Disput

Dreh in Rathen

Sommer, Sonne, Spaß im Wahlkampf. Mittendrin: Ina Leonhardt vom Kreisverband Sächsische Schweiz/Osterzgebirge

Von Florian Müller

Wie in einem richtig schönen Film: eine prächtige Kulisse und wunderbares Wetter, dazu ein Hauptdarsteller, für den sich neben den eigentlichen Filmemachern eine stattliche Crew nach Kräften ins Zeug legt: Genossinnen und Genossen aus dem Kreisverband Sächsische Schweiz/Osterzgebirge.

»Wir drehen einen Film über uns, DIE LINKE, und unseren Direktkandidaten André Hahn«, erläutert Ina Leonhardt. »In dem Film fürs Internet wollen wir zeigen, wer und wie wir sind und dass Politik Spaß machen kann. Wir wollen vor allem jüngeren Leuten entgegenkommen und sie nicht nur mit Flyern und Plakaten ›zuballern‹«.

Ina muss es wissen. Die Studentin (Geschichte sowie Kunstgeschichte und Politik) ist stellvertretende Wahlkampfleiterin der LINKEN im Kreis. Die meisten der 550 Mitglieder sind im fortgeschrittenen Alter.

Wahlkampf, das sind selbstverständlich auch hier all die bekannten Dinge: das Verabreden von Verantwortlichkeiten, das Planen dessen, was gebraucht wird, das Anmelden von Veranstaltungen und Infoständen, das Bestellen, Entgegennehmen und dann das Verteilen von Hunderten oder gar Tausenden Plakaten, Handzetteln, Wahlzeitungen, Personenfoldern.

Ein paar Zahlen allein für diesen sächsischen Kreisverband: 50.000 Wahlzeitungen, 1.250 Themenplakate, 600 Personenplakate, 30.000 Personenfolder (davon 3.000 für Infostände, der Rest als Einleger für eine Zeitung). Das alles so effektiv wie möglich zu nutzen ist der Anspruch. Eine neue Theke mit Parteilogo wurde gekauft, ein Stehtisch, ein Glücksrad – und ein Kleintransporter, so hat’s der Kreisparteitag beschlossen, denn Wahl folgt auf Wahl: Europaparlament, Landtag und Gemeindevertretungen (2014) und Bürgermeister (2015).

Infostände gab es in den größeren Städten wie Pirna, Freital und Dippoldiswalde, wo es natürlich leichter ist, sie vorzubereiten und durchzuführen, sowie in kleineren Orten. »Dabei versuchen wir, altersmäßig eine gute Mischung von aussagefähigen Mitgliedern hinzubekommen«, erzählt Ina. Ins Schwärmen kommt sie, denkt sie an Mitstreiterinnen wie Ursula Hempel. Die Ortsvorsitzende in Kreischa buk sogar Pflaumenkuchen, mit denen sie am Infostand Appetit auf mehr weckte. »Richtig lieb«, findet Ina.

Die vergangenen Wochen hatten es in sich, da blieb manches hintenan, nicht bloß der Garten. Doch Spaß hat’s gemacht. 2009, gerade Mitglied geworden, hatte sie sich erst teilweise am Wahlkampf beteiligt. Diesmal volle Pulle. Manchmal, wie heute im Kurort Rathen, ist Söhnchen Pablo mit dabei.

Ina mag es besonders, größere und ein wenig ungewöhnliche Veranstaltungen zu organisieren. Und Kultur sollte dabei unbedingt dazugehören. Wie bei jedem Kreisparteitag oder beim Politischen Aschermittwoch. Oder beim Friedensfest im vorigen Jahr. Oder beim Verleihen des Anna-Hirsch-Preises zum Internationalen Frauentag: Der Kreisverband hatte 2013 mit diesem Preis erstmals vier äußerst engagierte Frauen geehrt (Anna Hirsch war in der Region Gemeindevertreterin, Kommunistin und Widerstandskämpferin, sie kam im KZ Auschwitz ums Leben).

Auf den Elbwiesen, ein paar Meter entfernt von der Fähre, unterhalb der eindrucksvollen Bastei im Elbsandsteingebirge, sind der Pavillon aufgestellt und Werbebanner entrollt, die Biertischgarnitur steht, daneben der Grill. Nach und nach treffen Genossinnen und Genossen ein, packen mit an und plauschen. Der Filmsonntag soll schließlich Spaß machen.

Die jungen Filmemacher, keine Mitglieder der LINKEN, bereiten sich präzise vor, wählen für den Dreh den ersten Platz aus, richten Kamera und Ton ein. Eine kurze Absprache mit André Hahn: Die Anrede mit Du oder Sie? Welche Themen sollten im Interview keinesfalls fehlen? – Klar: Krieg und Frieden, Mindestlohn, Osten, NPD, Gesundheitspolitik, Finanzierbarkeit unserer Forderungen … Und möglichst kurz, auf den Punkt gebracht. Auch klar, denn der Hahn ist kein heuriger Hase. Er wohnt im Nachbarort, war viele Jahre Oppositionsführer im Sächsischen Landtag und ist nun, auf Platz 2 der Landesliste, auf dem Weg in den Bundestag.

Das Wetter zu den Aufnahmen für den Film des Kreisverbandes war nicht geplant, aber wahlkampfmäßig sehr verdient.