Disput

Weitreichender Schluss

Das kleine Blabla

Sonntagmorgen, ganz gemütlich. Ich habe eben mit dem Frühstück begonnen, im Radio laufen die Nachrichten und ich höre: »… kamen zu dem weitreichenden Schluss, dass …«

Mh, während ein »weitreichender Schuss« mir gerade so noch etwas sagt und ich einen solchen ganz friedfertig ganz doof finde, frage ich mich ernstlich, was ein weitreichender Schluss ist? Vielleicht das Gegenteil von »Das Ende ist nah«? Das dauert wieder, so in diese Richtung? Wie eben in der Geburt auch schon der Schluss - zeitlich gesehen - sehr weitreichend angelegt ist? Man weiß es nicht. Und genau das ist das Problem. Wenn ich erst weitreichend und langanhaltend nachgrübeln muss, ist die Formulierung vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss.

So schwammig (teigig, weich, flexibel), wie hier formuliert wird, ist das Ganze auch. Weitreichend sind lange Finger, meinetwegen der Arm des Gesetzes oder auch der Wasserstrahl aus dem Rasensprenger, wenn er auch die hintersten Büsche (Brombeere, Himbeere, Erdbeere) erreicht. Man merkt gleich: Weitreichend ist von großer Tragweite. Vom Körperlichen, über die Juristerei (hier gibt mir mein Textprogramm als Alternative übrigens Wursterei an) bis zum rein Pflanzlichen überspannt »weitreichend« gleich mal alles - und nichts.

Alles kann, nichts muss. So auch ein weitreichender Schluss. Vermutlich soll dieser ein Ergebnis als folgenreich, bedeutsam und (ACHTUNG!) einschneidend beschreiben, pumpt es aber nur zu warmer Luft auf, lässt es abheben und, entschwindend, uns nicht weiter drüber sprechen. Alles, nichts, alles nichts.

Der Schweizer, unser langsamer und käsiger Nachbar, macht es richtig: Für ihn ist weitreichend gleich schwergründig - da schwingt zumindest Gewicht mit. Das ist ein naheliegender Schluss.

Daniel Bartsch