Disput

Kult mit Gurke

Gert Gampe zum Erfolg der Zentralen Wahlkampfveranstaltungen

Gregor Gysis erster Dank am Wahlabend ging ausgerechnet an die Organisatoren der Z-Veranstaltungen, also der zentralen Wahlkampfveranstaltungen mit Promis. Du hattest wieder den Hut auf. Seit wann eigentlich?

Die Z-Veranstaltungen gibt es seit den 90er Jahren; ich war von Anfang an beteiligt. Aber: Diesmal gab es Lob von höchster Stelle.

Welchen Platz haben diese recht aufwändigen Veranstaltungen im Wahlkampf unserer Partei?

Schaut man sich das gesamte Spektrum der Mittel an, gibt es aus meiner Sicht diese Reihenfolge: Der Wahlkampf wird in erster Linie im Fernsehen entschieden. Ich glaube daran, dass der Straßenwahlkampf – vom Infostand, von Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern bis zu den Z-Veranstaltungen – eine entscheidende Rolle spielt. Und die »Materialschlacht« kommt für mich an dritter Stelle, ebenso wie das Internet.

Wie hat sich das Konzept der Veranstaltungen im Laufe der Jahre entwickelt?

Am Konzept wurde immer gebastelt, und es gab immer Diskussionen über die Länge der Veranstaltungen, über das Profil und die Tonalität, über Dramaturgie und über den Anteil der Kultur. Ich glaube, dass wir dieses Mal einen Schritt vorangekommen sind.

Inwiefern?

Veranstaltungen sind ein Puzzle. Die verschiedenen Elemente müssen dann ein sympathisches Bild ergeben und unsere Inhalte vermitteln: in dieser Gesamtheit von Bühne, Comics von Gerhard Seyfried und den Aussagen dahinter – denn da sind ja nicht nur Figuren als »Wahlvolk« abgebildet, sondern auch unsere Themen –, von unseren Wahlplakaten, bis zu den Auftritten der Bands, zur Moderation und zu den unterschiedlichen Vortragsstilen unserer Spitzenleute. Das alles fand eine gute Resonanz im Publikum. Zu den 3-Stunden-Veranstaltungen kamen stets Menschen hinzu – und nur sehr wenige gingen. Und an vielen Orten stimmte auch das Umfeld, bis hin zum Kinderprogramm.

Die Z-Veranstaltungen 2013 waren keine Kundgebungen, sondern linke Kulturfeste.

 

Ist die Kultur dabei Lockmittel, Verpackung, Zugabe?

Kultur ist für mich nie Lockmittel oder Zugabe, sondern immer ein gleichberechtigter Teil dieser Veranstaltungen. Die Künstler sind gleichberechtigte Mitwirkende. Sie haben auch in der Moderation und mit ihren Liedern deutlich gemacht, dass sie mit uns sympathisieren bzw. für uns stehen.

Wie kamen die Comics von Gerhard Seyfried als Dekoration auf der Bühne und drumherum an?

Sie waren für viele eine Überraschung. Sie haben für eine gelöste Stimmung, für eine gewisse Heiterkeit gesorgt, sie wurden als Fotomotiv wahrgenommen: Kinder, Schulklassen, auch Erwachsene haben sich vor den Motiven fotografieren lassen. Wir sind aufgefallen auf den Plätzen, wo man um die Bühne herumgehen und die Comics betrachten konnte. Ein gelungener Coup.

Wer sucht für die Veranstaltungen Termine, Plätze, Rednerinnen und Redner aus?

Die Z-Veranstaltungen sind selbstverständlich Teamarbeit. Im Bundeswahlbüro werden die Eckdaten besprochen. Ein kleines Team bereitet die Tour dann vor. Sie muss logistisch funktionieren, da sind Hunderte Kilometer zurückzulegen, andere Veranstaltungen und auch kurzfristige wichtige TV-Termine von Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht zu berücksichtigen. Ich erarbeite die Planung, die mit den Ländern, mit Landeswahlkampfleitern und Landesgeschäftsführern sowie den Büros der Spitzenleute abgestimmt wird. Über Wochen werden Termine »geschoben«, in Einzelfällen sogar noch während der Tour. Auf kurzfristige Anforderungen müssen wir kurzfristig reagieren. Da hat auch Ute Wolf bei der Terminkoordinierung sehr gut gearbeitet.

