Disput

Zurück in den Bundestag

Wenn Agnes Alpers sich einmal dafür entschieden hat, eine Aufgabe anzupacken, dann macht sie das mit vollem Einsatz

Von Sabine Bomeier

Nach ihrer bislang letzten Rede im Bundestag brach Agnes Alpers am 28. Juni 2013 aufgrund eines Aneurysmas zusammen. Ein Kollege rettete der Abgeordneten das Leben.

Die letzten Worte waren gesprochen, Agnes Alpers ging zurück auf ihren Platz und brach dort völlig überraschend zusammen. Staatssekretär Helge Braun erkannte als ausgebildeter Notarzt die Situation und leistete Erste Hilfe. Er rettete damit der an sich so quirligen 52-jährigen Abgeordneten und Spitzenkandidatin der Bremer LINKEN für die Bundestagswahl das Leben. Sie wurde danach sofort in die Berliner Charité gebracht, wo ein Aneurysma im Kopf diagnostiziert wurde. Nach einer Operation musste sie mehrere Wochen im künstlichen Koma verbringen. Heute befindet sie sich wieder in ihrem Wahlkreis, in einer Rehamaßnahme. Von dort hält sie ständigen Kontakt mit ihrem Wahlkreisbüro.

Ein Aneurysma ist eine Arterienerweiterung. Jeder Mensch kann davon betroffen sein; lebensbedrohlich wird es, wenn die Arterien platzen und es zu Blutungen kommt. Wahrscheinlich bis zu fünf Prozent der Bevölkerung haben ein Hirnaneurysma, das aber nie zu Beschwerden führt und so zeitlebens unentdeckt bleibt.

Agnes Alpers blieb trotz des langen Krankenhausaufenthalts und der danach anstehenden Rehamaßnahme die Spitzenkandidatin der Bremer LINKEN. Ihre Termine wurden von den Direktkandidaten in Bremen und Bremerhaven, Klaus-Rainer Rupp und Kristina Vogt, wahrgenommen, aber auch von der Landessprecherin Cornelia Barth. Sie erklärte: »Wir haben Agnes Alpers als unsere Bremer Vertretung für ein Mandat im Bundestag gewählt. Daran eine Veränderung vorzunehmen, stand für den Landesverband nie zur Debatte. Wir sind eine solidarische Partei – nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch.« Auch wenn es etwas Murren in Teilen des Landesverbandes gab, so war doch der überwiegende Teil der Meinung der Landessprecherin.

Bildung war und ist das Metier von Agnes Alpers. Schon vor ihrer Zeit als Abgeordnete und Sprecherin für Aus- und Weiterbildung der Bundestagsfraktion war sie als Bildungsdeputierte für DIE LINKE in Bremen aktiv. Und davor war die Diplompädagogin und Mutter zweier inzwischen erwachsener Töchter Elternsprecherin.

Ihr ist es wichtig, für die Menschen im Wahlkreis ansprechbar zu sein. Sie hört zu, wenn wie so oft jemand ins Wahlkreisbüro kommt und eine Menge Probleme mitbringt. Zum Beispiel Mieter/innen einer großen Bremer Wohnungsbaugesellschaft, denen die Mieten erhöht werden sollten, so sehr, dass viele sich nicht imstande sahen, diese zu zahlen. Sie befürchteten, umziehen zu müssen. Agnes Alpers schrieb Briefe und unterstützte den Protest der Hausbewohner/innen – und das mit Erfolg. Die Mieterhöhungen wurden zum großen Teil zurückgenommen.

Nicht nur solche Aktionen machen Agnes Alpers im Wahlkreis so populär. Sie besucht die verschiedensten Einrichtungen, ist immer mit den Menschen im Gespräch und macht sich an Ort und Stelle kundig. Politik nur nach Aktenlage, das ist nicht ihr Ding. Mit vielen Anregungen aus diesen Gesprächen kehrt sie zurück ins Wahlkreisbüro und setzt das Gehörte in Taten um.

Es gibt vieles, was ihr nicht allein in ihrem Wahlkreis unter den Nägeln brennt und was sie verbessert sehen möchte. Sie kämpft dafür, dass Kinder nicht deshalb schon ausgegrenzt werden, weil sie im »falschen« Stadtteil wohnen und somit weniger Chancen haben, eine gute Schule zu besuchen oder später eine Ausbildungsstelle zu finden. Sie weiß, wovon sie spricht, denn als Kind aus einer Arbeiterfamilie war ihr Weg zur Hochschulreife auch nicht einfach. Sie setzt sich aber ebenso ein für eine gute Bezahlung von Honorarkräften der Deutschkurse für Menschen mit Migrationshintergrund und macht sich kundig über die Arbeitsbedingungen von PflegerInnen.

Sie ist zu finden in den Projekten in den Stadtteilen und stößt dabei stets auf Neues, um das zu kümmern es sich lohnt. »Wir müssen die Armut in dieser Stadt, im ganzen Land bekämpfen. Die soziale Herkunft darf nicht weiter die Zukunft bestimmen«, bekräftigt Agnes Alpers und meint weiter: »Ich will nicht nur darüber reden, sondern auch konsequent nach meiner linken Überzeugung handeln.«

Wie alle Bundestagsabgeordneten pendelt sie zwischen Berlin und ihrem Wahlkreis. Es ist ein Leben aus dem Koffer, nicht immer leicht für sie und ihre Familie. Aber wenn sie sich einmal dafür entschieden hat, eine Aufgabe anzupacken, dann macht sie das mit vollem Einsatz.

Das kommt an bei den Wählerinnen und Wählern. Und so wurde sie denn auch wiedergewählt, mit immerhin 10,1 Prozent. Das ist für den Westen nicht schlecht.