Disput

Mit gemischten Gefühlen

Nachgefragt: Himmelhoch jauchzend? Zum Tode betrübt? – Wie Kandidatinnen und Kandidaten das Wahlergebnis bewerten

Im Juli und September hatte DISPUT LINKE-Wahlkandidatinnen und -kandidaten vorgestellt. Nach dem Wahltag ist es an der Zeit, kurz nachzufragen, ob sich ihre Erwartungen erfüllt haben - und worauf es künftig ankommt. Einige Antworten:

Eva-Maria Glathe-Braun, Ulm/Alb-Donau (Baden-Württemberg): Unser Bundesergebnis von 8,6 Prozent kann sich zweifellos sehen lassen, da wir aus schwierigen Zeiten gestärkt hervorgegangen und nun drittstärkste Partei im Bundestag sind. In meinem Wahlkreis hat sich eine gute Verankerung und Resonanz in der Stadt gezeigt, für die Menschen im ländlichen Raum müssen wir Strategien entwickeln.
Das nächste Ziel ist die Kommunalwahl. Schon während dieses Wahlkampfes wurde deutlich, dass die Kommunalpolitik Herzstück linker Politik ist. Auf den Podien und an den Infoständen konnte ich mein Wissen über die Probleme der Menschen hier erweitern. Ich sehe das als große Bereicherung und werde weiter mit Aktiven und Initiativen vor Ort zusammenarbeiten, um unsere Gesellschaft lebenswerter zu gestalten. Kulturpolitisch habe ich im Sommer an einem Kunstprojekt mitgearbeitet, das es verdient, weitergeführt zu werden. Dazu braucht es ideelle und materielle Grundlagen, dafür werde ich mich weiter einsetzen.

Reiner Zisler, Landshut (Bayern): Ich sehe das Bundestagswahlergebnis im Wahlkreis Landshut-Kelheim mit gemischten Gefühlen. Mit einem Ergebnis von 3,03 Prozent und insgesamt ca. 5.100 Stimmen liegen wir im niederbayrischen Durchschnitt. In der Stadt Landshut sind wir mit einem Stimmanteil von vier Prozent fast bei einem Großstadtergebnis in Bayern. Leider gibt es unser bayerisches Problem - zu wenige örtliche (bekannte) Aktive - auch in Landshut. Auch ich bin Neulandshuter und in der Stadt noch weitgehend unbekannt. Wir werden daran arbeiten, die Partei weiter aufzubauen und mehr Mitglieder und Aktive zu gewinnen.
Wir hoffen, dass uns die neue Bundestagsfraktion durch gute medienwirksame Politik indirekt dabei unterstützt. Auf parteiinterne Streitereien können und wollen wir verzichten.

Kersten Steinke, Bad Frankenhausen (Thüringen): Das starke Ergebnis der CDU habe ich nach den Gesprächen an den Infoständen und bei den Landtouren so nicht erwartet. Nun kommt es darauf an, als drittstärkste Kraft im Bundestag, als zweitstärkste Partei in Thüringen und in meinem Wahlkreis die Erwartungen unserer Wählerinnen und Wähler zu erfüllen. Dazu müssen wir konsequenter ihre Interessen analysieren, um sie noch zielstrebiger umzusetzen. Dabei brauchen wir den Elan dieses Wahlkampfes, die Erfahrungen der vergangenen Jahre und die Unterstützung aller Mitglieder der LINKEN, von außerparlamentarischen Bewegungen und möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern.
Im Wahlkampf und in meiner Tätigkeit als Vorsitzende des Petitionsausschusses des Bundestages habe ich immer wieder erfahren, dass die Probleme und Sorgen der Menschen vielfältig und schwerwiegend sind und einer starken LINKEN-Fraktion bedürfen. Die Lösung dieser Probleme ist mein und unser Auftrag.

Wolfgang Lörcher, Fulda (Hessen): Mein persönliches Wahlergebnis sowie das der Partei bei der Bundestagswahl ist leider schlechter ausgefallen als 2009. Ich denke, viele Themen (wie der Mindestlohn und höhere Steuern für Reiche) waren damals ein Alleinstellungsmerkmal der LINKEN, diesmal wurden sie von Rot-Grün übernommen.
Da wir in Hessen den Trend im Westen der Republik bei Landtagswahlen stoppen konnten, ändert sich für meine Arbeit als Wahlkreismitarbeiter für Willi van Ooyen erst einmal nichts. Wir müssen den Bürgerinnen und Bürgern verständlich machen, soziale Politik, eine Politik für die Mehrheit der Menschen gibt es nur mit der LINKEN.

Dieter Köhler, Heidenheim (Baden-Württemberg): Ich habe - nach unseren beiden Spitzenkandidaten - das drittbeste Ergebnis bei den Erststimmen in Baden-Württemberg einfahren können. Auch wenn wir insgesamt Stimmen verloren haben, sieht unsere Ausgangslage für die nächsten Kommunalwahlen, wenn wir die Kreisebene und Heidenheim differenziert betrachten, gut aus: In Heidenheim konnten wir 7,5 Prozent der Erststimmen und 6,5 Prozent der Zweitstimmen erreichen, im Landkreis Heidenheim liegt unser Erststimmenergebnis bei 6,2 Prozent und das Zweitstimmenergebnis bei 5,6 Prozent. In 13 von 42 Heidenheimer Wahllokalen belegten wir bei den Erststimmen den dritten Platz vor den Grünen und in sieben Wahllokalen den dritten Platz bei den Zweitstimmen vor den Grünen. Das gibt Auftrieb!
Als drittstärkste Partei im Bundestag haben wir die besten Voraussetzungen, unsere Arbeit im Kreisverband weiter zu gestalten.