Wer organisiert das an Ort und Stelle?

Umgesetzt werden die Pläne durch unsere Mitglieder in den Städten, durch sehr zuverlässige Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer, die ich seit vielen Jahren kenne, die zum Teil morgens um sechs auf den Plätzen stehen und beim Aufbau der Bühne helfen und die an den Tagen davor Veranstaltungsplakate gehängt haben.

Die Produktion der Veranstaltungen lag in den bewährten Händen von MediaService, insbesondere von Roland Schröter, und von vielen Firmen, die für wichtige Dinge sorgten: Bühne, die Bereitstellung von Ton, Strom, Wasser, hinzu kamen Sanitäter und Ordner.

 

Wie viele Veranstaltungen waren das?

19 in 16 Bundesländern, davon in Bayern und Hessen, wo auch die Landtage gewählt wurden, und in Nordrhein-Westfalen je zwei. Aus meiner Sicht reicht die Anzahl trotzdem nicht; ich könnte mir vorstellen, dass noch mehr Veranstaltungen erforderlich sind.

Wer machte die Musik?

Polkaholix, Die Zöllner, Musix, das Trio Scho und Suzanna, Tino Eisbrenner.
Wir wissen, wie unterschiedlich die Musikgeschmäcker sind. Wir hatten ein breites Spektrum angeboten, das viele ansprach: jung wie alt, Ost wie West. Das hat wieder hervorragend funktioniert, weil sich auch die Künstler darauf eingestellt haben.
Für sie war es eine große Herausforderung, oft vor Gysi und Wagenknecht zu spielen, wenn die Leute schon ungeduldig auf deren Reden warten. Es hat aber sehr gut funktioniert: die Balance zwischen Politik und Kunst. Alle sind sehr respektvoll miteinander umgegangen, und es hat allen sehr viel Spaß gemacht.

Wo waren die Höhepunkte der Tour?

In Kassel gab es eine herausragende Veranstaltung: Unser Konzept wurde hundertprozentig umgesetzt, es gab eine gute Stimmung, und mehr als tausend Leute waren anwesend (parallel dazu hatte Trittin 150 Zuhörer). Ähnlich toll war‘s in Aachen, wo die Basis der Partei sehr gut mitgemacht hat: drei Infostände in der Stadt und aktive Helferinnen und Helfer. Sehr gute Veranstaltungen gab es auch in Stuttgart und in Leipzig mit dort 5.000 BesucherInnen. Überraschend viele waren es in Kiel: über 800 in einem Park, und auch das Wetter war auf unserer Seite. Und von den Veranstaltungen aus wurden unsere Botschaften durch Gespräche, Beiträge in den regionalen Sendern und Zeitungen und durchs Internet verbreitet.

Das Wetter war ja nicht überall so klasse.

In Nürnberg harrten einige Hundert bei strömendem Regen aus: Es begann um sechs beim Aufbau mit Regen, und es endete mit wolkenbruchartigem Regen, als Gysi sprach.
Wir hatten jedes Wetter, aber keine Veranstaltung fiel ins Wasser.

Was gab es an Interessantem hinter den Kulissen?

Nicht hinter den Kulissen: Für Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht gab es bei allen Veranstaltungen sehr viel Sympathie und den Wunsch nach Autogrammen und Fotos. Da herrschte oft großes Gedränge, während bereits der nächste Termin wartete.
Zu den sympathischen Episoden gehörten Eigenarten unserer Spitzenleute. Gregor Gysi hat vor jeder Rede erst mal zwei, drei kleine Spreewaldgurken gegessen. Das wurde Kult: Ohne Gurke ging Gregor nicht auf die Bühne.

Interview: Stefan Richter