Disput

Kämpfen, kämpfen, kämpfen … feiern

Von Matthias Höhn, Bundesgeschäftsführer und Bundeswahlkampfleiter

Ein Wort zu Bayern: Schade! Ein paar mehr Worte sollten es dann doch sein: 2,1 Prozent. Natürlich sind wir enttäuscht. Wir haben uns ein besseres Ergebnis gewünscht, hätten den Einzug verdient, die Genossinnen und Genossen in Bayern hätten es verdient - na, und die CSU hätte uns erst recht verdient. Der verpasste Einzug ins Maximilianeum darf nicht dazu führen, dass wir die Köpfe hängen lassen. Jetzt erst recht, muss es heißen. Und wenn es diesmal noch schiefgegangen ist, am kommenden Sonntag, zur Bundestagwahl, werden wir umso erfolgreicher sein.

Wenn ihr dieses Heft in den Händen haltet, sind es keine 100 Stunden mehr bis zur Schließung der Wahllokale. Keine 100 Stunden mehr, bis wir wissen, wie viel Prozent der Wählerinnen und Wähler uns ihre Stimme gaben. Keine 100 Stunden mehr, bis wir wissen, ob es in Deutschland »weiter so« geht, es nur einen Machtwechsel gibt oder ob die Chance auf einen echten Politikwechsel besteht. Dafür sind wir angetreten: einen echten Politikwechsel zu ermöglichen, hin zu sozialer Gerechtigkeit und Frieden. Und in nicht mal mehr 100 Stunden wird abgerechnet.

In den vergangenen Wochen hat sich mehrfach gezeigt, dass wir richtig lagen. Kanzlermutti Merkel und ihre Partei machten einen Wahlkampf, der an Langeweile und Inhaltsleere kaum noch zu toppen ist. Merkel ist alles und das sehr unscharf. Ob NSA, Euro, Syrien - selbst im Wahlkampf aufkommende Themen ließ sie an sich abtropfen und zeigte mehr Bereitschaft zum Aussitzen als Altkanzler Kohl.

Bei der SPD endete fast jede Attacke, jeder Anlauf mit einem Sprung in einen Fettnapf. Es wurden mehr Konstellationen ausgeschlossen, als insgesamt Themen und Inhalte gesetzt wurden. Wer sich so von der Umsetzbarkeit seiner Wahlversprechen absetzt, der will eigentlich gar keine Wahlen gewinnen. Das merkte man und das Ergebnis wird entsprechend ausfallen.

Die FDP war trotz starkem Blau-gelb-Kontrast sehr farblos, die Angst vor der 5-Prozent-Hürde lähmte offensichtlich alles; außer den gewohnt hohlen Parolen war nichts zu hören. Die Grünen tauchten nur auf, wenn es um Koalitionen ging oder sie uns einen fleischlosen Tag verordnen wollten. Scheingefechte, Ideenarmut, Langeweile. Wir haben gut daran getan, uns und unsere Themen konsequent in den Vordergrund zu stellen - dafür wollen wir gewählt werden und ich bin mir sicher, dafür werden wir gewählt. Klar, Umfragen sind noch keine Wahlergebnisse - aber der Trend der letzten Wochen zeigt deutlich in die richtige Richtung.

Und plötzlich schnurren die Monate der Vorbereitung, die Wochen des Straßenwahlkampfes zusammen auf nicht einmal mehr 100 Stunden. Das ist nicht mehr viel - aber viel zu früh zum Zurücklehnen. Immer mehr Menschen entscheiden sich erst kurz vor knapp für eine Partei oder dafür, überhaupt wählen zu gehen. Das heißt für uns: Es gibt noch viel zu tun, vielleicht mehr als in den letzten Wochen. Im Endspurt, auf den letzten Metern, heißt es, die Kräfte gebündelt zu mobilisieren.

Und ich bin stolz, wenn ich sehe, mit wie viel Kreativität und Energie ihr diesen Wahlkampf bestreitet. Fast täglich erreichen mich Berichte, bekomme ich Fotos von Veranstaltungen, Infoständen und unseren Fahrrädern in Aktion. Ich ahne, dass ich bei euch offene Türen einrenne, wenn ich bitte, in den verbleibenden Stunden noch einmal alles zu geben, dran zu bleiben.

Eine erfreuliche Fußnote habe ich noch: Immer wieder sind im Wahlkampf Menschen der LINKEN beigetreten, oft gleich direkt an den Infoständen. Ein schöneres Lob für unsere Inhalte können wir nicht bekommen. Habt also auch immer ausreichend Eintrittsformulare dabei.

Am Sonntag, 22. September 2013, Schlag 18.00 Uhr steigen die bunten Balken bei ARD und ZDF - und für uns heißt es dann: feiern! Nach diesem tollen, engagierten und gelungenen Wahlkampf dürfen wir die Ernte genießen. Für ein paar Stunden, denn ab dem 23. September geht die handfeste Politik wieder los, und vielleicht wissen wir dann schon, ob es für einen echten Politikwechsel reicht, hin zu 100 Prozent sozial.