distanz.
Doch ihre Lust erlosch nicht ganz.

Sie taten sich ein wenig ZIEREN.
Die Merkel lud sie zum SONDIEREN.
Man wird sich etwas ATTACKIEREN.
Dann wird man manches AKZEPTIEREN.
Die Basis wird Krawall MARKIEREN.
Das hilft, mehr Posten RESERVIEREN.
Am Ende wird man KOALIEREN.
Das Kapital wird SANKTIONIEREN
und Pressejubel ARRANGIEREN.
Und Gauck darf das INTHRONISIEREN.

Das Englein trägt sie alle fort.
Sie hat ja deren Ehrenwort,
niemals die LINKEN zu umarmen,
denn denen fehlt es an Erbarmen
mit all den netten Börsen-Gästen,
die sich an Billiglöhnern mästen.
Auch werden Kriege sonst verbaut,
was uns die Rüstungsgelder klaut.
Das Schlachtschiff Deutschland darf nicht sinken
infolge Meuterei der LINKEN!
Der Gabriel ist williger,
wenngleich durchaus nicht billiger.
Zwei Drittel seiner Wählerschar
erschien ein Wechsel wunderbar.
Und denen muss er nun beweisen:
Der Zug soll zum Sozialstaat reisen!
Das klingt, als würde er orakeln,
der Schwanz kann mit der Hündin wackeln!
Frau Merkel wird die Zähne zeigen
und nur drei Leckerli abzweigen.
So bleibt er dann in ihrer Klammer
und sprengt auch nicht die Länderkammer!

Ihr Sieg verkommt zum Pyrrhus-Sieg.
Dann lieber gegen alle Krieg
durch eine Minderheitsregierung?
Das wäre auch eine Kastrierung
der Handlungsfreiheit in den Krisen,
die ringsum aus dem Boden schießen.
So bleibt noch Neuwahl als Option.
Das kostet viel! Wer will das schon?
Der Druck ist wirklich ungeheuer
und nicht erst durch die Reichensteuer.
Die ganze Welt des Kapitals
fühlt heute einen Strick am Hals:
Der Präsident der USA
kommt nicht an seinen Staatsetat.
Das bettelarme Griechenland
fühlt sich erwürgt von deutscher Hand.
Italien steht auf einem Bein
durch Berlusconi, dieses Schwein.
Auch Spanien ist total versackt
im Sumpf von diesem Europakt.
Von Portugal mal ganz zu schweigen.
Ob Frankreich durchhält, wird sich zeigen.
Und Deutschland als der Fels im Sturm,
das windet sich nun wie ein Wurm,
weil »Mutti«
auf der Achterbahn
kein Haltegurt mehr finden kann.

War auch die Wahlkampagne triste,
nun wird zum Krimi jene Liste
der Möglich- und Unmöglichkeiten,
die sich als großer Sumpf ausbreiten.
Und alles dies hat s e i n e n Grund –
nicht bei dem Unternehmerbund!
Nein, weil die bösen ROTEN SOCKEN
als DRITTE KRAFT dazwischenhocken!
Schon 100 Jahre ausgegrenzt,
spukt immer noch jenes »Gespenst«,
das scheinbar unbesieglich ist
und nie den alten Marx vergisst.
Gott schütze unser Vaterland! –
Solch Ruf von LINKS ist unbekannt.
Doch in dem Welt-Errettungs-Streite,
ist selbst der Papst an unsrer Seite! Amen!